13:30 22 September 2018
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    Flaggen der USA und Chinas (Symbolbild)

    1,2-Billionen-Dollar-Waffe: So könnte China die US-Wirtschaft crashen lassen

    © REUTERS / Damir Sagolj
    Wirtschaft
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    Peking verfügt über eine starke Waffe – ein Paket von US-Staatsanleihen im Wert von 1,2 Billionen Dollar. Falls China mit dessen Ausverkauf beginnt, kann Washington nicht mehr Mittel zur Stabilisierung des Haushalts leihen. Warum wollen immer weniger Länder den USA Geld borgen und was passiert, wenn China immer mehr US-Schuldscheine abstößt?

    Nach Russland befreit sich nun die Türkei von US-Staatsanleihen. Als die Handlungen Washingtons in der Türkei zum Absturz der Nationalwährung Lira führten, verkaufte Ankara US-Anleihen im Wert von knapp vier Milliarden Dollar. Jetzt steht China im Fokus – der Schaden des vom Weißen Haus entfachten Handelskriegs wird auf hunderte Milliarden Dollar geschätzt.

    Russland lieferte Beispiel

    Die Sanktionen vom April sowie die Drohungen der Isolierung Russlands vom internationalen Rechnungssystem und Einschränkungen für Deals mit russischen Staatsschulden bewegten die Zentralbank zu entschlossenen Schritten. Im April und Mai verkaufte Russland 85 Prozent seiner US-Staatsanleihen. Der Anteil der Treasuries wurde auf 15 Milliarden Dollar verringert, zu Jahresbeginn waren es mehr als 100 Milliarden Dollar. Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington verschlechtern sich weiter. Im September sind neue wirtschaftliche Einschränkungen durch die USA zu erwarten, weshalb der russischen Nationalwährung eine weitere Instabilitätswelle droht.

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    Parallel greifen die USA die Türkei an. Nachdem sich Ankara weigerte, den der Spionage verdächtigten Amerikaner Andrew Brunson freizulassen, verdoppelte Washington die Zolltarife auf türkisches Aluminium und Stahl. Im Ergebnis stürzte die türkische Lira innerhalb weniger Tage um mehr als 25 Prozent ab. Seit Januar verlor sie 40 Prozent an Wert.

    Türkei verkauft Treasuries

    „Der Lira-Absturz ist zweifellos eine geplante Attacke durch den größten Spieler des Finanzsystems“, sagte der türkische Finanzminister Berat Albayrak.

    Die türkische Zentralbank kündigte Sondermaßnahmen an, wobei 10,5 Milliarden Dollar aus Reservefonds bereitgestellt werden sollen.

    Zugleich verklappte Ankara einen Teil seiner US-Staatsanleihen. Im Mai hatte die Türkei noch ein Paket für 32,6 Milliarden Dollar, im Juni waren es nur noch 28,8 Milliarden. Das große Ausmisten der US-Anleihen läuft bereits seit fast einem Jahr. Im November 2017 hatte Ankara noch Treasuries im Wert von 61,2 Milliarden Dollar.

    Ausverkauf

    Damit sind Russland und die Türkei aus der Liste der größten Kreditoren der US-Staatsschulden verschwunden. Ihnen folgen auch andere Staaten. Im April ging der Anteil der US-Staatsanleihen bei ausländischen Kreditgebern auf 6,17 Billionen Dollar zurück.

    China, der Spitzenreiter unter den US-Kreditgebern (1,18 Billionen Dollar), reduzierte sein Paket um 4,4 Milliarden Dollar.

    China im Fokus der Aufmerksamkeit

    Experten schließen nicht aus, dass Peking weitere Schuldscheine abstoßen wird.

    Peking verfügt über fast 20 Prozent der US-Staatsschulden, die fremden Staaten gehören. Jede Handlung mit größeren Treasuries-Mengen ist gefährlich für das US-Finanzsystem und den Dollar-Kurs.

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    Der Handelskrieg zwischen Peking und Washington gewinnt an Fahrt. Die Erhöhung der gegenseitigen Zölle ab 23. August belastet die Beziehungen der beiden Länder und könnte zu massiven Verlusten für den ganzen Welthandel führen. In solch einer Situation wächst die Wahrscheinlichkeit, dass China seine wichtigste Waffe nutzen wird.

    In den vergangenen Jahren lag die Rentabilität der US-Bonds für Peking bei mehreren Milliarden Dollar. Bereits Ende 2016 und Anfang 2017 reduzierten die Chinesen ihre Einlagen in US-Staatsschulden, um das Erstarken des Yuans zu kompensieren. Doch seit der Zeit wurden wieder viele Anleihen zurückgekauft.

    Verlangsamung der Wirtschaft

    Falls Peking seine Geduld verliert und einen Teil der US-Treasuries verkauft, wird ihr Wert fallen und die Rentabilität deutlich steigen. Das würde automatisch die Anleihen in den USA ankurbeln – sowohl für Unternehmen, als auch für einfache Verbraucher. Dadurch würde wiederum das Wirtschaftswachstum gebremst werden. Zudem würde die Emission der Schuldpapiere für die US-Regierung zunehmend teurer werden.

    „Die Wirtschaft wird dann wegen hoher Zinssätze überall fiebern, was einen starken Verlangsamungseffekt nach sich ziehen wird“, sagte Jeff Mills von PNC Financial Services Group.

    Natürlich sind keine hastigen Schritte zu erwarten. Sollte China die Einstellung des Ankaufs von US-Staatsanleihen beziehungsweise den Verkauf eines großen Pakets beschließen, kommt es sicherlich zu einer totalen Panik auf dem Markt. Der Dollar-Kurs würde dann sinken, was dem Exportmarkt Chinas schaden würde.

    Eine andere Sache ist: Für Peking würde eine  geringfügige Reduzierung seiner Einlagen in US-Anleihen schon völlig genügen, um der US-Wirtschaft einen heftigen Schlag zu versetzen. Angesichts der zunehmenden Rentabilität der zehnjährigen Papiere greift China bereits zu diesem Hebel.

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    Einschränkungen, Lira, Drohungen, Staatsanleihen, Deal, Isolierung, Türkei, USA, Russland, China