16:14 24 September 2018
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    Credit Suisse (Archiv)

    Washington und London drängen auf europäische Banken

    © AFP 2018 / Fabrice COFFRINI
    Wirtschaft
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    Natalia Pawlowa
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    Nach der Verhängung der US-Sanktionen gegen Russland ergriffen die Londoner Filiale der Deutschen Bank und Credit Suisse Schritte, die die Beziehungen zu Russland erschwerten. Die Amerikaner schlagen nicht Russland, sondern ihre europäischen Konkurrenten, meinen Experten.

    Die Londoner Filiale der Deutschen Bank hat die russische Regierung um „die neuesten Informationen über ihr Unternehmen“ gebeten. Die Unmöglichkeit, diese zu erhalten, könne die Bank zur Beendigung der Geschäftsbeziehungen zwingen, hieß es.

    Der Leiter des Zentrums für politische und wirtschaftliche Studien, Wassili Koltaschow, verweist darauf, dass die Londoner Filiale der Deutschen Bank für einen möglichen Abbruch der Beziehungen verantwortlich sei. Dabei betont der Analytiker, sie sie nicht das einzige Geldinstitut in Europa, mit dem die russische Regierung kooperiere.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Deutsche Bank droht russischer Regierung mit Abbruch von Beziehungen – Medien

    „Die Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien sind auf Initiative des Letzteren schon lange und ernsthaft verdorben. Weitere Wirtschaftsbeziehungen sind fraglich. Bemerkenswert ist, dass die britische Filiale der Deutschen Bank in diesem Fall als Agent des internationalen Finanzdrucks auftritt. Es ist erstaunlich, dass gerade die Deutsche Bank die Bereitstellung von Informationen in Form eines Ultimatums fordert. Dies deutet darauf hin, dass die Zeit der gespannten Beziehungen zwischen Russland und Deutschland trotz aller Beteuerungen eines Strebens nach einem Dialog noch nicht vorbei ist“, verriet der Wirtschaftsexperte.

    Am Beispiel der schweizerischen Bank Credit Suisse könne man erkennen, wie die US-Sanktionen die Europäer unter Druck setzen würden. Dies sei die stärkste Waffe unter den jüngsten US-Sanktionen gegen Russland, sagte Alexander Schpunt von der Higher School of Economics  im Gespräch mit Sputnik.

    „Das ist Druckausübung auf eine dritte Partei. Der eigentliche Handels- und Technologieumsatz zwischen Russland und den USA ist sehr gering. Wenn es sich also nur um US-Unternehmen handeln würde, wäre es wie ein Tropfen auf dem heißen Stein, wir würden das nicht bemerken. Aber die Tatsache, dass die ganze Welt dadurch gezwungen ist, Handels- und Geschäftsbeziehungen mit Russland abzubrechen, ist sehr ernst. Die USA verhängten einst ähnliche Sanktionen gegen Syrien. Die Deutsche Bank, die keine US-Bank ist, führte dann ihre Geschäfte in Syrien fort. Und der amerikanischen Abteilung der Bank wurde die damals größte Geldstrafe der Welt auferlegt. In dieser Situation verüben die Amerikaner weniger gegen Russland, als eher gegen ihre europäischen Konkurrenten einen Schlag. Diese Strafmaßnahmen richten sich gegen die europäische Wirtschaft, die weitgehend auf den Handel mit Russland angewiesen ist. Wenn die größte Bank heute ihren Ruf verlieren muss, welche großen russischen Unternehmen werden dann mit ihr zusammenarbeiten?“

    >>Andere Sputnik-Artikel: Russische Konten bei Credit Suisse nicht gesperrt

    Laut einem Agenturbericht von Reuters hat Credit Suisse mehrere mit Russland verbundene Konten mit einer Gesamtsumme von etwa fünf Milliarden Dollar eingefroren. Die Schweizer Bank dementierte diesen Bericht. Nach eigenen Angaben weigert sich Credit Suisse, einen Teil der von russischen Kunden übertragenen Vermögenswerte zu verwalten. Sie behalte sie weiterhin und Bankkunden hätten immer noch Zugang zu ihnen.

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    Tags:
    US-Sanktionen, Sperrung, Konten, Banken, Credit Suisse, Deutsche Bank, Russland