00:07 20 September 2018
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    Lohnungleichheit (Symbolbild)

    „Arbeitszeit eines jeden ist gleich viel wert“ – Unternehmen mit Einheitslohn

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    Wirtschaft
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    Valentin Raskatov
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    Wie lassen sich Ungerechtigkeiten beim Gehalt vermeiden? Indem jeder dasselbe erhält. Das Konzept nennt sich Einheitslohn und funktioniert schon seit Jahren beim Hamburger Unternehmen Premium Cola. Sputnik hat mit dem Unternehmen gesprochen.

    Immer wieder gibt es Debatten um Lohnungerechtigkeiten in Unternehmen. Es geht dabei nicht nur um Millionengehälter für Manager, sondern auch um die sogenannte Gender Pay Gap, das durchschnittlich geringere Einkommen für Frauen, oder auch darum, dass die Gehälter von Firmen intransparent sind und der Risikofreudigere sich oft in den Verhandlungen durchsetzt, nicht unbedingt der Qualifiziertere.

    Eine Lösung, die immer wieder ins Feld geführt wird, ist es, diese Debatte im Keim zu ersticken, indem einfach alle gleich viel bekommen. Einheitslohn nennt sich dieses Konzept, und das Getränke-Unternehmen Premium Cola setzt diesen Einheitslohn seit nun schon zehn Jahren um.

    Das Unternehmen versteht sich „als ein Kollektiv“ und das Kernteam, das sich zwischen 20 und 40 Personen bewegt, erhält gleiche Anteile am Einkommen. Konkret bedeutet es: 18 Euro Grundlohn für jeden Mitarbeiter sowie ein Kinderzuschlag von zwei Euro die Stunde und ein Bürozuschlag bei eigenem Büroraum von anderthalb Euro die Stunde.

    Arbeitszeit ist bei jedem gleich viel wert

    „Sowohl Leute, die zum Kollektiv dazustoßen, als auch Leute, die von uns hören und nachfragen, sind in der Regel verwundert, dass wir das so machen und dass davon jeder betroffen ist“, bemerkt Gregor May, Gebietsbetreuer bei Premium Cola, gegenüber Sputnik. Aus der Sicht von Premium Cola ist dagegen der Einheitslohn alles andere als verwunderlich. „Wir denken uns, dass die Arbeits- und Lebenszeit eines Menschen nicht mehr wert ist als die des anderen“, so May.

    Mit dieser Lösung seien alle zufrieden, wenn es auch „Geschmacksunterschiede“ gebe, „was die Höhe betrifft“. Im Allgemeinen bewirke der Einheitslohn aber, „dass die Leute sehr viel entspannter und sehr viel offener an ihre Arbeitsweise rangehen, dass sie sich mehr ausprobieren können und zufriedener sind als in eher konkurrierenden Arbeitsverhältnissen“, hebt der Gebietsbetreuer hervor.

    Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit – Mitarbeiterin

    Das findet auch die gelernte Designerin Elena Tzara, die viel in der Filmbranche tätig war und nun bei Premium Cola an Bord ist. Vor allem die Atmosphäre und der Umgang mit den Menschen in der Filmbranche habe sie letztlich abgestoßen. Viel habe ihr auch die Frage nach dem Wirtschaftssystem, das solche Probleme hervorruft, zu schaffen gemacht. Bis ein Freund ihr von Premium Cola erzählt habe. Das war für sie die Antwort.

    Gesprächspartner Gregor May
    © Foto : Gregor May
    Gesprächspartner Gregor May

    Für sie schafft der gleiche Lohn „ein besseres Teamgefühl“. Und sie findet es gerecht, dass auch Menschen mit einfacheren Aufgaben gleich viel verdienen. Ihre Begründung: „Ich fände es unfair, wenn jemand mit anderen oder monotoneren Aufgaben weniger verdienen würde. Ich entscheide mich ja bewusst gegen diese, weil sie mir weniger Spaß machen. Trotzdem muss jemand sie erledigen.“ Die Designerin, die anderswo auch mehr verdienen könnte, ist außerdem zufrieden durch die große Freiheit, die das Unternehmen ihr bietet. Durch flexible Arbeitszeiten, Arbeitsumfang und Arbeitsort kann sie sich auch den ehrenamtlichen Tätigkeiten widmen, die ihr wichtig sind.

    Außerdem gibt ihr der Kollektiv-Aufbau des Unternehmens mit seiner Konsens-Demokratie ein Gefühl der Sicherheit: „Wenn ich nicht vorsätzlich irgendeinen Mist baue, werden sich niemals alle Kollektivistinnen und Kollektivisten darüber einig sein, mich rauszuschmeißen“, erklärt sie.

    Ob der Einheitslohn das Erfolgsrezept für jede Branche ist? „Ich bin der Meinung, dass ein Grundlohn und ein Bedarfslohn in jeder Branche umsetzbar ist“, findet May. Einfacher würde es allerdings dort, wo im Stückgut verkauft werde. Im produzierenden Gewerbe sei das „eher anders möglich“, merkt er an. „Aber überall umsetzbar und wünschenswert ist es auf alle Fälle“, so der Gebietsbetreuer.

    Das Interview mit Gregor May in voller Länge:

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    Tags:
    Gerechtigkeit, Einheitslohn, Qualifikation, Gender Pay Gap, Lohn, Soziales, Mindestlohn, Premium Cola, Hamburg, Deutschland