11:43 17 November 2018
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    EDL-Anlage (Archivbild)

    Ostdeutsche Firma trotzt US-Embargo gegen Iran: Vertrag für Raffinerieanlagenbau

    © Foto: EDL Anlagenbau GmbH
    Wirtschaft
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    Andreas Peter
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    Trotz extraterritorialen Sanktionen der USA gegen Handel mit dem Iran halten Firmen an Geschäften mit dem Land fest. Dazu gehört auch das Leipziger Unternehmen EDL Anlagenbau. Es wird im Iran zwei Anlagen im Schmierölraffineriebereich für die Firma Sepahan Oil planen bzw. umbauen. Der demonstrativen Wirkung dieses Geschäfts ist sich EDL bewusst.

    Vor wenigen Tagen erst feierte die Firma EDL Anlagenbau ihren 27. Geburtstag. 1991 heuerte die Edeleanu GmbH 95 hochqualifizierte Ingenieure des ehemaligen DDR-Kombinates Chemieanlagenbau Leipzig-Grimma (CLG) an, um mit ihnen in der Edeleanu GmbH Leipzig die jahrzehntelange Tradition des Chemieanlagenbaus in Leipzig fortzusetzen. Zum 25-jährigen Firmenjubiläum waren immerhin noch 11 Mitarbeiter des Gründungsteams im Unternehmen aktiv. Nicht selbstverständlich in unseren Tagen. Seit 2003 gehört EDL zur österreichischen Pörner-Gruppe, die schon seit 1992 in Grimma am ehemaligen Stammsitz des CLG-Kombinates aktiv ist.

    Ebenfalls seit 1992 auf dem Weltmarkt ist das iranische Unternehmen Sepahan Oil (SOC). In der Eigendarstellung bezeichnet sich SOC als größter Produzent von Grundölerzeugnissen im Nahen Osten sowie als unabhängiges Öl-Raffinerie-Unternehmen mit Sitz in Teheran. Die eigentlichen Produktionsanlagen stehen allerdings in Isfahan, knapp 400 Kilometer südlich der iranischen Hauptstadt.

    Vertrauensvolle Beziehungen

    EDL ist schon „seit langem im Iran tätig“, wie der Geschäftsführer, Dr. Michael Haid, auf Anfrage von Sputnik erklärt. Er freue sich, „dass wir trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weiterhin ein vertrauensvolles Verhältnis zu unseren iranischen Partnern pflegen können“. Sinnbildlicher Ausdruck dessen ist ein Vertrag zwischen EDL und SOC über die Entwurfsplanung für eine Deoiling-Anlage auf der Basis der EDL-Technologie und den Umbau einer Dewaxing-Anlage. Beim Dewaxing wird hochwertiges Basisöl durch die Entfernung von Wachs mit Hilfe von Lösungsmittelfiltration gewonnen. Das Wachs wird dann anschließend mittels Deoiling zu Hartwachs und Öl weiterverarbeitet. EDL teilt Sputnik mit:

    „Die Anlagen werden für die Herstellung von hochwertigen Ölen und Wachsen eingesetzt. Hinsichtlich der Investitionssumme können wir leider keine Angaben machen. Die Abrechnung erfolgt in Euro.“

    Jahrelange Erfahrungen

    EDL verfügt über exzellente Erfahrungen und Kenntnisse in der Entölung und Entparaffinierung, wie das Dewaxing im Fachdeutsch auch genannt wird, und lizenziert weitere Verfahren zur Herstellung von Basisölen, Tenderölen, Wachsen und anderen hochwertigen Spezialprodukten. Zweifellos einer der wesentlichen Gründe dafür, dass SOC gerade bei diesem Unternehmen anfragte. Für EDL war die Motivation klar, einem Vertragsabschluss zuzustimmen, wie Michael Haid auf entsprechende Frage bekundete:

    „Wir möchten mit unserem Know-how und unseren Technologien wirtschaftliche und wettbewerbsfähige Lösungen für unsere Kunden in der Prozessindustrie sicherstellen. Wir sind der Überzeugung, dass wir mit unseren technologischen Lösungen einen, wenn auch kleinen, positiven Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg und zur Sicherung von Arbeitsplätzen im Iran leisten und somit zur Stabilität und Sicherheit in der Region beitragen. Wir haben keine Bedenken, da wir uns uneingeschränkt in dem für uns gültigen, gesetzlich zulässigen Rahmen bewegen.“

    Eine derartige Haltung ist ganz gewiss nicht selbstverständlich in diesen Tagen, denn das Sichwidersetzen gegen die neubelebten US-Sanktionen gegen den Iran könnte im ungünstigsten Fall zur Verbannung vom US-amerikanischen Markt führen. Auch das neue Iran-Geschäft von EDL ist davon betroffen, obwohl das Unternehmen selbst keine Aktivitäten in den USA hat. Doch Partner, die bislang mit den Leipzigern bei der Umsetzung solcher Aufträge kooperierten, fallen nun weg, weil sie auf ihre US-Geschäftsvolumina nicht verzichten können oder wollen.

    Sichere Rahmenbedingungen nötig

    Dennoch haben sich die EDL-Geschäftsführung und die Muttergesellschaft für den Liefervertrag mit Sepahan Oil entschieden. Eine bewusste Entscheidung, die als Aufforderung an die politisch Handelnden verstanden werden soll, eine schlüssige Politik zu gestalten, in der Unternehmen auch rechtskonform handeln können, wie Michael Haid Sputnik mitteilt:

    „Als Unternehmen benötigen wir verlässliche und langfristig sichere politische Rahmenbedingungen, um Investitionen zu tätigen und Arbeitsplätze zu sichern. Unternehmen im Iran denken da nicht anders. Die einseitige Kündigung des JCPOA durch die USA und die US-Sanktionen sind sicherlich kein gutes Beispiel für eine verlässliche Politik.“

    Die erste Phase des Projektes wird voraussichtlich bis Mitte 2019 abgeschlossen sein.

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    Tags:
    Embargo, Ölförderung, Raffinerie, Widerstand, Geschäft, US-Sanktionen, EDL Anlagenbau, Sachsen, Deutschland, Leipzig, Iran, USA, DDR, Ostdeutschland