00:39 15 November 2018
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    Finanz-Experte: Warum Deutschlands Rating gut ist und was Russland sich abgucken kann

    © AFP 2018 / DPA/ Arne Dedert
    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Die deutsch-russische Rating-Agentur „RA Expert“ in Frankfurt am Main bestätigt die sehr gute Lage der deutschen Volkswirtschaft. Deutschland behält der Agentur zufolge weiterhin das AAA-Rating. Finanz-Analytiker Hector Alvarez von „RA Expert“ erklärt im Gespräch mit Sputnik, warum das so ist und was die russische Wirtschaft davon lernen könnte.

    Herr Alvarez, Ihre Agentur hat Anfang der Woche neuste Wirtschafts-Daten zu Deutschland veröffentlicht. Das Rating verbleibt weiterhin stabil bei AAA. Warum?

    Das ist korrekt. Wir haben das AAA-Rating für Deutschland bestätigt. Die deutsche Volkswirtschaft bleibt weiterhin stark. Der Hauptfaktor dafür ist die hohe Wettbewerbsfähigkeit, auch die solide Fiskal- und Steuerpolitik. Das sind die Hauptgründe. Wir sehen zwar immer noch eine relativ hohe Staatsverschuldung, aber viele Staatsschulden konnten bereits abgebaut werden. Wir gehen zudem davon aus, dass Deutschland im kommenden Jahr die Maastricht-Richtlinien einhalten wird.

    Auch gibt es derzeit ein Rekord-Tief bei den deutschen Arbeitslosenzahlen. Wir sehen außerdem Überschüsse bei den Steuereinnahmen. Das ist ebenfalls sehr positiv. Deutschland hat 2017 fast acht Prozent staatliche Überschüsse erwirtschaftet. 2018 erwarten wir sogar noch höhere Gewinne, weil das Export/Import-Verhältnis weiterhin solide und stark bleiben wird. Der Euro wurde in diesem Jahr etwas abgewertet. Damit wurden die deutschen Exporte etwas günstiger. Der deutsche Banken-Sektor bleibt ebenfalls solide und gesund, auch wenn er derzeit nicht so profitabel ist. Das liegt aber an den derzeitigen Niedrigzinsen, unter denen andere Volkswirtschaften gleichfalls leiden. Alles in allem steht Deutschland wirtschaftlich sehr gut da – mit sehr stabilen Staatsfinanzen.   

    Hat der „Brexit“ einen aktuellen Einfluss auf die deutsche Wirtschaft? Wo steht der Euro?

    Obwohl ich gerade sehr viele positive Gründe genannt habe, gibt es auch leicht negative Faktoren für die deutsche Wirtschaft. Aber wir denken, dass sich diese Faktoren eher kurzfristig und weniger langfristig auswirken könnten. Wir wissen, dass Deutschland weltweit sehr vernetzt ist. Das bedeutet, dass internationale Ereignisse wie die Forderungen nach Protektionismus in den USA oder der „Brexit“ direkten Einfluss auf Deutschland haben können. Streitigkeiten auf politischer Ebene wie zwischen Ankara und Berlin könnten sich ebenfalls auswirken.

    Was den „Brexit“ anbelangt: Wir wissen, dass die Europäische Union und die britische Wirtschaft auf den internationalen Finanz- und Handelsmärkten stark miteinander verwoben sind. Der britische Ausstieg könnte sich kurzfristig negativ auf die deutsche Wirtschaft auswirken. Mittel- und langfristig wohl eher nicht. Denn Deutschland hat viele Rücklagen und „Puffer-Zonen“ gebildet, um solchen Negativ-Faktoren zu begegnen.

    Gibt es Lehren, Strategien oder Techniken, die Russland von der deutschen Volkswirtschaft lernen kann?

    Interview-Partner Hector Alvarez
    © Foto : RA Expert, Privat
    Interview-Partner Hector Alvarez

    Die beiden Staaten sind nur schwer miteinander zu vergleichen. Die deutsche Wirtschaftsentwicklung unterscheidet sich stark von der russischen. Aber ich würde sagen, wenn Deutschland Eines hat, was Russland fehlt – dann ist es die Diversifikation der Wirtschaft. Deutschland ist nicht abhängig von einem einzigen Wirtschaftszweig, sondern es ist von den Branchen her sehr breit aufgestellt. Es hat intern wie extern sehr gute „Puffer-Zonen“ zum Schutz der eigenen Wirtschaft angelegt. Ausfälle und Störquellen wie der „Brexit“ oder auch die Androhung von protektionistischen Schutzzöllen – beispielsweise durch die US-Regierung – treffen Deutschland nie so stark, wie sie es bei Russland tun würden.

    Russland dagegen ist stark von den Einnahmen aus dem Ressourcen- und Energie-Sektor abhängig, vom Öl. Das begrenzt die wirtschaftlichen Möglichkeiten und hat Auswirkungen auf die russischen Fiskal-Einnahmen und den Staatshaushalt. Russland ist somit immer vom internationalen Öl-Preis abhängig.

    Die deutsche-russische Rating-Agentur „Expert RA GmbH“ wurde 2014 gegründet. Sie hat ihre deutschen Büros in Frankfurt am Main. Der Hauptsitz des Finanz-Unternehmens befindet sich in Moskau und firmiert dort unter der Bezeichnung „RAEX (Expert RA)“.

    Das komplette Interview mit Hector Alvarez zum Nachhören:

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    Tags:
    Rating, Finanzsektor, Schulden, Rohstoffe, Finanzen, Politik, Wirtschaft, Deutschland, Russland