01:39 21 Oktober 2018
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    DSL-Anschluss (Symbolbild)

    „Windhund-Prinzip“: Digitale Revolution bei Telekom? – Bundesgericht fällt Urteile

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    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am Freitag vier Urteile verkündet, die den Einsatz sogenannter „Vectoring-Technologie“ begünstigen. Die soll die „veralteten“ DSL-Anschlüsse ersetzen. Laut IT-Experten werden so „deutlich stabilere und schnellere“ Datenverbindungen ermöglicht. Sputnik erklärt, was das für Endverbraucher bedeutet.

    „Der Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung darf regulatorisch eingeschränkt werden, um den Einsatz der Vectoring-Technologie zu ermöglichen“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Bundesverwaltungsgerichts mit Sitz in Leipzig, die der Redaktion vorliegt. Die technischen Regulierungen, mit denen die Bundesnetzagentur bisher die Verpflichtung der Telekom eingeschränkt habe, seien rechtmäßig, erklärte das für öffentlich-rechtliche Streitigkeiten zuständige oberste Zivil-Gericht der Bundesrepublik. Die Richter des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig haben am Freitag vier Grundsatzurteile verkündet.

    „Für die Zugangsbeschränkung zu dem Zweck, den Einsatz der Vectoring-Technologie zu ermöglichen, spricht danach vor allem das Regulierungsziel der Beschleunigung des Ausbaus hochleistungsfähiger Netze der nächsten Generation“, besagen die Urteile, die die Richter gefällt haben.

    „Letzte Meile“

    „Die Telekom betreibt ein bundesweites Teilnehmernetz auf der Basis von Teilnehmeranschlussleitungen (TAL)“, so die Pressemitteilung. „Die TAL bestehen überwiegend noch aus Kupferdoppeladern und führen vom Hauptverteiler bis zum Kabelverzweiger – und von dort zu den Räumlichkeiten der Endkunden.“ Diese Strecke für die Datenfernübertragung im Haus wird in IT-Kreisen auch gern „Letzte Meile“ genannt.

    „Die Telekom war zuletzt mit Regulierungsverfügung der Bundesnetzagentur vom 21. März 2011 verpflichtet worden, anderen Unternehmen vollständig entbündelten Zugang zum Teilnehmeranschluss am Hauptverteiler oder an einem näher zu den Räumlichkeiten der Endkunden gelegenen Punkt, insbesondere am Kabelverzweiger zu gewähren.“

    Sprich: Zugang zum „blanken Kabel“ zu verschaffen. „Auf dieser Grundlage können die Wettbewerber ihre Endkundenprodukte eigenständig gestalten. Durch Regulierungsverfügung vom 30. August 2013 wurde diese Verpflichtung dahingehend geändert, dass der Zugang zum vollständig entbündelten Teilnehmeranschluss an einem Kabelverzweiger (…) unter bestimmten Voraussetzungen verweigert werden kann, um die Nutzung der sogenannten ‚VDSL2-Vectoring-Technik‘ zu ermöglichen. Durch den Einsatz dieser Technik lassen sich die Datenübertragungsraten erheblich steigern, indem Störungen, die sich aus der parallelen Nutzung benachbarter Leitungen in einem Kabelbündel ergeben, durch ein Gegenstörsignal eliminiert werden.“ Laut Pressemitteilung wird die neue Technologie auch „Windhund-Prinzip“ genannt.

    DSL hat ausgedient – Ist Vectoring die Zukunft?

    „Der alte DSL-Anschluss hat langsam ausgedient“, berichtete das IT-Fachmagazin „Aetka.de“ im Sommer 2017. „Immer mehr Haushalte in Deutschland werden dank neuer Technik mit einer besseren Internetverbindung ausgestattet. Die neueste Technologie ist das sogenannte Vectoring. Diese sorgt in Zukunft für schnellere Up- und Downloads.“ Da die Verbindung zum World Wide Web immer wichtiger werde, „suchen Internetanbieter wie die Deutsche Telekom und Vodafone nach Möglichkeiten, Datenraten und die verwendete Technik stetig zu verbessern. Der Ausbau eines deutschlandweiten Glasfaser-Netzes für Geschwindigkeiten mit bis zu 1000 Gigabyte pro Sekunde klingt verlockend, ist jedoch mit enormen Kosten für Anbieter und Kunden verbunden. Einige Unternehmen – darunter vor allem unser Partner, die Deutsche Telekom – setzen deshalb auf Verbesserungen der schon bestehenden Technik. Dazu zählt auch Vectoring.“

    Bei dieser Technik handle es sich um eine Erweiterung des schon bestehenden VDSL-Netzes. Die Abkürzung stehe für „Very High Speed Digital Subscriber Line“. „VDSL ist ein Nachfolger des DSL-Anschlusses, der wiederum ein Nachfolger der alten Internet-Technologien des Telefonmodems und der ISDN-Verbindung darstellt.“ So komme bei DSL noch eine Kupferdoppelader zum Einsatz. „Sowohl die Leitungen unter der Straße als auch die Verbindung zur Wohnung bestehen aus diesem Material. Die Kupfer-Kabel haben jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie sind eigentlich nur für Telefongespräche gedacht. Dementsprechend kämpfen sie beim Transport von Daten mit einigen Problemen. Das ist frustrierend.“ Mehr als 100 Megabit pro Sekunde an Datenübertragungsgeschwindigkeit sollen mit der neuen Technologie möglich sein.

    Vor- und Nachteile für den Endverbraucher

    „In Deutschland sind immer noch viele Online-Nutzer mit einem Breitbandanschluss per Kupferdoppelader versorgt“, so das IT-Magazin. „Für viele unserer Kunden gehören VDSL und Vectoring daher zu den einzigen Möglichkeiten, in naher Zukunft an schnelleres Internet zu kommen.“ Auch und besonders in ländlichen Regionen. „Erstmalig wurde Vectoring 2012 von unserem Partner, der Deutschen Telekom angekündigt. Das Unternehmen plante damals, insgesamt 24 Millionen Haushalte bis Ende 2016 mit der Technologie auszustatten. Im Laufe des Jahres 2013 wurde der Ausbau durch die Bundesnetzagentur dann zunächst genehmigt.“

    Vectoring bringe jedoch nicht nur Vorteile mit sich. Denn aktuell sei die Technologie nur für einen Teil der Haushalte in Deutschland verfügbar. „Viele Kunden können die VDSL-Erweiterung noch gar nicht nutzen. Hinzu kommt, dass Vectoring mit einem bekannten Problem der Kupfer-Leitungen zu kämpfen hat: Denn die Leistung der Verbindung lässt auf weiten Strecken nach. Wer mehrere hundert Meter von einem Verteilerkasten wohnt, erreicht die 100 Megabit pro Sekunde wohl kaum – trotz Vectoring.“ Auch der Preis spiele natürlich eine Rolle. „Kunden, die schnelleres Internet haben wollen, müssen dafür auch tiefer in die Tasche greifen. Außerdem benötigt die Technik einen kompatiblen Router, der im schlechtesten Fall als weitere Anschaffung erneut Mehrkosten verursacht.“

    Am Freitag hatten Richter des Leipziger Bundesverwaltungsgerichtes vier Urteile zum Netzausbau verkündet. Diese lassen sich unter folgenden Aktenzeichen finden: BVerwG 6 C 50.16, BVerwG 6 C 6.17, BVerwG 6 C 7.17 sowie BVerwG 6 C 8.17.

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    Tags:
    Urteil, DSL, Netzwerk, Digitalisierung, Ausbau, Internet, Netz, Gericht, Deutsche Telekom AG, Bundesverwaltungsgericht, Leipzig