19:20 15 Oktober 2018
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    „Transsibirische Eisenbahn“ (Transsib)

    „Wirkungsvoll“ trotz Sanktionen: Russlands neuer Kurs im Transportsektor

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    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    In den nächsten Jahren soll sich Plänen Moskaus zufolge der Güterverkehr in Russland um das Vierfache erhöhen. Zudem soll die Transportzeit von Gütern auf der Schiene zwischen der Ost- und Westgrenze des Landes auf sieben Tage verkürzt werden. Davon profitiert vor allem der russische Maschinenbau. Das berichtet die Zeitung „Neues Deutschland“.

    „Der Ferne Osten und Sibirien müssen noch stärker ihr logistisches Potenzial nutzen“, hatte Russlands Präsident Wladimir Putin dem Zeitungsbericht zufolge auf dem Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok Anfang September gesagt. Die beiden russischen Eisenbahnlinien „Baikal-Amur-Magistrale“ (BAM) und „Transsibirische Eisenbahn“ (Transsib) sollten „umfassend modernisiert“ werden, forderte der Staatschef. Das berichtete die Zeitung „Neues Deutschland“ (ND) in ihrer Print-Ausgabe am Montag.

    „Weitgehend unbekannt ist die Baikal-Amur-Magistrale“, schreibt ergänzend das Reise-Portal Urlaubspiraten.de. Sie verläuft nördlich des Baikal-Sees bis zum Pazifik-Ort Sowjetskaja Gawan. „Allerdings wird diese Route überwiegend für den Güterverkehr genutzt und gilt als am wenigsten touristisch genutzte Strecke.“

    Profitiert Russlands größter Eisenwaggon-Hersteller?

    „In den nächsten sechs Jahren soll sich der Güterverkehr auf der Schiene um das Vierfache erhöhen und die Transportzeit zwischen dem fernen Osten und der Westgrenze des Landes auf sieben Tage verkürzt werden“, beschrieb der ND-Beitrag die Vorgaben Putins. Bisher dauert solch ein Gütertransport etwa neun Tage.

    Russlands Vize-Transportminister, Sergej Aristow, beziffert laut dem Bericht den „Beschaffungsbedarf für BAM und Transsib in den nächsten Jahren auf etwa 400 Lokomotiven“. Die Zeitung vermutet, von den neuen politischen Zielvorgaben werde wohl auch die „Transmashholding“ (TMH) profitieren, der derzeit „größte Hersteller von Schienenfahrzeugen in Russland“ mit Hauptsitz in Moskau. Das im Maschinenbau tätige Unternehmen decke die gesamte Wertschöpfungskette ab: Von der Herstellung von Loks über Güter- und Passagierwaggons sowie U-Bahn-Züge bis hin zu Wartungs- und Reparaturleistungen.

    „In den vergangenen zehn Jahren verließen 4500 Lokomotiven und 5500 Reisezugwagen die TMH-Werke“, schreibt das ND. „Berichten zufolge laufen derzeit Tests mit Russlands stärkster Diesellok, die im Maschinenbauwerk Brjansk entwickelt wurde. Die soll einen Güterzug von 7100 Tonnen ziehen und damit die Zahl der Eisenbahntransporte an die Pazifikküste deutlich erhöhen können.“

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    Neuer russischer Global Player

    Im August vereinbarte TMH der Zeitung zufolge „die Fusion mit der vor allem im Bereich der Wartung von Schienentechnik tätigen russischen Firma Logotech. Mit einem Umsatz von fast fünf Milliarden Euro und rund 100.000 Beschäftigten entsteht damit ein Global Player – nach eigenen Angaben das viertgrößte Maschinenbauunternehmen im Bereich Transporttechnik.“

    Auch der französische Zughersteller „Alstom“ sei mit 20 Prozent beteiligt.

    „Er wurde vor zehn Jahren an Bord geholt, um bei der Modernisierung der TMH-Werke und der Entwicklung neuer Eisenbahntechnik für den russischen Markt zu helfen. Siemens indes ist am zweitgrößten russischen Hersteller von Schienenfahrzeugtechnik, der Sinara-Gruppe, beteiligt. Bisher erzielte der TMH-Konzern etwa ein Zehntel seines Umsatzes im Ausland, seine Schienenfahrzeuge rollen im postsowjetischen Raum und in vielen weiteren Ländern. Nunmehr werde verstärkt auf internationale Expansion gesetzt.“

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    Russlands neuer Kurs im Industriesektor

    Neben Kasachstan, „wo es bereits zwei von TMH mitbetriebene Lokomotivwerke gibt“, seien auch Staaten wie Argentinien, Südafrika, Ägypten, Kuba und Iran potentielle Käufer von Produkten der russischen Maschinenbaufirma.

    Die Unternehmensstrategie des Schienenfahrzeug-Herstellers trage damit Putins Kurs Rechnung, „die Wirtschaft zu modernisieren und durch den Ausbau des Exports von Industrieprodukten die Abhängigkeit von Rohstoffen zu verringern“, wie das ND schreibt. Die in den vergangenen Jahren wegen der westlichen Sanktionen entwickelte Politik der Importsubstitution sei im Hinblick auf Lokomotiv- und Transportwesen besonders wirkungsvoll, stellte die bundeseigene Außenwirtschaftsagentur „Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing“ (GTAI) laut dem Zeitungsbericht fest.

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    Tags:
    Logistik, Transport, Östliches Wirtschaftsforum, Wladimir Putin, Russland