09:38 22 Oktober 2018
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    Hauptstandort der Deutschen Bank in Frankfurt

    Was die Deutsche Bank zu Russlands Rubel zu melden hat und warum

    © AP Photo / Michael Probst
    Wirtschaft
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    Die Deutsche Bank zählt den russischen Rubel zu den Währungen, die weltweit am stärksten unterbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten der Bank kostet der Rubel etwa 15 Prozent weniger als sein „fairer Wechselkurs“ wäre. In naher Zukunft könnte die russische Währung wieder auf das Niveau von 60 Rubel für einen US-Dollar steigen.

    Zu den am stärksten unterbewerteten Währungen gehören nach Auffassung der Deutschen Bank auch die türkische Lira und der kolumbianische Peso. Die überschätzten Devisen sind dagegen die Tschechische Krone, der Schweizer Franken, der südkoreanische Won, der thailändische Baht und der US-Dollar.

    Bei der Bewertung verschiedener Währungen griffen die Experten der Deutschen Bank auf die Methode zur Berechnung der so genannten „Behavioral Equilibrium Exchange Rate“ (BEER) zurück, die in den späten 1990er Jahren von britischen Ökonomen entwickelt worden war. Auf diese Weise können die Schwankungen zwischen dem wahren Devisenkurs und den makroökonomischen Kennzahlen (Inflationsrate, Arbeitsleistung usw.) des jeweiligen Landes herausgefunden werden.

    Der Rubel hat seinen Höchststand seit anderthalb Monaten erreicht und steigt weiter – trotz der jüngsten Erhöhung des Leitzinses durch das Federal Reserve System (US-Notenbank), das Investoren in Dollar-Aktiva locken und die Währungen der Entwicklungsländer eindämmen will.

    Der Deutschen Bank zufolge hat die russische Zentralbank eine enorm wichtige Rolle bei der Festigung des Rubels gespielt, indem sie zum ersten Mal seit 2014 den Leitzins erhöhte und den Ankauf von Dollar auf dem Markt bis zum Ende des Jahres stoppte. Zudem profitierte die russische Währung von der makroökonomischen Stabilität und von den hohen Ölpreisen. Die größten Gefahren für den Rubel bleiben nach wie vor mit den US-Sanktionen verbunden.

    Warum ist der Rubel unterbewertet?

    Russische Analysten sind im Allgemeinen einverstanden mit den Einschätzungen ihrer deutschen Kollegen und verweisen darauf, dass die aktuelle Schwäche des Rubels in erster Linie mit den politischen Risiken im Falle neuer Restriktionen seitens der USA verbunden ist.

    „Man muss ja nur an das positive Handelssaldo und an die geringen Staatsschulden denken. Auch das Haushaltsgleichgewicht verleiht Optimismus“, sagte Nikolai Podlewskich, Chefanalyst von Zerich Capital Management. „Angesichts all dieser Kennzahlen sieht der Rubel unterschätzt aus, und das bedeutet, dass er unter günstigen Bedingungen ein gewisses Festigungspotenzial hat.“

    Dass die russische Währung unterschätzt ist, beweisen auch die Ölpreise, umgerechnet in Rubel. „2017 kostete die Ölsorte Brent etwa 3000 bis 3300 Rubel pro Barrel, und 2018 liegt der Preis bei 5300 bis 5400 Rubel“, erläuterte Andrej Kotschetkow von „Open-Broker“.

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    Die russischen Branchenkenner bemängeln bei den Kollegen von der Deutschen Bank nur, dass sie den Hauptakzent auf die Korrelation des Rubels mit den Ölpreisen setzen, denn die Abhängigkeit des russischen Haushalts von den Einnahmen aus dem Ölhandel ist in letzter Zeit wesentlich geringer. Russland ist inzwischen zum größten Weizenexporteur der Welt avanciert, baut seinen Gasexport (auch den LNG-Export) aus und hängt immer weniger vom Import von Anlagen, Flugtechnik und Lebensmitteln ab.

    „Ein fairer Rubelkurs sollte zwischen 55 und 60 Dollar für einen Dollar betragen“, so Experte Kotschetkow.

    Ein starker Rubel wäre unerwünscht

    Einige Experten halten allerdings die Prognosen, ein Dollar sollte wieder 60 Rubel kosten, für unbegründet, denn daran sind weder Experten noch Exporteure und Haushalt interessiert.

    „Sollte sich die russische Währung zu stark festigen, wird die Zentralbank mehr ausländische Devisen für das Finanzministerium kaufen, damit der Kurs wieder auf das nötige Niveau zurückkehrt“, sagte Sergej Chestanow von der Russischen Akademie der Volkswirtschaft und des Staatsdienstes.

    „Ein Niveau von 63 bis 65 Rubel für einen Dollar wäre kritisch. Man wird nicht zulassen, dass der Rubel noch stärker wird“, sagte Andrej Jegorow (TeleTrade). Für den Haushalt ist es nach seiner Auffassung wichtig, dass ein Dollar 66 bis 68 Rubel kostet.

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    Sanktionen als zweischneidiges Schwert

    Die russischen Ökonomen stimmen der Deutschen Bank zu, dass der aktuelle Wechselkurs des Rubels nur dann gerechtfertigt wäre, wenn man neue harte Beschränkungen seitens Washingtons erwarten würde, die die Kapitalflucht aus Russland anspornen könnten. Eine dieser Maßnahmen wäre das Verbot für den Kauf von russischen Staatsanleihen. Expertin Podlewskich hält diese Gefahr für ziemlich groß, auch wenn russische Staatsanleihen aktuell sehr populär sind.

    Andererseits aber ist die Situation um die Russland-Sanktionen nicht gerade eindeutig. Das US-Finanzministerium musste inzwischen einräumen, dass gegen Russland keine so scharfen Sanktionen wie beispielsweise gegen den Iran verhängt werden können – zu starke Beschränkungen würden den Amerikanern selbst schaden.

    Russlands Auslandsschulden, die sich auf mehr als 500 Milliarden Dollar belaufen, sind im US-Dollar nominiert. Deshalb würden zu starke Beschränkungen für russische Banken zu Problemen bei der Tilgung der Auslandsschulden führen – und das würde unvermeidlich auch amerikanische Kreditinstitute treffen.

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    Tags:
    Ölpreis, Einschätzung, Eindämmung, Rubel, Währung, Deutsche Bank, Russland