12:12 15 Oktober 2018
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    Roboter-Arbeiter

    „Er wollte nur Traktor kaufen, dann sah er Roboter“ – Landwirtschaft vor Revolution

    © Foto : REFAB
    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Eine Konferenz in Köln zeigt, wie sich Landwirtschaft und Agrarprodukte bald verändern könnten. „Bei uns ist etwas weltweit Einmaliges passiert: Wir haben alle internationalen Innovationen und Neuerungen aus dem Bereich zusammengebracht“, erklärte ein Sprecher gegenüber Sputnik. „Wir sehen gerade eine Revolution in der Nahrungsherstellung.“

    Die weltweit einzigartige Konferenz mit dem Titel „Revolution in der Lebensmittel- und Biomasseproduktion“ (Original: „Revolution in Food and Biomass Production“ / REFAB) brachte Anfang Oktober „Pioniere, Innovationen und Innovatoren“ aus dem Agrar- und Landwirtschaftsbereich in Köln zusammen. „Es war eine Konferenz mit einer dazugehörigen Ausstellung“, erklärte Michael Carus, Geschäftsführer des Nova-Instituts und Organisator der REFAB-Konferenz, im Sputnik-Interview. „Das Ganze war in einem außergewöhnlichen Experiment eingebettet: Wir haben erstmalig weltweit sämtliche Innovationen aus den Sektoren der Lebensmittel- und Biomasse-Produktion an einen Ort gebracht. Das Konzept ist aufgegangen. Die 200 Teilnehmer waren geradezu begeistert.“

    Das war das erklärte Ziel der am Dienstagabend beendeten Konferenz: Wissen zusammenführen. „Damit die Bereiche ineinander, miteinander und gemeinsam wachsen.“ Also selbst eine Art Symbiose bilden. In dem Bereich der Landwirtschaft sei es global gesehen so, dass viele innovative Unternehmen „nach vorne preschen und gute Dinge erfinden, aber nicht untereinander verbunden und vernetzt sind. Das wollten wir ändern: Wir wollten alle Innovationen an einem Platz, und zwar im Kölner ‚Maritime Hotel‘, zusammenführen.“ Aktuell gebe es eine „digitale und biochemische Revolution“ in der weltweiten Landwirtschaft zu beobachten.

    Roboter und Drohnen auf den Feldern

    „Der eine kommt zur REFAB, um sich nur einen neuen Traktor zu kaufen“, berichtete der Sprecher. „Er sieht dann Roboter-Arbeiter, die man auf den Feldern einsetzen kann. Und plötzlich entwickelt er Interesse für eine Sache, von der er sonst nie gehört hätte.“ Andere Messebesucher kamen nur wegen der technischen Neuerungen – und seien dann ganz überrascht, „wie und aus was man heutzutage alles Proteine gewinnen kann.“

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    Neue Traktoren und Traktoren-Techniken, Roboter, Drohnen, Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI), sogenannte Biostimulanzien, Pilze, Bakterien-Kulturen sowie neue Proteintypen. „All dies und noch viel mehr können die Besucher bei uns sehen“, so der Pressesprecher. 190 Teilnehmer aus 23 Ländern hatten sich für die Konferenz angemeldet. Darunter junge Start-Up-Unternehmen, renommierte Forschungsinstitute, viele Landwirtschafts-Unternehmen sowie Chemie-, Biochemie- und sogar IT-Konzerne.

    „Große Umwälzungen und Innovationen“

    „In neun Bereichen finden große Umwälzungen und Innovationen statt – weitgehend unabhängig voneinander“, berichtete die Homepage der REFAB im Vorfeld. „Zusammengenommen stellen sie eine Transformation dar, die unsere gesamte Ernährungs- und Biomasseproduktion auf ein völlig neues Niveau hebt: Effizienter, nachhaltiger, gesünder und mehr im Einklang mit der Natur.“

    Welches sind diese neun Innovationsbereiche? „Präzises Landwirtschaften“ nennt sich der Bereich, der über Drohnen und Roboter und mit Hilfe von KI die Düngung und den Pflanzenschutz vor Insekten effektiver machen möchte. „Biostimulanzien und probiotische Kulturen“, „Urbane Landwirtschaft“, „Landwirtschaft unter extremen Bedingungen“, „Verbesserte Pflanzen-Merkmale“, „Alternative Protein-Quellen“, „Marine Landwirtschaft“ und „Biotechnologie“ waren weitere der vielen Bereiche, aus denen die auf der Ausstellung gezeigten Produkte und Innovationen kamen.

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    „Microsoft hat angekündigt, 50 Millionen Dollar in KI-gesteuerte Satelliten zu investieren, für die Erdbeobachtung“, verriet Carus. „Um die Erdoberfläche und die Agrarfelder zu beobachten. Um Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit, etc. zu überprüfen, damit sich die Ernten verbessern.“

    Ein anderes Beispiel komme aus Indien. „Indische Kleinbauern wollen Roboter haben, damit sie die schwere Feldarbeit erleichtern.“ Das Energie-Unternehmen Evonik aus Essen biete automatisierte Techniken an, um „glückliche, eierlegende“ Hühner und deren Biorhythmus zu überwachen. „Proteine können wir heute aus CO² und Bakterien herstellen. Um mal einige Highlights zu nennen. Das sind Dinge, die vor wenigen Jahren niemand auf dem Schirm hatte.“

    Neue Ära für die Felder dieser Welt?

    „Wir lernen heute zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, wie Agrar-Böden funktionieren – also auch mit allen Pilz- und Bakterien-Kulturen: Welche Symbiosen es da zwischen Pflanzen und Wurzeln gibt.“

    Der Pressesprecher der Veranstaltung zeigte sich im Interview froh über die aktuellen Entwicklungen. „Solche innovationsgetriebenen Veranstaltungen wie die REFAB können helfen, diesen Trend weiter fortzusetzen.“ Die Grundlagenerforschung der Landwirtschaft sei noch lange nicht am Ende.

    Michael Carus
    © Foto : Privat
    Michael Carus
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    Tags:
    Chemie, Unternehmen, Drohnen, Innovationen, Roboter, Landwirtschaft, Konferenz, Deutschland