18:59 22 Oktober 2018
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    Auge um Auge: China macht Ernst mit „Ausverkauf“ von US-Anleihen

    © REUTERS / Bobby Yip
    Wirtschaft
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    China, das zuletzt seine Investitionen in die US-Staatsschulden auf ein halbjähriges Minimum reduziert hat, ist offenbar zum nächsten Schritt bereit. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ will Peking US-Staatsanleihen im Wert für drei Milliarden Dollar verkaufen – das wäre der größte „Ausverkauf“ seit 2004.

    Der Grund ist offensichtlich: die Anspannung der Beziehungen mit Washington im Kontext des von ihm ausgelösten Handelskrieges.

    Die Volksrepublik ist der größte ausländische Kreditgeber der US-Wirtschaft. Den Chinesen gehören amerikanische Staatsanleihen für mehr als eine Billion Dollar, was etwa 20 Prozent der gesamten US-Auslandsschulden ausmacht, die sich in den Händen anderer Länder befinden.

    Die chinesische Wirtschaft leidet unter dem Vorgehen der USA: Ihre Verluste belaufen sich schon auf mehrere Milliarden Dollar. Seit Anfang dieses Jahres ist der chinesische Börsenindex Shanghai Composite um 15 Prozent geschrumpft.

    Peking hatte Washington schon öfter gewarnt: Sollte es so weitergehen, müsste es die US-Staatsanleihen teilweise verkaufen, und zwar ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen. Und jetzt müssen die Chinesen ihre Worte mit Taten bestätigen.

    Im letzten halben Jahr hat die Volksrepublik ihre Investitionen in die US-„Treasuries“ um 7,7 Milliarden Dollar reduziert. Falls diese Summe weiter steigt, droht das den USA mit einem instabilen Dollarkurs und einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.

    Aber in Washington versteht man diese Andeutungen offenbar nicht. Präsident Donald Trump verhängte erst Ende September neue zehnprozentige Importzölle für chinesische Waren für 200 Milliarden Dollar und versprach, die Tarife ab Januar 2019 auf 25 Prozent zu heben.

    Gegenschlag

    Das Reich der Mitte meint es sehr ernst: Bei dem bevorstehenden „Ausverkauf“ der US-Schuldverschreibungen, der laut dem „Wall Street Journal“ in der nächste Woche beginnt, werden die Investitionen in die fünf-, zehn- und 30-jährigen Staatsanleihen für insgesamt drei Milliarden Dollar gekürzt.

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    Finanzexperten fürchten, dass dies die US-Wirtschaft teuer zu stehen kommen könnte. Denn der Preis für die US-Schuldverschreibungen würde schrumpfen, während die Renditen steigen würden. Das würde automatisch die Kredite für die Amerikaner wesentlich teurer machen – sowohl für Unternehmen als auch für einfache Verbraucher. Und das würde das Wirtschaftswachstum behindern.

    „Die Wirtschaft würde wegen der hohen Zinssätze fiebern, und das hätte einen starken verlangsamenden Effekt“, erläuterte Jeff Mills von der PNC Financial Services Group.

    Japan ist an der Reihe

    Experten sind auch über die Einstellung Japans, des zweitgrößten Kreditgebers der USA, beunruhigt.  Im Juni beliefen sich die US-Staatsanleihen in seinen Händen auf nur 1,030 Billionen Dollar – ein siebenjähriger Tiefpunkt.

    Dabei sind China und Japan nicht die einzigen Verkäufer der US-Schuldverschreibungen. Aus den Top 30 der größten Besitzer der „Treasuries“ sind schon Russland und die Türkei ausgeschieden, die unter dem amerikanischen Wirtschaftsdruck leiden mussten.

    Moskau ist übrigens fast alle seine US-Staatsanleihen losgeworden: Aktuell gehören ihm nur noch Wertpapiere für 15 Milliarden Dollar (zum Vergleich: Anfang des Jahres waren es noch mehr als 100 Milliarden Dollar gewesen).

    Auch kleinere Besitzer der US-Schuldverschreibungen wie Mexiko, Indien und Taiwan verkaufen sie.

    „Ausländische Kreditgeber sind enorm wichtig für die US-Wirtschaft. Wir können bei einem solchen Wachstumstempo und bei den betrübenden Prognosen des Haushaltsdefizits nicht ohne ausländisches Kapital zurechtkommen“, räumten Experten der Investitionsfirma Loomis, Sayles & Co. ein.

    Der globale Trend zum Verkauf der US-Treasuries verfestigt sich. Laut Reuters werden internationale Investoren ihre amerikanischen Schuldverschreibungen intensiver als im Oktober 2016 los.

    Die Gründe sind offensichtlich: Washingtons aggressive Politik führt dazu, dass immer weniger Länder bereit sind, die US-Wirtschaft zu kreditieren. Mehr noch: Immer mehr Länder wollen auf den US-Dollar als Zahlungsmittel bei gegenseitigen Deals verzichten.

    „Tyrannei“ des Dollars

    Dass der amerikanische Dollar in absehbarer Zeit seine Führungsrolle in der Welt verlieren könnte, schrieb unlängst die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. Den aktuellen Status der US-Währung bezeichneten die Experten als „Tyrannei“ und stellten zugleich fest, dass „die Zeit für einen Regimewechsel gekommen“ sei.

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    Laut Bloomberg ist im internationalen Finanzsystem eine paradoxe Situation entstanden: Einerseits ist der Dollar die globale Währung, auf die mehr als die Hälfte aller Deals entfällt. Andererseits redet der US-Präsident ständig von der „außerordentlichen“ Rolle seines Landes. Und darauf lässt sich der Sinneswandel in der Welt zurückführen, wenn es um den Dollar geht.

    Unter anderem verkauft Russland seine Dollar angesichts der immer größeren Risiken im internationalen Handel. Und China fordert den Dollar auf dem globalen Energiemarkt heraus, indem es neue Verträge in Yuan abschließt.

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    Ausverkauf, Staatsschulden, Dollar, Yuan, Investitionen, Donald Trump, USA, China