01:50 20 Oktober 2018
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    Saudischer Prinz Mohammed bin Salman

    Bin Salmans „Russland wird verschwinden“ lässt Ölexperten staunen

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    Wirtschaft
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    Mit seiner Prognose, Russland werde in 20 Jahren als Ölexporteur möglicherweise nicht mehr existieren, sorgt Mohammed bin Salman für Verwirrung in Moskau. Weder Experten noch für die Energiebranche zuständige Politiker halten die Prophezeiung des saudischen Kronprinzen für begründet.

    Mohammed bin Salman hatte in einem Bloomberg-Interview gemutmaßt, dass viele der Erdöl produzierenden Staaten sich in 19 Jahren vom Markt zurückziehen würden. Auch Russland werde seine Produktion „stark drosseln wenn nicht überhaupt (vom Markt – Anm. d. Red.) verschwinden.“ 

    „Das mag des Prinzen Wunschdenken sein. Denn es gibt keine Voraussetzungen für einen Rückzug der Russischen Föderation vom Ölmarkt“, kommentierte Igor Ananskich, Vizechef des Energieausschusses der Staatsduma (russisches Parlamentsunterhaus). Russland mangle es nicht an Ölvorräten, die Wirtschaft investiere in die weitere Entwicklung.

    Energie-Expertin Jekaterina Gruschewenko von der Moskauer Schule für Management Skolkovo, räumte ein, dass die Ölproduktion in Russland, die gegenwärtig bei rund elf Millionen Barrel am Tag liegt, in den nächsten Jahrzehnten leicht zurückgehen werde.

    „Bis zum Jahr 2040 kann die Tagesproduktion laut unserer Basisprognose auf rund neun Millionen Barrel sinken“, sagte Gruschewenko. Dies hänge damit zusammen, dass Russland infolge der westlichen Sanktionen nur einen beschränkten Zugang zu Technologien und Ausrüstungen habe. „Aber selbst bei diesem Rückgang kann man wohl kaum von einem Rückzug vom Markt sprechen.“

    „Ich weiß nicht, worauf sich diese Prognose stützt“, kommentierte Sergej Kalaschnikow, stellvertretender Leiter des Wirtschaftsausschusses des Föderationsrats (Parlamentsoberhaus). In Russland gebe es viele Ölreserven, die entdeckt, jedoch noch nicht bestätigt seien.

    Die Erklärung des saudischen Kronprinzen löse deshalb nur Staunen aus und werde keine Auswirkung auf den Markt haben, so Kalaschnikow. Die Reserven der erkundeten Ölvorkommen gehen weltweit zu Ende, Schieferöl trete an ihre Stelle. Auch wenn die Öl-Produktionskosten in Saudi-Arabien niedriger seien, „schrumpfen auch dort die Ölreserven.“

    Im September hat Russland nach Angaben des Energieministeriums in Moskau im Schnitt 11,35 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Liter) täglich gewonnen. Das Ölkartell Opec geht davon aus, dass die Tagesproduktion in Russland im Jahr 2040 bei 10,1 Millionen Barrel liegen wird. Die Internationale Energieagentur IEA erwartet einen Rückgang auf 8,6 Millionen Barrel. Nach Prognose des britischen Konzerns BP könnte die Ölproduktion in Russland bis zum Jahr 2040 sogar steigen: auf 13 Millionen Barrel pro Tag.

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    Tags:
    Ölmarkt, Ölproduktion, Erdöl, OPEC, Mohammed bin Salman al-Saud, Saudi-Arabien, Russland