18:00 22 Oktober 2018
SNA Radio
    der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington

    Russland auf IWF-Rangliste weit vor westlichen Industriestaaten

    © REUTERS / Yuri Gripas/File Photo
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Tilo Gräser
    161797

    Der Internationale Währungsfonds hat die Finanzlage zahlreicher Länder berechnet – mit interessanten Ergebnissen. Danach sind führende Volkswirtschaften mit Blick auf ihr Vermögen schwächer aufgestellt als Länder, die bezogen auf die reine Wirtschaftsleistung als weniger erfolgreich gelten. Und: Führende Wirtschaftsmächte leben stärker auf Pump.

    Russland gilt als der zweitreichste Staat auf der Erde – das hat der Internationale Währungsfonds (IWF) berechnet und am Mittwoch mitgeteilt. Die Informationen finden sich im aktuellen „Fiscal Monitor“ des IWF. Danach ist Norwegen der reichste Staat, während Kasachstan auf Platz 3 liegt. Die Ergebnisse wurden auf einer Pressekonferenz in Washington vorgestellt.

    Die österreichische Zeitung „Der Standard“ hat die Daten ausgewertet und schreibt dazu am Mittwoch, dass die drei genannten Staaten mit Rohstoffen und Unternehmensbeteiligungen im globalen Vergleich die meisten Gewinne erzielen. Der IWF hat untersucht, wie es um die Vermögenssituation von 31 Staaten steht. Dabei wurden dem Bericht zufolge neben Firmenbeteiligungen Rohstoffreserven und andere Vermögen ausgewertet. Das Ergebnis laut „Standard“: „Unter dem Strich kommen die Länder auf einen sagenhaften Reichtum in Höhe von 101 Billionen Dollar. Das entspricht 219 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dieser Staaten.“

    Rohstoffreichtum als wichtiger Faktor

    Die Rohstoffe würden dabei 110 Prozent des BIP und etwa die Hälfte des Vermögens ausmachen. Danach kommen die Unternehmensbeteiligungen, so die Zeitung. „Norwegen liegt dabei klar an der Spitze, dahinter rangieren Russland und Kasachstan.“ Das skandinavische Land mit seinem Öl- und Gasreichtum legt laut dem IWF die Erträge aus der Förderung so an, dass hohe Gewinne herauskommen. Den Angaben nach hat der norwegische Staatsfonds „mittlerweile eine Billion Dollar auf der hohen Kante“. Das ist laut „Standard“ das Zweieinhalbfache der jährlichen Wirtschaftsleistung Norwegens. Die Zeitung schreibt weiter: „Der Fonds hält große Anteile an Apple, Nestlé oder der Google-Mutter Alphabet, insgesamt befinden sich 9100 Unternehmen in seinem Portfolio.“

    >>Andere Sputnik-Artikel: Was die Deutsche Bank zu Russlands Rubel zu melden hat und warum

    Im IWF-Report ist eine wichtige Erkenntnis zum Thema Vermögen zu finden: „Es ist nicht nur, was du schuldest; es ist auch, was du besitzt.“

    Der Wert der Rohstoffe in Russland macht das Dreifache seines BIP aus. Das erklärte IWF-Finanzdirektor Victor Gaspar auf der Pressekonferenz. Zugleich zeigen die IWF-Auswertungen, dass der russische Staatschuldenanteil deutlich geringer als in den westlichen Staaten ist. Die sogenannten nichtfinanziellen Vermögenswerte wie eben die Rohstoffe bringen Russland allein in dieser Kategorie auf Platz 1. Beim staatlichen Gesamtnettovermögen liegt Russland auf Platz 2.

    Große Probleme bei Industriestaaten

    Führende Industriestaaten wie die USA, Japan und Großbritannien schneiden in den IWF-Berechnungen nicht so gut ab. Sie haben deutliche höhere Schuldenraten und höhere öffentliche Verpflichtungen als die drei Spitzenreiter. Auch die Bundesrepublik Deutschland kommt in der Rangliste nicht gut weg.

    China kommt ebenfalls nicht so gut weg, vor allem wegen des größten Anteils an privaten Schulden an der Gesamtschuldenlast. Immerhin ist laut IWF-Direktor Gaspar das Nettovermögen in China mit mehr als 100 Prozent des BIP unter den sogenannten Schwellenländern am größten. Peking habe einen Kurswechsel eingeleitet. China richte sich neu aus: von den Investitionen auf den Konsum, von den Exporten auf die Inlandsnachfrage, vom kreditfinanzierten Wachstum hin zu einer solideren Basis für das Wachstum.

    >>Andere Sputnik-Artikel: „Wirkungsvoll“ trotz Sanktionen: Russlands neuer Kurs im Transportsektor

    Interessante Empfehlungen

    Laut „Standard“ will der IWF mit der Untersuchung herausfinden, wie sich die Finanzlage der Staaten im Falle einer Krise entwickeln könnte. Für die Industriestaaten habe der Währungsfonds berechnet, dass deren Vermögen seit der Finanzkrise von 2008 um elf Billionen Dollar geschrumpft sei. Bei einer weiteren Finanzkrise würde zum Beispiel das staatliche US-Nettovermögen um 26 Prozentpunkte des BIP zurückgehen. „Die Empfehlung des IWF: Die Staaten sollen ihre Vermögen effizienter managen.“ In Moskau scheint das schon zu geschehen.

    IWF-Direktor Gaspar empfahl den Ländern am Mittwoch ebenso, ihren öffentlichen Wohlstand transparent zu machen, vor allem gegenüber der eigenen Bevölkerung. Er fügte hinzu, sie sollten „den öffentlichen Wohlstand direkt in den Dienst der wirtschaftlichen und sozialen Ziele der Gesellschaft stellen“ – eine Empfehlung, die eigentlich selten vom IWF kommt.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Öl, Liste, Reichtum, IWF, Deutschland, USA, Russland