23:16 12 November 2018
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    US-Dollar (Symbolbild)

    Auf Null: Russland baut US-Anleihenbestand radikal ab

    © REUTERS / Lee Jae-Won/File Photo
    Wirtschaft
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    Natalja Dembinskaja
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    Russland hat im August sein Portfolio an US-Staatsanleihen auf 14 Mrd. Dollar reduziert – das ist der niedrigste Wert seit 2017. Bereits im Juni machte der Anteil der US-Treasuries im Bestand der russischen Reserven nicht mehr als zehn Prozent aus, nun ist er beinahe auf Null gesunken.

    Warum befreit sich die russische Zentralbank von den US-Schuldpapieren? Ist China bereit, den entscheidenden Schlag gegen die USA zu versetzen?

    Ausverkauf

    2010 beliefen sich Russlands Anlagen in US-Staatsanleihen, die neben dem US-Dollar als liquidestes und zuverlässigstes Finanzinstrument in der Welt gelten, auf mehr als 176 Mrd. Dollar.

    Doch wegen des Sanktionsdrucks Washingtons zog Moskau seit 2014 schrittweise seine Anlagen aus den US-Anleihen ab. Im April begann die Zentralbank mit dem großen Ausverkauf. Nach weiteren Sanktionen verringerte die Zentralbank ihre Anlagen in US-Staatsanleihen gleich um 50 Prozent.

    Russlands Zentralbank zeigt, dass die Finanzierung des Haushalts eines Staates, der eine offen unfreundliche Politik verfolgt, sinnlos ist.

    Der Beschluss wirkt auch aus wirtschaftlicher Sicht logisch. Wegen der Sanktionen gegen russische Unternehmen wurde der russische Finanzmarkt erschüttert. Bei einem negativen Szenario hätte ein Einfrieren von Aktiva gedroht, womit bereits Kasachstan und der Iran konfrontiert waren. Um sich vor Verlusten zu schützen, ergriffen die Finanzbehörden Sofortmaßnahmen, um das Devisen-Portfolio umzugestalten.

    Kontinuierlicher Rückgang

    Vor dem Hintergrund des präzedenzlosen Ausverkaufs der US-Staatsanleihen in den vergangenen Monaten ist die jetzige Reduzierung gar nicht so groß – nur rund 800 Millionen US-Dollar. Doch Experten sind sich sicher, dass das nicht einfach technische Bewegungen, sondern ein Signal dafür ist, dass Moskau dem gewählten Kurs strikt folgen wird.

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    Im November will Washington neue Sanktionen verkünden, weshalb der russischen Währung eine weitere Welle der Instabilität droht. Der Ausverkauf der Treasuries, der die finanzielle Abhängigkeit von den USA und den Druck auf den Rubel verringert, ist ein Signal nicht nur an Washington, sondern auch an die größten Besitzer von US-Staatsanleihen, die ähnliche Schritte unternehmen.

    Kreditgeber verkaufen

    US-Staatsanleihen werden auch aktiv von der unter dem US-Wirtschaftsdruck leidenden Türkei abgestoßen. Seit Ende des vergangenen Jahres senkte Ankara den Anteil an den US-Treasuries fast um die Hälfte.

    Bemerkenswert ist auch die Stimmung des zweitgrößten Kreditgebers der USA – Japan. Der Anteil der US-Staatsanleihen sank im Juni auf 1,030 Bio. Dollar – das ist das niedrigste Niveau seit sieben Jahren.

    Das letzte Wort wird anscheinend China haben – der größte Kreditgeber der US-Wirtschaft. Die chinesische Zentralbank verfügt derzeit über US-Staatsanleihen für mehr als eine Billion Dollar– fast 20 Prozent der gesamten Staatsschulden Washingtons, die ausländischen Besitzern gehören.

    Peking zieht sich aus den US-Treasuries zurück — mit einer Rekord-Reduzierung in den vergangenen Monaten. Geplant ist der weitere Verkauf von drei Milliarden – das wird der größte Ausverkauf seit 2004 sein. Der Grund: die Zuspitzung der Beziehungen zu Washington wegen des Handelskriegs.

    US-Treasuries droht Verteuerung

    Falls die Chinesen eine große Menge von US-Staatsanleihen loswerden, werden die USA mit einer Instabilität des Dollar-Kurses und einer Verlangsamung der Wirtschaft konfrontiert.

    „Die Wirtschaft wird wegen der gegenwärtig hohen Zinssätze fiebern, was einen starken verlangsamenden Effekt haben wird“, so Jeff Mills von PNC Financial Services Group.

    Der Wert der Treasuries wird sinken und die Einträglichkeit stark wachsen. Das würde automatisch den Preis der Anleihen auch für US-Firmen und einfache Verbraucher nach oben treiben. Das heißt, dass das Wirtschaftswachstum untergraben wird. Die Emission der Schuldpapiere wird für das Weiße Haus teurer sein.

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    „Ende April, als Russland große Mengen verkaufte, stieg die Einträglichkeit auf dem US-Markt rasant, wobei ein Rückgang der Papiere selbst provoziert wurde“, sagt Nikolai Podlewskich von Zürich Capital Management.

    Bis zum Ende gehen

    Ob Russland imstande ist, die Anlagen in den US-Staatsanleihen auf Null zu reduzieren? Einige Experten schließen diese Option nicht aus – die verbliebene Menge ist rein symbolisch.

    „Russland stieg bereits fast aus der Liste der Besitzer von US-Staatsanleihen aus, es rangiert auf Platz 54“, sagte Timur Nigmatullin, Finanzanalyst von Otkrytije Broker.

    Der weitere Verkauf der Treasuries ist mit den bevorstehenden Sanktionen verbunden, allerdings weist der Experte darauf hin, dass es ein taktischer Schritt ist. „Der wahrscheinliche Abbau dieser Positionen wurde wohl mit dem Ankauf von Gold und kurzfristigen Bankdepositen kompensiert“, so der Experte.

    Russland bevorzugt statt den US-Staatsanleihen tatsächlich zunehmend Gold – der Anteil des Edelmetalls an den internationalen Reserven stieg auf rekordhohe 18 Prozent und hat sich den Dollar-Einlagen genähert. Die Anhäufung von Gold bietet auch Schutz vor Währungsrisiken und Sanktionen, sowie die Möglichkeit, Gewinne zu generieren.

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    Tags:
    Verkauf, Reserven, Staatsanleihen, US-Sanktionen, Russlands Zentralbank, USA, Russland