06:57 20 November 2018
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    Goldmünzen (Symbolbild)

    So wirkt sich Italiens Krise auf den Goldpreis aus – Goldmarkt-Experte

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    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Italiens aktuelle Finanzpolitik wird in Brüssel und Wien verurteilt. Sie ist jedoch nicht nur für die Wirtschaftsentwicklung der Europäischen Union entscheidend. Auch der Goldpreis wird dadurch beeinflusst. Goldmarkt-Experte Dimitri Speck erklärt gegenüber Sputnik: „Wenn die Staatsverschuldung wächst, wirkt sich das oft auch auf den Goldpreis aus.“

    „In Italien haben wir die grundsätzliche Situation, dass seit der Euro-Einführung die reale Wirtschaft sehr stark zurückhängt“, sagte Dimitri Speck, Gold- und Finanz-Experte aus München, im Sputnik-Interview. Im innereuropäischen Vergleich habe die italienische Volkswirtschaft kaum zugelegt, während andere große EU-Volkswirtschaften (wie Deutschland oder Frankreich) wuchsen. „Das Problem äußert sich natürlich auch politisch. Das heißt, es werden Parteien gewählt, die in Richtung stärkerer Staatsverschuldung und stärkerem Haushaltsdefizit drängen.“

    In Rom regiert derzeit eine Koalition aus den populistischen Parteien „5 Sterne“ und „Lega Nord“, die als besonders EU-kritisch gilt.

    „Eine schwarze Woche für Italien“, titelte der „Spiegel“ am Montag. „Italien im Herbst: Anleger ziehen Kapital ab, die Börsenwerte fallen, die Kosten der Staatsverschuldung steigen – und ein fundamentaler Krach mit der EU scheint unausweichlich.“

    Zuvor hatte die EU-Kommission der italienischen Regierung einen blauen Brief geschickt. Darin kritisierte die EU den Haushaltsentwurf für 2019 scharf. Dass Rom seinen staatlichen Schuldenberg um weitere 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wachsen lassen wolle, „verstößt eklatant“ gegen die EU-Regeln und löse in ganz Europa „ernsthafte Besorgnis“ aus, heißt es in dem EU-Schreiben. Rom ist laut Medienberichten gegenüber der EU verpflichtet, noch Anfang dieser Woche zu reagieren.

    Experte: „Südeuropa übt Druck auf Brüssel aus“

    Dieser Trend werde anhalten, glaubt Speck. „Von Südeuropa aus wird der Druck auf Brüssel und Berlin immer größer werden, weil die Staatsverschuldung zunimmt.“ Dies könne auch zu inflationären Entwicklungen führen.

    „Man darf eins nicht vergessen“, betonte der Finanz-Analytiker, „Italien ist wirtschaftlich deutlich größer als Griechenland. Und Griechenland war schon ein Problem.“ Der italienische „Stiefel“ könnte zu einer erneuten Finanz-Katastrophe für die EU-Spitzen in Brüssel werden. „Wenn das Ganze in eine neue Euro-Krise ausartet, dann sind im gesamten Euro-Raum die privaten Ersparnisse akut gefährdet.“

    Dieses Szenario sei zwar noch nicht akut gegeben, kann dem Experten zufolge aber durchaus noch eintreten.

    So wirkt Italiens Krise auf den Goldpreis

    „Wir gehen Richtung stärkerer Staatsverschuldung, das können wir hier sehen“, konstatierte der Münchner Goldmarkt-Experte. Es komme ordentlich Druck von Seiten Italiens. „Stärkere Staatsverschuldung ist nun mal ein positiver Faktor für den Goldpreis. Das konnten wir auch in den 70er Jahren sehen.“ Sprich: Der Goldpreis wird wohl noch weiter ansteigen.

    Da die aktuelle italienische Staatsverschuldung weitaus größer als das damalige griechische Defizit sei, habe das auch Auswirkungen auf den Goldpreis. „Wenn eine Fluchtbewegung aus den auch italienischen Staatsanleihen Richtung Gold eintritt, dann sehen wir ganz andere Goldpreise.“

    Aktuell liegt der Goldpreis bei etwa 1064 Euro je Unze. Ende September lag er nur bei etwa 1030 Euro je Feinunze. In der Zwischenzeit hatte sich die italienische Finanzkrise angedeutet.

    Gegenwind aus Brüssel und Wien

    Die EU-Spitzen wollen bereits am Dienstag auf einer in Straßburg anberaumten Sitzung die letzte Warnung an Italien formulieren und abschicken. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und sein Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici scheinen „in Eile“ zu sein, wie der „Spiegel“ schreibt. Nach der Mahnung hätten Italiens Innenminister Matteo Salvini (Lega Nord) und Luigi di Maio (5 Sterne), italienischer Minister für wirtschaftliche Entwicklung, „drei Wochen Zeit, ihren Haushalt an die EU-Regeln anzupassen“.

    Selbst Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP), bislang ein treuer Unterstützer der neuen Regierung in Rom, hat Italien bereits öffentlich für seine Finanzpolitik kritisiert. „Es gibt kein Verständnis für Italien“, zitierte ihn das Finanznachrichten-Portal „Finanzen.net“. Eine allzu hohe Staatsverschuldung sei „gefährlich für alle. Österreich ist nicht bereit, für die Schulden anderer Staaten geradezustehen, während diese Staaten die Verunsicherung der Märkte bewusst in Kauf nehmen.“

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Dimitri Speck zum Nachhören:

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    Tags:
    Finanzkrise, Schuldenkrise, Krise, Gold, Wirtschaftskrise, Fünf-Sterne-Bewegung, Lega Nord, ÖVP, EU-Kommission, EU, Luigi Di Maio, Pierre Moscovici, Matteo Salvini, Sebastian Kurz, Jean-Claude Juncker, Rom, Brüssel, Wien, Griechenland, Italien, Österreich, Deutschland