22:40 17 November 2018
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    einer der Mitarbeiter des US-Investmenthauses Lehman Brothers am 15. September 2008

    Lehman-Ruin und Finanzkrise: Auch wegen deutscher Arroganz

    © AP Photo / Louis Lanzano
    Wirtschaft
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    Andreas Peter
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    Dieser Tage jähren sich Rettungsaktionen für die Weltfinanzindustrie zum zehnten Mal. Eine hartnäckige These: Die Krise ging von den USA aus. Der britische Wirtschaftshistoriker Adam Tooze weist in seinem Buch „Crashed“ nach, das ist nur die halbe Wahrheit. Europas Banken waren tief verstrickt. Und: 2008 veränderte die Politik. Über die USA hinaus.

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie hartnäckig sich Halbwahrheiten halten – und leider vor allem die unwahre Hälfte. So lauten die bis heute gängigen wesentlichen Erklärungsmuster für die Beinahe-Kernschmelze des Weltfinanzsystems im September 2008, dass die Krise von der Pleite des US-Investmenthauses Lehman Brothers am 15. September 2008 ausgelöst worden wäre. Ursache wäre die sogenannte Subprime-Krise in den USA gewesen, also jene abnorm aufgeblähte Spekulationsblase aus faulen Immobilienkrediten, die, zu sogenannten Verbriefungspaketen gebündelt, am Ende wie ein klassisches Schneeballsystem den Berg herabrollten.

    Doch das stimmt nur bedingt. Die Verklärung beginnt schon mit dem Ausbruchsdatum der Krise. Und damit ist nicht die Tatsache gemeint, dass die offiziellen Dokumente des Konkursantrages von Lehman das Datum des 14. und nicht des 15. Septembers tragen. Auch die US-Börsenaufsicht SEC hat sich in dieser Sache schon am Abend des 14. September sehr unmissverständlich öffentlich verbreitet.

    Verstellter Blick auf Finanzkrise 2008

    Entscheidend ist: Am Montagmorgen des 15. September 2008 wurde mit der offiziellen Mitteilung, Lehman habe Schutz nach Kapitel 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechtes beantragt, die Schockwelle in Gang gesetzt, die sich wie ein Tsunami über den gesamten Globus ausbreitete und nun als Weltfinanzkrise in den Lehrbüchern steht. Allerdings ist auch der Vergleich mit einem Tsunami eine Untertreibung. Da schon 2008 die meisten Transaktionen weltweit über automatisierte Handelssysteme abgewickelt wurden, ist ein echter Tsunami im Vergleich zu den in Sekundenschnelle reagierenden, weltweit vernetzten Computersystemen der Finanzindustrie so langsam wie eine Schnecke.

    Doch die Gewalt, mit der nach der Konkursmeldung von Lehman im Stundentakt immer neue Einschläge dem Weltfinanzsystem zusetzten und die in Dauerschleife gesendeten Bilder von Lehman-Mitarbeitern, die mit Kartons die Zentrale ihrer Bank am New Yorker Times Square verließen, verschleierte schon damals sehr erfolgreich, dass die Krise eigentlich schon ein Jahr zuvor begonnen hatte – allerdings nicht in den USA.

    Der IKB-Skandal

    Erstaunlicherweise redet kaum noch jemand von der IKB, der Industriekreditbank AG mit Sitz in Düsseldorf, Deutschland. Dabei ist sie ein anschauliches Beispiel dafür, wie Raubtierkapitalismus funktioniert, warum die Krise 2008 derart heftig zuschlug und vor allem auch, wie rücksichtslos und dreist sich Zocker selbst noch an einer Unternehmensleiche bereichern – auf Kosten der Steuerzahler natürlich.

    Viele Analysten datieren heute den Beginn der Weltfinanzkrise nicht auf den 15. September 2008, sondern auf den 30. Juli 2007. An jenem Montag veröffentlichte die IKB eine sogenannte Ad-Hoc-Meldung, mit der die Börsen über Ereignisse informiert werden, die signifikanten Einfluss auf den Kurs der betreffenden Unternehmensaktie haben könnten. In der Ad-Hoc-Meldung verkündete die IKB, dass ihr seinerzeitiger Großaktionär, die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Firma mehr oder weniger übernahm. Die IKB war nicht mehr in der Lage, ihre Zweckgesellschaft „Rhineland Funding“ zu finanzieren.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Superkrise kommt: Pleiteschock löst Lauffeuer am Geldmarkt aus – USA werden isoliert

    Erstaunlich, wo doch IKB-Chef Stefan Ortseifen zehn Tage zuvor in einem Quartalsbericht die Lage der Bank in den schönsten Farben gemalt hatte. Dafür musste er sich später vor Gericht verantworten. Er wurde im Juli 2010 zu zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung wegen Börsenkursmanipulation und einer Geldstrafe von 100.000 Euro verurteilt. Beleidigt prozessierte Ortseifen bis vor den Bundesgerichtshof. Der aber bestätigte im Juli 2011 seine Bestrafung.

    Das nicht vorhandene Unrechtsbewusstsein von Ortseifen zeigt sich in den Relationen. Denn das größenwahnsinnige Missmanagement von ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen hatte die Steuerzahler zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Milliarden Euro gekostet.

    Die Voodoo-Firma Rhineland Funding

    In den Quartalsbericht hatte Ortseifen hineinschreiben lassen, die Risiken der IKB für Wertberichtigungen ihrer Verbriefungspapiere im US-Markt würden lediglich eine einstellige Millionensumme ausmachen. Es ging vor allem um die Zweckgesellschaft „Rhineland Funding Capital“ mit Sitz im US-Bundesstaat Delaware. Der Bundesstaat ist bekannt als Sitz für Briefkastenfirmen aller Art, mit denen internationale Konzerne und Superreiche Steuern vermeiden. Diese „Rhineland Funding“ hatte ein Eigenkapital von 500 (in Worten: fünfhundert) US-Dollar. Das entsprach im Juli 2007 etwa 365 Euro.

    Um die „Rhineland“ am Markt als vertrauenswürdige Herausgeberin von immobilienbesicherten Verbriefungswertpapieren ausweisen zu können, hatte die IKB ihrer 500-Dollar-Gesellschaft eine Kreditlinie von mehr als 8.000.000.000 (in Worten: acht Milliarden) Euro gewährt. Das Volumen der besagten Verbriefungen betrug jedoch im Mai 2007 nach Aussagen eines IKB-Sprechers bereits 12.700.000.000 (in Worten: zwölf Komma sieben Milliarden) Euro. Und „Rhineland Funding“ war nur eine der vielen Zweckgesellschaften, die von der IKB Anfang der 2000er Jahre gegründet worden waren.

    Firmen wie „Rhineland“ waren gezwungen, wie gehetzte Tiere in kurzen Abständen gewaltige Summen immer wieder neu zu beschaffen. Dazu wurden sogenannte Asset Backed Commercial Papers (ABCP) ausgegeben. Um dieses Schneeballsystem am Laufen zu halten, benötigte eine Zweckgesellschaft wie „Rhineland“ eine gute Bonitätseinstufung. Damit ist man der Gnade des Kartells der Ratingagenturen ausgesetzt: Standard & Poor‘s, Fitch und Moody’s. Doch die haben damals mit am großen Rad gedreht und freimütig Gefälligkeitsbonitäten vergeben.

    Voodoo-Ratings für Voodoo-Firmen

    Kein Wunder, denn Moody’s und die Muttergesellschaft von Standard & Poor’s gehören dem gleichen Kreis von großen Hedgefondsgesellschaften wie Black Rock oder Vanguard. Und diese Zockerbuden kennen nur eine Bonität: ihre eigene. Weshalb es nicht verwundert, dass Moody’s im Juni 2007 der 500-Dollar-Eigenkapitalgesellschaft „Rhineland“ die Bestnote „P-1“ gab. In der Skala von Moody’s wird diese Stufe beschrieben als:

    „Issuers (or supporting institutions) rated Prime-1 have a superior ability to repay short-term debt obligations.“

    „Emittenten (oder unterstützende Institute) mit einem Prime-1-Rating haben eine herausragende Fähigkeit, kurzfristige Schuldverschreibungen zu tilgen.“

    Nicht nur Moody’s wurde von der US-Regierung später für diese grob fahrlässigen Ratings zur Verantwortung gezogen. Kurzzeitig stand sogar das Ende des Rating-Kartells im Raum. Denn in Washington erinnerte man sich im Angesicht des Supergaus der Subprime-Krise auf einmal wieder daran, dass „die großen Drei“ bereits 2001 beim Enron-Bankrott mit zweifelhaften Bewertungen unangenehm aufgefallen waren.

    Das Kartenhaus IKB bricht zusammen

    Die semikriminellen Ratings von Moody’s und anderen verhalfen der IKB dazu, bis zur sprichwörtlich letzten Minute ihr Spiel zu spielen. Erst am 27. Juli 2007, einem Freitag, erreichte die IKB eine Mitteilung, dass mehrere Banken ihre Kreditlinien einschränken werden. Die aber brauchte die IKB unbedingt für ihr Finanzierungskarussell.

    Die Katastrophe war da. In Windeseile tagten an dem folgenden Wochenende eilig entsandte Vertreter von Banken, Bankenverbänden, der Bankenaufsicht BaFin, der Bundesbank und des Bundesfinanzministeriums und versuchten, Feuerwehr zu spielen. Nun rächte sich, dass die bundesdeutschen Behörden jahrelang klaglos hingenommen hatten, dass deutsche Banken wie die IKB Voodoofirmen wie „Rhineland“ nicht in den Bilanzen aufführten. Die bislang verborgenen Risiken und Verluste flammten nun an jeder Ecke auf.

    Handelshafen in Hamburg
    © REUTERS / Fabian Bimmer
    Mit einer ersten Tranche von 3,5 Milliarden Euro versuchten die Beteiligten, einen Flächenbrand zu verhindern. Denn natürlich wurde die Öffentlichkeit misstrauisch. Am Ende wurden zehn Milliarden Euro Steuergelder in der IKB versenkt, während der ehemalige verantwortliche IKB-Chef Ortseifen die beleidigte Leberwurst wegen einer Geldstrafe von 100.000 Euro und einer Bewährungsstrafe spielte. In der Folge musste die bundeseigene KfW die IKB mehr oder weniger komplett übernehmen – inklusive der faulen Kredite.

    Wenige Tage nach dem Kollaps der IKB, am 9. August 2007, mussten in den USA drei Investmentfonds schließen. Sie gehörten allerdings keinem US-Finanzinstitut, sondern der französischen Großbank BNP Paribas. Nun spielte die Europäische Zentralbank (EZB) Feuerwehr, zusammen mit anderen Zentralbanken und Geldhäusern. Denn auch diese Pleite drohte einen Dominoeffekt auszulösen, weil die Banken begannen, sich gegenseitig zu misstrauen. Der damalige EZB-Chef Jean-Claude Trichet schaffte es zwar, innerhalb von Stunden mehr als 95 Milliarden Euro zu mobilisieren, aber diese damals unvorstellbar hohe Summe sollte nur der Anfang sein.

    Hauptschauplatz in USA – Hauptakteur in Europa

    Diese lange und reichlich verzwickte Vorgeschichte ist wichtig für ein Verständnis dessen, dass die Finanzkrise ab 2007 keine reine Krise des US-Finanzsystems ist. Trotz der Warnsignale argumentierten die europäischen Regierungen, allen voran die deutsche, hartnäckig, das Problem liege in den USA und müsse dort gelöst werden.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Europäische Banken haben „keine Chance gegen Amerikaner“ – Bankenverband-Chef

    In der Tat konnte man 2007 und noch mehr im Verlauf der ersten Jahreshälfte 2008 diesen Eindruck gewinnen. Zu nennen sind hier vor allem der lawinenartige Anstieg von ausgefallenen Immobilienkrediten in den USA, die Schwierigkeiten dortiger großer Bankhäuser, die Milliarden abschreiben mussten, das immer weitere Absenken des Leitzinses durch die US-Notenbank, die Pleiten der Banken Bear Stearns (März 2008), Indymac (Juni 2008) oder Countrywide Financial (Juli 2008) bis zum radikalen staatlichen Eingriff bei den beiden Giganten der Branche Fanny Mae und Freddie Mac am 7. September 2008.

    Lehman wegen Innenpolitik fallengelassen

    Die Pleite von Lehman am 15. September stellte dann eine Zäsur dar. Denn die Weigerung der US-Regierung, auch dieser Bank unter die Arme zu greifen, war rein innenpolitisch begründet und sollte sich sehr schnell als verhängnisvoller Fehler erweisen. Er war der Geburtshelfer für den Mythos, alles sei Schuld der USA.

    Hier kommt der britische Wirtschaftshistoriker Adam Tooze ins Spiel. Er kann in seinem Buch „Crashed“ ziemlich anschaulich belegen, dass es vor allem auch europäische Banken, nicht zuletzt viele öffentlich-rechtlich organisierte Banken gewesen sind, die die sogenannte Subprime-Krise angeheizt haben, zusammen mit US-amerikanischen Großbanken. Denn die kleineren Institute in den USA hatten sich schon längst aus dem Verbriefungsschneeballsystem zurückgezogen, als europäische Banken damit begannen, enorme Summen in diesen „Markt“ zu pumpen. Tooze kann das anhand von Statistiken der Bank of England und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) belegen.

    Vor allem die Deutsche Bank war in einem Ausmaß in die Subprime-Krise involviert, das rückblickend Gänsehaut erzeugt, wenn man sich vorstellt, was noch hätte geschehen können. Die Volumina der Verbriefungspakete, die von der Deutschen Bank gehandelt wurden, überstiegen das Eigenkapital der Bank um das 70-Fache.

    Doch auch und gerade die Landesbanken wie etwa die WestLB hatten sich um Kopf und Kragen verspekuliert. Und wie tief die Schweizer Großbank USB im Sumpf der Subprime-Krise steckte, sollte sich zeigen, als die US-Notenbank am 13. Oktober 2008 schließlich die Zügel in die Hand nahm und im wahrsten Wortsinn zum Dollar-Geldautomaten der europäischen Zentralbanken wurde, an dem sich vor allem die USB bediente.

    Mitte-Links-Regierungen: Vorreiter der Marktliberalisierungen

    Dass es dennoch gelang, den USA die alleinige Schuld an der Finanzkrise zuzuschieben, erklärt sich Adam Tooze im Gespräch mit Sputnik mit mehreren Faktoren. Zum einen mit einer latenten Aversion gegen den Staat USA und den von ihm vertretenen radikalen Marktkapitalismus, aber auch mit ganz nüchternen psychologischen Faktoren. Denn wenn derartige Krisen ausbrechen, ist man froh, wenn sie einen nicht treffen oder man nicht für sie verantwortlich gemacht wird.

    Genau hier liegt wahrscheinlich die Erklärung für die zum Teil absurden Abwehrkämpfe der Bundesregierung und anderer EU-Staaten, mit den USA zusammen gegen die verheerenden Auswirkungen der Lehman-Pleite vorzugehen. Denn Europas Regierungen, und insbesondere die deutsche, haben sehr wahrscheinlich ein schlechtes Gewissen gehabt, vermutet Adam Tooze:

    „Insgesamt ein Problem der Mitte-Links-Parteien Europas und auch Amerikas in diesem Moment ist die Tatsache, dass sie seit den 90er Jahren eine aktive Politik der Aktivierung der Finanzmärkte betrieben haben. Das lief in Deutschland unter dem Slogan, glaube ich, Finanzstandort Deutschland, von der rot-grünen Koalition aktiv vorangetrieben. Man glaubte wirklich an dieses Modell der Marktmobilisierung. Und das stellt alle Mitte-Links-Parteien in Großbritannien, in Deutschland, auch in den Vereinigten Staaten vor Legitimationsprobleme. Sie sind objektiv seit den 90er Jahren in diesem Prozess der Freisetzung des Finanzkapitals involviert.“

    Das Buch von Adam Tooze brilliert durch vorbildlich recherchiertes Datenmaterial. Es ist die Basis für eine chronologische Abarbeitung der Krise, die allerdings mitunter einiges an intellektuellem Potenzial der Leser voraussetzt. Aber der Erkenntnisgewinn ist beträchtlich. Zum Beispiel, wenn Tooze beinahe minutiös schildert, wie die USA fast schon verzweifelt versuchen, Deutschland zu konzertierten Rettungsaktionen zu bewegen, aber Berlin eisern mauert und sich zunächst auch der Solidarität vieler anderer europäischer Staaten sicher sein kann.

    Tooze erkennt in der zögerlichen Haltung Deutschlands am Beginn der Finanzkrise aber kein grundsätzlich anderes Verständnis von Kapitalismus. Er charakterisiert das im Gespräch mit Sputnik vielmehr so:

    „Ich meine, die Amerikaner wollten die Bail outs auch nicht machen, die haben sich nicht mit Enthusiasmus da hineingeworfen. Das ist auch für sie die letzte Notbremse, die da gezogen werden muss. Was wir im Herbst feststellen, dass die Deutschen hinterherhinken, nicht kommunizieren, nicht kooperativ arbeiten, tendenziell, wenn nötig, eine nationale Lösung anstreben und dann letztendlich doch unwillig in gewisser Weise in die Zusammenarbeit am 13. Oktober hineingezogen werden. Auch aufgrund der objektiven Umstände, dass bis dahin klar ist, dass in Deutschland auch ganz massive Probleme existieren. Also ich würde daraus nicht einen fundamentalen Unterschied herausstilisieren wollen. Es ist mehr eine Zeitverschiebung, ein Interessenkonflikt, ein politisches Spiel.“

    Krisenfolgen weit über das Finanzielle hinaus

    New Yorker Börse
    © REUTERS / Brendan McDermid
    Politische Spiele der besonderen Art bargen nach Ansicht von Adam Tooze auch die Ergebnisse der Finanzkrise, denen er ein eigenes Kapitel namens „Nachbeben“ widmet. Darin stellt er die These auf, dass die Turbulenzen und Zumutungen der Finanzkrise, die Kollateralschäden – Tooze nennt sie „Stiefelabdrücke“, die von den Rettungsmaßnahmen zur Bewältigung der sich unmittelbar anschließenden sogenannten Staatsschuldenkrisen verursacht wurden –, zum Verlust von Vertrauen in Institutionen und zu politischen Entwicklungen und Ereignissen geführt haben, die der Weltgemeinschaft schwer zu schaffen machen. Seien es die Radikalisierungstendenzen in den USA und anderen westlichen Staaten, die Ukraine-Krise, die Griechenland-Krise, der endgültige Aufstieg Chinas zur wahrscheinlich nächsten Supermacht oder die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten.

    Das Buch von Adam Tooze „Crashed – Wie zehn Jahre Finanzkrise die Welt verändert haben“ gibt auf knapp 800 Seiten faktenreich Antworten, die manchen verblüffen oder in Selbstzweifel stürzen könnten. Denn Tooze arbeitet beispielsweise heraus, dass die Krise 2008 nicht so sehr wegen der faulen Immobilienkredite in den USA an sich so dramatisch verlief. Vielmehr ist bis heute den wenigsten bewusst, dass die Dramatik jener Tage vor allem darin lag, dass viele europäische Banken gigantische Geschäfte und Zahlungsverpflichtungen auf Dollarbasis eingegangen waren und über Nacht eine akute Dollar-Deckungslücke hatten.

    Nur die jede Grenzen sprengende Dollarschwemme der Federal Reserve Bank rettete Europas Banken. Und umgedreht rettete diese verkappte Zentralbankfunktion der Fed für Europa die Vormachtstellung für den US-Dollar als Weltleitwährung. Jedenfalls für eine Weile. Obwohl in Europa beinahe jeder „Experte“ nach dieser Krise das Ende des Dollar-Zeitalters ausgerufen hatte. Manchmal können Fakten auch verwirren.

    Das Interview mit Adam Tooze zum Nachhören hier:

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    Tags:
    Rating, Kredite, Finanzkrise, US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Moody’s, Deutschland, USA