04:24 11 Dezember 2018
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    Fabrik des russischen Rohstoffkonzerns Sibur in Tobolsk

    Deutsche Unternehmen in Sibirien willkommen

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    Wirtschaft
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    Alexandra Konkina
    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (5)
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    „Deutsch-Russischer Handel im Wandel der Zeit“ – so lautete das Thema eines Seminars des Deutsch-Russischen Forums in der Stadt Tjumen. Junge Vertreter von Geschäftskreisen beider Länder sind nach Sibirien gekommen, um die bilateralen Beziehungen zu besprechen und die Perspektiven der Region zu erforschen.

    Seit 1994 führt das Deutsch-Russische Forum Young Leader-Seminare für Nachwuchsführungskräfte aus Deutschland und der Russischen Föderation durch. Die Seminare behandeln jeweils vertiefend einen thematischen Aspekt aus dem Bereich der deutsch-russischen Beziehungen.

    Dieses Jahr hat das Seminar in der westsibirischen Gas- und Öl-Metropolie Tjumen stattgefunden. Neben der Gewinnung und Verarbeitung von Erdöl hat das Tjumener Gebiet noch Einiges mehr zu bieten: Polymere, Baustoffe, Lebensmittel, landwirtschaftliche Erzeugnisse. Das Gebiet pflegt auch regelmäßige Kontakte zu Unternehmen aus Deutschland, weshalb als Thema des Seminars „Deutsch-Russischer Handel im Wandel der Zeit“ gewählt wurde.

    Am ersten Seminartag debattierten die „Young Leader“ an der Tjumener Staatlichen Universität über den heutigen Zustand der deutsch-russischen Beziehungen. Prof. Dr. Wilfried Bergmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums und Mitglied des Petersburger Dialogs, eröffnete die Diskussionsrunde mit dem Wort der letzten Jahre: Sanktionen. „Sanktionsspiralen helfen niemandem“ – das sei ein häufig wiederholtes Mantra, das dennoch absolut wahr sei.

    Diese Position teilt auch Dmitri Kononenko, Bereichsleiter Digitalisierung und Zukunftstechnologien bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Die Frage sei, wie man einen Weg aus der Krise finden könne. Darüber diskutierten die jungen Experten aus verschiedenen Bereichen: Automobilindustrie (Audi), Bankwesen (Commerzbank, Deutsche Bank), Chemieindustrie (Bayer) und Medien (Sputnik Deutschland, ARD, Deutsche Welle).

    Neben Sanktionen ging es auch um Digitalisierung 4.0, Russlands Image in Europa und Nord Stream 2: Das Pipelineprojekt bekommt viel Kritik in den deutschen Medien, obwohl es wirtschaftlich für Deutschland eindeutig ergiebig ist. „Nord Stream 2 wird billiger als South Stream sein, doch hängt seine Zukunft nicht nur von Deutschland, sondern auch von der Europäischen Union ab“, sagte Bergmann gegenüber Sputnik Deutschland.

    Zu Beginn des zweiten Tages ging es zur Besichtigung einer Produktionsstätte von Schattdecor, einem deutschen Hersteller von Dekorfolien. Wie die meisten deutschen Unternehmen plant es strotz der Sanktionen keinen Weggang vom russischen Markt: „Ich persönlich kenne kein Unternehmen, das sich aus Russland zurückzieht. Der russische Markt war und ist einfach zu attraktiv“, hatte der Generaldirektor von Schattdecor Russland, Harald Purainer, bei der Eröffnung des Werks in Tjumen vor drei Jahren betont.

    Am letzten Tag des Seminars ging es für die Teilnehmer in das 250 Kilometer nordöstlich von Tjumen gelegene Tobolsk. Hier besichtigten die jungen Experten den größten russischen Petrochemie-Konzern Sibur, der rund 30 Prozent des russischen Erdgases verarbeitet. Heute baut Sibur in der sibirischen Stadt Tobolsk die größte Chemieanlage des Landes seit dem Ende der Sowjetunion – mithilfe deutscher Anlagenbauer. Die deutschen Konzerne Linde und Thyssen-Krupp sowie der französische Anlagenbauer Technip nehmen aktiv am Aufbau teil. Das neue Unternehmen soll die Polymerproduktion in Russland verdoppeln und künftig Polymere in andere Staaten ausführen.

    „Das Young Leader Seminar bietet immer Gelegenheit für interessante Diskussionen und ungewöhnliche Einblicke durch das Rahmenprogramm. Alle Teilnehmer sind letztlich ja schon Teil der deutsch-russischen Beziehungen. Der wichtigste Beitrag, den sie leisten können, ist dabei sicher, allseits um Verständnis zu werben und in Deutschland russische Denkweisen genauso zu erläutern, wie sie deutsche Denkweisen in Russland erklären. Sie können quasi eine Brückenfunktion übernehmen, wenn sie sich die verschiedenen Perspektiven zu Herzen nehmen und möglichst sachlich darstellen können“, – erklärte Mirko Kruppa, Leiter Politik der Delegation der Europäischen Union in Moskau gegenüber Sputnik.

    Das Seminar hat gezeigt, dass der deutsch-russische Handel sich weiter entwickelt. Deutsche Unternehmen sind seit vielen Jahren auf dem russischen Markt und wollen ihn und die bestehenden wirtschaftlichen Beziehungen nicht verlieren. Deswegen haben sie einen neuen Weg gefunden – Lokalisierung. Und die sibirische Kälte ist kein Hindernis auf diesem Weg.

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    Themen:
    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (5)
    Tags:
    Gasvorkommen, Digitalisierung, Ölvorkommen, Rohstoffe, Nord Stream 2, Sibur, Bayer, Audi, Deutsche Bank, Commerzbank, Deutsche Welle, ARD, Tjumen, Sibirien, Deutschland, Russland