05:09 11 Dezember 2018
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    Kanuf-Werk in Russland (Archiv)

    Knauf: „Die Entscheidung, nach Russland zu kommen, war absolut richtig“

    © Sputnik / Rusland Kriwobok
    Wirtschaft
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    Alexandra Konkina
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    „Sprechen Sie Russisch? Wunderbar!“ – so hat Nikolaus Knauf das Gespräch begonnen. Im Rahmen einer Delegationsreise von Mitgliedern des Deutsch-Russischen Forums nach Iphofen hat Sputnik mit dem Gesellschafter der Unternehmensgruppe Knauf Gips KG gesprochen.

    Im Jahr 1932 gründeten die Brüder Alfons und Karl Knauf ein kleines Gipswerk. Sie glaubten fest daran, dass der Rohstoff Gips eine Zukunft hat. Im Laufe der Jahrzehnte ist das Familienunternehmen zu einem Gipsimperium geworden.

    Nikolaus Knauf, der älteste Sohn von Alfons, trat 1969 als Gesellschafter in die Geschäftsführung ein. Unter der Leitung der Cousins Nikolaus und Baldwin expandierte das Unternehmen Knauf aktiv. Die umfangreichste Expansion gelang ihnen in den 1990er Jahren in Russland und den GUS-Staaten.

    Im Oktober 2018 feierte der Iphöfer Baustoffhersteller sein 25-jähriges Jubiläum in Russland. „Die Entscheidung, hierher zu kommen, bedeutete damals ein nicht geringes Risiko, aber auch eine Chance“, sagte Nikolaus Knauf, „aber sie war absolut richtig.“

    Knauf hatte 1993 im Gipswerk Krasnogorsk bei Moskau begonnen, eine eigene Produktion aufzubauen. Seither investierte man rund 1,6 Milliarden Euro in Russland: 15 Produktionsstätten und Steinbrüche, 15 Filialen und Repräsentanzen, sechs Schulungszentren.

    „Wir sind vor 25 Jahren nach Russland gekommen. Das waren unglaublich schwierige Zeiten. Aber Knauf hat es geschafft, einer der erfolgreichsten Investoren in Russland zu werden“, sagte Nikolaus Knauf gegenüber Sputnik.

    Am 30. September 1998 erhielt Nikolaus Knauf die Zulassung als erster Honorarkonsul der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland. Und im Jahr 2006 erhielt er „für seinen großen Beitrag zur Entwicklung und Festigung der russisch-deutschen Freundschaftsbeziehungen“ den Orden der Freundschaft, heißt es im diesbezüglichen Erlass des russischen Präsidenten.

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    Herr Knauf, kann man die bilateralen Beziehungen auch heute als Freundschaft bezeichnen?

    Ich bin immer gerne nach Russland gekommen und auch in den Zeiten der Sowjetunion, obwohl ich damals westeuropäisch engagiert war und gegen Kommunisten, Bolschewisten und Maoisten war. Und dann brach das System zusammen, nicht ein Land, sondern das ganze System. Man dachte damals, dass alles sich positiv verändern wird. Am Anfang war es für alle sehr schwer. Aber die selbständigen Unternehmen, die in dieser Zeit nach Russland kamen, waren bestimmt eine gute Voraussetzung für die freundschaftlichen Beziehungen.

    Die Sanktionen beschränken die russische Wirtschaft. Wie sehen Sie unter diesen Umständen die Perspektiven?

    Das ist nicht so einfach zu beantworten. Wir kennen die Problematik der vergangenen Jahre. Heute stehen die Sanktionen in allererster Linie. Wir verlieren in Russland sicherlich jedes Jahr 1,2 Prozent Wachstum, das wir unter normalen Umständen hätten, wenn diese schrecklichen Sanktionen nicht da wären.

    Die Knauf Gruppe engagiert sich heute nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial in Russland. Vor zwei Jahren entstand beispielsweise in der Ortschaft Rossoschka im Wolgograder Gebiet eine Friedenskapelle als Symbol der Versöhnung des deutschen und russischen Volkes. Die Errichtung der Kapelle am Ort der bedeutenden Schlacht um Stalingrad, dem großen Wendepunkt im Verlauf des Zweiten Weltkrieges, wurde unter der Schirmherrschaft von Nikolaus Knauf durchgeführt.

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    Tags:
    Perspektiven, Unternehmen, Partnerschaft, Sanktionen, Knauf, Nikolaus Knauf, Deutschland, Russland