10:01 11 Dezember 2018
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    Ölraffinerie (Archivbild)

    „Trump weiß noch nicht genug Bescheid über Öl- und Gaspreise“

    © REUTERS / Christian Hartmann
    Wirtschaft
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    Armin Siebert
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    Der Ölpreis ist seit Anfang Oktober um 30 Prozent gefallen. Der Ökonom und Politikwissenschaftler Behrooz Abdolvand von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik führt dies auf die Überproduktion Saudi-Arabiens und Russlands zurück. Präsident Trump hält er für noch unerfahren im Öl-Bereich.

    Herr Abdolvand, nach zweieinhalb Jahren Aufstieg ist der Ölpreis seit Oktober auf rasanter Talfahrt. Wie kommt das?

    Der wichtigste Grund dafür ist, dass die OPEC und Russland ihre Öl-Produktion erweitert haben, nachdem die Sanktionen gegen den Iran in Kraft getreten sind. Anscheinend wollten sie den Anteil des Irans ersetzen. Der Markt war aber schon vorher gesättigt. So gibt es jetzt eine Überproduktion. Deswegen fällt der Ölpreis. Ich habe aber auch die Vermutung, dass die Amerikaner seit einiger Zeit aus ihren Reserven etwa eine Million Barrel zusätzlich auf den Markt geworfen haben.

    Ein Hauptgrund sind die US-Sanktionen gegen den Iran. Sind diese also doch so wirkungsvoll, dass sie den weltweiten Öl-Kurs ins Wanken bringen?

    Tatsächlich ist die Öl-Produktion im Iran seit den Sanktionen nur um 600.000 Barrel gesunken. Die OPEC hat jedoch 1,5 Millionen Barrel zusätzlich auf den Markt geworfen. Das war etwas überstürzt. Und die Weltwirtschaft befindet sich zurzeit nicht in einer Wachstumsphase. Auch Chinas Wachstum ist gebremst. Die erwartete Erhöhung des Ölverbrauchs ist nicht eingetreten. Als Reaktion werden die teuersten Fracking-Produzenten in den USA wohl langsam aus dem Markt aussteigen. Da sollte man jetzt die Produktionsströme in den USA beobachten.

    Aber gerade im Ölbereich haben die USA ja vorerst einige Ausnahmen bei den Iran-Sanktionen zugelassen. Wieso das?

    Tatsächlich ist es schwer, das iranische Leichtöl zu ersetzen. Bestimmte Raffinerien, zum Beispiel in Italien und Griechenland, sind nur für die Raffinierung von iranischem Öl geeignet. Die Umstrukturierung dieser Raffinerien ist nicht so einfach. Das macht das iranische Öl für den weltweiten Ölmarkt relevant. Deshalb denke ich, dass es zu der von den USA gewünschten Reduzierung des iranischen Öl-Exports auf null nie kommen wird.

    Wie ist denn das Verhältnis von Russland zum Iran im Ölbereich?

    Russland hat seine eigenen Interessen. Russland und der Iran kooperieren zwar punktuell auf politischer Ebene dort, wo es gemeinsame Interessen gibt, zum Beispiel im Nahen Osten oder in Syrien. Aber im Öl- und Kapitalmarkt sind sie Konkurrenten. Das Verhältnis der beiden zueinander ist respektvoll, aber ich würde sie nicht als strategische Partner bezeichnen.

    Für Russland ist in erster Linie der europäische Gasmarkt relevant. So war das Scheitern der Pipeline Nabucco auch ein Segen für Russland. Und jetzt wurde ja auch Turkish Stream eröffnet. So wird der Gasexport für Südeuropa künftig verstärkt aus Russland und der Türkei kommen. Sie wollen ihren Marktanteil erweitern.

    Präsident Trump hat bereits Saudi-Arabien gedankt für die Steuergeschenke an die Amerikaner, die mit einem sinkenden Ölpreis verbunden seien. Warum dankt er Saudi-Arabien?

    Saudi-Arabien hat die Öl-Produktion massiv erweitert, und dadurch ist wohl auch der Ölpreis gesunken. Saudi-Arabien steht massiv unter Druck aus den USA, die Befehle auszuführen. Das sieht man ja auch durch die neuen Akzente aus Washington in Bezug auf die Ermordung des Journalisten Kashoggi. So hat ja unlängst die CIA den saudischen Kronprinzen als Befehlsgeber für diesen Mord bezeichnet, und auch Trump hat dies zumindest als Vermutung geäußert. Die Politik der USA in Bezug auf Saudi-Arabien ist also auf der einen Seite, den Druck zu erhöhen, und auf der anderen Seite, dafür Konzessionen zu bekommen.

    Saudi-Arabien ist der große Player in der OPEC. Die wollten doch eigentlich die Fördermenge drosseln. Wieso kommt es nicht dazu?

    Das hatten sie ursprünglich vor, aber dann wurde der Druck aus den USA größer. Ich glaube nicht, dass sie die Produktion bedeutend reduzieren werden.

    Verstehe ich das richtig: Die Strategie von Trump im Ölbereich sind große Fördermengen und niedrige Preise? Ist das denn die richtige Taktik für die amerikanischen Ölproduzenten?

    Ich glaube, Präsident Trump weiß noch nicht genug Bescheid über Öl- und Gaspreise. Er befindet sich in einem Lernprozess. Für die Firmen in den USA ist es erst ab einem Preis von 70 Dollar pro Barrel vorteilhaft, Öl zu produzieren. Wenn der Preis sehr niedrig wird, müssen sich die US-Produzenten aus dem Markt zurückziehen. Ich erwarte, dass es hier zu einer weiteren Marktregulierung kommt, dass sich viele US-Produzenten aus dem Fracking-Sektor erst einmal aus dem Markt zurückziehen werden. Wenn sich der Preis dann stabilisiert, fahren sie ihre Produktion wieder hoch. Ich erwarte also tendenziell wieder eine langsame Preiserholung und Stabilisierung.

    Das Interview mit Behrooz Abdolvand zum Nachhören:

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    Tags:
    US-Sanktionen, Öllieferungen, Ölexport, Gaslieferungen, Ölpreis, Turkish Stream, OPEC, Donald Trump, Nahost, Iran, Saudi-Arabien, USA, Russland