15:07 17 Dezember 2018
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    Die Verhandlungen zwischen den Staatschefs von China und den USA im Rahmen des G20-Gipfels in Hamburg (Archivbild)

    Was können Investoren vom Trump-Xi-Treffen bei G20-Gipfel erwarten?

    © Foto: Official White House/ Shealah Craighead
    Wirtschaft
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    Das am Rande des aktuellen G20-Gipfels in Buenos Aires geplante Treffen des US-Präsidenten Donald Trump mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping könnte die Dynamik der globalen Finanzmärkte beeinflussen.

    Der chinesische Aktienmarkt ist seit dem Ausbruch des Handelskrieges zwischen Washington und Peking um mehr als ein Viertel eingesackt. Der Marktwert der amerikanischen High-Tech-Unternehmen hat insgesamt mehr als eine Billion Dollar verloren. Jetzt warten alle darauf, ob die Spitzenpolitiker der beiden größten Wirtschaften der Welt Kompromisse finden können.

    In Washington meint man, dass die von der Trump-Administration verhängten Zolltarife für chinesische Waren hervorragend funktionieren. Die USA haben den Import aus dem Reich der Mitte mit zusätzlichen  Tarifen von 250 Milliarden Dollar belegt. China kann darauf keine symmetrische Antwort geben – wegen der Dysbalance im bilateralen Handel. Und im Weißen Haus glaubt man offenbar, dass eben darin sein strategischer Vorteil besteht.

    Kurzfristig ist der Handelskrieg mit Amerika ziemlich ungünstig für die Volksrepublik. Nach Angaben des Staatlichen Statistikamtes hat sich das Wirtschaftswachstum im dritten Vierteljahr um 1,6 Prozent im Vergleich zum zweiten und um 6,5 Prozent im Jahresvergleich verlangsamt – ein Tief seit dem Krisenjahr 2009. Die Industrieproduktion ist im Reich der Mitte nur um 5,8 Prozent (wesentlich weniger als zuvor prognostiziert) gewachsen.

    Natürlich werden Investoren angesichts solcher Statistiken nervös. Die Dynamik der chinesischen Aktienmärkte ist im laufenden Jahr enorm negativ: minus 27 Prozent. Auch die Abwertung der chinesischen Währung verleiht Pessimismus – ein US-Dollar kostet schon monatelang etwa sieben Yuan.

    Aber auch in Amerika erleben die Märkte nicht gerade die besten Zeiten. Der S&P500 hat innerhalb nur einer Woche im Oktober sieben Prozent (1,7 Billionen Dollar) verloren, was zwei Drittel der Verluste der chinesischen Märkte ausmacht. Auch der High-Tech-Index NASDAQ erlebte den schlimmsten Einsturz seit 2011. Das könnte zwar eine Koinzidenz sein, aber gerade zu diesem Zeitpunkte telefonierte Präsident Trump mit Xi Jinping, und die Seiten einigten sich auf ein Treffen am Rande des G20-Gipfels in Argentinien.

    Das verlieh den beiden Märkten Hoffnung auf einen gewissen Konsens über die weiteren Handelsverhandlungen. Vorerst ist lediglich offensichtlich, dass diese nicht leicht sein werden. US-Handelsvertreter Robert Lighthizer und Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro bestehen darauf, dass eine Einigung nur dann möglich wäre, wenn Peking alle Bedingungen Washingtons erfüllen würde. Aber laut Quellen wollen die Chinesen etwa 20 Prozent dieser Forderungen unter keinen Umständen erfüllen, weil es dabei um ihre nationale Sicherheit geht.

    Eine schnelle Regelung des Handelsstreits lässt sich also kaum erwarten, aber wenn die Seiten in Argentinien wenigstens den Rahmen der weiteren Verhandlungen bestimmen werden, wäre das ein Erfolg, sagte Chen Fengying vom Institut für Weltwirtschaft bei der Chinesischen Akademie für moderne internationale Beziehungen in einem Interview für Sputnik.

    „Wenn man davon ausgeht, dass China alle Bedingungen der USA erfüllen müsste, dann wären das keine Verhandlungen. Von Verhandlungen kann man reden, wenn beide Seiten ihre Forderungen auflisten und besprechen, aber nicht einander etwas aufzwingen. Aus meiner Sicht wäre es schon nicht schlecht, wenn die Seiten zu den Verhandlungen, die am 3. Mai stattfanden, zurückkehren. Der Handelsdialog im Mai verlief sehr konstruktiv, und die Seiten bemühten sich um die Suche nach der Lösung des Problems, ohne von der Notwendigkeit einer Eskalation zu reden“, so der Experte.

    „Ich hoffe sehr, dass die neuen Verhandlungen auf dieser Basis, die im Mai gelegt wurde, fortgesetzt werden. Natürlich werden die USA wesentlich mehr Forderungen an China haben als China an die USA, denn im bilateralen Handel ist eine Dysbalance nicht zu übersehen. Das ist unvermeidlich. Falls die USA glauben, dass China von der Globalisierung mehr profitiert (obwohl wir glauben, dass dieser Prozess für alle Seiten nützlich ist), dann könnte China sicherlich gewisse Zugeständnisse akzeptieren. Aber man sollte davon ausgehen, dass China einseitige Zugeständnisse nicht akzeptieren wird. Wir haben uns schon sehr viel Mühe gegeben, und es müsste ein positives Ergebnis her. Aber was könnten wir denn sonst tun? Das bevorstehende Treffen Trumps mit Xi Jinping ist schon der Dialog auf höchster Ebene. Welche Möglichkeiten könnte es denn noch geben? Mit diesem Dialog bietet sich die letzte Chance.“

    Die Hoffnungen auf positive Ergebnisse des bevorstehenden bilateralen Gipfels sind teilweise damit verbunden, dass der „Hardliner“ Navarro daran nicht teilnehmen wird. Andererseits hat der andere Unterhändler, Robert Lighthizer, im Vorfeld der Gespräche in Argentinien einen Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass China im Sinne keines einzigen Punktes des Untersuchungsberichts 301 Fortschritte gemacht hätte, der zum Auslöser des Handelskrieges geworden sei.

    Und das US-Handelsministerium trat in dieser Woche mit der Initiative auf, den Export von mit künstlicher Intelligenz verbundenen Technologien und von entsprechenden Programmprodukten zu lizenzieren.

    Und schließlich hat das jüngste APEC-Gipfeltreffen, auf dem die Teilnehmer zum ersten Mal in der Geschichte keine Abschlusserklärung vereinbaren konnten, die fundamentalen Kontroversen zwischen den beiden Supermächten offensichtlich gemacht. Dennoch sind sich die meisten Experten einig, dass das Treffen in Argentinien so gut wie die letzte Chance sei, doch einen Weg zur Regelung zu finden. Andernfalls müssten sich die internationalen Märkte auf eine lange Depression gefasst machen.

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    Tags:
    Investitionen, Investoren, Erwartungen, Gipfeltreffen, Treffen, Sanktionen, US-Strafzölle, Handelskrieg, ASEAN, APEC, G20, Xi Jinping, Donald Trump, USA, China