16:11 17 Dezember 2018
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    Produktion der BMW-Autos in Russland (Archiv)

    Erstes Russisch-Deutsches Branchenforum: Kühler Kopf auch bei scharfem Wind

    © Sputnik / Igor Sarembo
    Wirtschaft
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    Natalia Pawlowa
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    Das erste Russisch-Deutsche Branchenforum, das am 22. November in Moskau getagt hat, diente dazu, Industrie und Wirtschaft aus Russland und Deutschland noch näher zusammenzubringen. Die deutsche Wirtschaft hält weiterhin am Russlandgeschäft fest. Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in Russland standen im Mittelpunkt der Diskussion.

    Das Umfeld sei nicht einfach, in dem deutsche und russische Unternehmen operieren, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), Matthias Schepp, bei der Eröffnung des Forums.

    Diese neue Diskussionsplattform der deutsch-russischen Business-Community ist auf sechs Branchen ausgerichtet, die für die Effizienzpartnerschaft zwischen Deutschland und Russland strategisch wichtig sind: Automobilindustrie, Ernährungswirtschaft, Infrastruktur, Maschinenbau, Chemie- sowie Pharma-Industrie.

    Russland sei für die deutsche Wirtschaft nach wie vor ein interessanter Markt, so Schepp.

    „Die deutsche Unternehmerschaft in Russland zeichnet es auf, dass wir kühlen Kopf  bewahren, auch wenn scharfe Winde wehen“, so Schepp. Und das halte er für einen der entscheidenden Faktoren, warum die deutsche Wirtschaft der Champion der Lokalisierung bleibe.

    „Aus keinem anderen Land investieren Unternehmer so viel in die reale Produktion in Russland wie aus Deutschland. Im dritten Quartal hat die Deutsche Bundesbank vermeldet, dass allein in diesem Jahr die direkten Netto-Investitionen in Russland 2,1Milliarden Euro betrugen. Im vergangenen Jahr waren es 1,6 Milliarden Euro.“

    Das  sei ein Zeichen dafür, so der AHK-Chef, dass Russland in einem schwierigen Umfeld mit Sanktionen, mit scharfen politischen Gegensätzen für die deutsche Wirtschaft nach wie vor ein sehr interessanter Markt sei. Die AHK werde bis Jahresende um 50 neue Mitglieder gewachsen sein. Es gebe mehrere Firmen, die seit vielen Jahren da seien.

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    Im Forum wurde das Thema Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in Russland rasch diskutiert. Es betrifft u.a. die Firmen, die in der Autoindustrie beschäftigt sind. Zu den Veteranen der Branche gehört BMW, das Unternehmen befasst sich in Kaliningrad mit der Montage von Autos der Premium Klasse. Der Umsatz beträgt etwa zwei Milliarden Euro. Für jedes Unternehmen, das im Ausland tätig sei, sei es wichtig, Investitionssicherheit und Planungssicherheit zu gewährleisten, sagte der CEO von BMW Group Rus, Stefan Teuchert:

    „Innovationen entstehen immer dort, wo es Pioniere gibt. Und Pioniere investieren immer dann, wenn sie wirtschaftliche Rahmenbedingungen haben, auf die sie sich verlassen können. Das ist bei BMW seit 103 Jahren so, auch bei vielen deutschen Herstellern, die gewillt sind, zu investieren, die daran glauben, dass der russische Markt ein großes Potenzial hat, aber die im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der Lage sein müssen, sich wirtschaftlich darzustellen.“

    Der BMW-Rus-Chef wandte sich im Namen der deutschen Unternehmer an die russische Regierung mit der Bitte, „so gut wie möglich zu differenzieren, was zur Zeit realistisch ist, und gleichmäßige Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ein fairer Wettbewerb stattfinden kann, weil das am Ende dazu führen wird, dass sich die Wirtschaft gleichmäßig entwickelt und nicht einseitig unterstützt wird“.

    Gleichzeitig gab Teuchert zu, dass die Gespräche mit den Vertretern der russischen Regierung diesbezüglich konstruktiv und offen seien. Auch Wassili Osmakow, stellvertretender Minister für Industrie- und Handel, stehe seinen Worten zufolge im ständigen Dialog mit dem deutschen Business.

    Aser Talibow, stellvertretender Minister für wirtschaftliche Entwicklung Russlands, ist zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit bei der Steigerung der Arbeitsproduktivität einer der wichtigsten Tätigkeitsbereiche sein sollte, um ein höheres Wirtschaftswachstum sicherzustellen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland zu verstärken. Darüber hinaus erarbeite das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit Kollegen der Russisch-Deutschen Handelskammer und mit dem Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft derzeit einen Fahrplan für die Beteiligung deutscher Unternehmen und Wirtschaftsverbände an diesem Projekt.

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    Alexander Schochin, Präsident des Russischen Verbandes der Industriellen und Unternehmer, kritisierte die einheimische Regierung wegen ihres Ansatzes bei der Vergabe von Sonderinvestitionsverträgen. Es sollte keine Geschäftsgeheimnisse geben, so der Ökonom, und der Unterstützungsmechanismus für ein Unternehmen sollte nicht nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt – der  bekommt die Braut“ funktionieren.

    „Wir müssen dem Investor die Möglichkeit geben, für die Dauer des Projekts ruhig zu leben. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Investitionen die Norm sein werden. Vom Präsidenten (Wladimir Putin – Anm. d. Red.) wurde die Aufgabe gestellt, den Anteil der Investitionen in das Stammkapital von derzeit 19 Prozent auf 25 Prozent zu erhöhen. Dies ist eine ehrgeizige Aufgabe“, so Schochin.

    Übrigens erinnerte er daran, dass den ersten Sonderinvestitionsvertrag der russischen Regierung ein Unternehmen aus Deutschland erhalten hatte – der deutsche Landmaschinenhersteller CLAAS in Krasnodar.

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    Tags:
    Investitionen, Partnerschaft, BMW, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), Matthias Schepp, Deutschland, Russland