22:01 16 Dezember 2018
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    Trumps Zölle brechen US-Bauern das Genick: China investiert in russischen Soja-Anbau

    © Sputnik / Witalij Timkiw
    Wirtschaft
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    Alexander Lesnych
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    Der Handelskrieg, der von Präsident Trump angezettelt wurde, rächt sich: Amerikanische Landwirte leiden unter den Zöllen, die die chinesische Führung im Gegenzug für die Sanktionen der U-Regierung eingeführt hat. Der Sojaexport ist praktisch tot, den Bauern steht das Wasser bis zum Hals.

    Für einen Landwirt aus dem Mittleren Westen der USA ist Soja das Importgut und die Einnahmequelle Nummer 1. In diesem Jahr wurden doppelt so viele Anbauflächen für die Sojaaussaat freigegeben als im Jahr zuvor: Die Farmer hatten gehofft, ihren ohnehin hohen Sojaexport nochmal steigern zu können. Rund 60 Prozent aller landwirtschaftlichen Ausfuhren aus den USA in die Volksrepublik entfallen auf diese nährstoffreiche Bohne.

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    Aber es kommt, wie es kommen musste: Trumps Zollkrieg gegen den größten Handelspartner seines Landes hat dazu geführt, dass Peking eine 25-prozentige Abgabe auf die Sojabohnen aus den Vereinigten Staaten verhängt hat. Im Ergebnis ist der Sojaexport nach China um nahezu 100 Prozent gefallen.

    Die einzige Hoffnung, die den US-Bauern noch bleibt, ist ein Ende des Handelskriegs gegen China. Möglich wäre es (zumindest theoretisch), wenn Trump und Xi sich auf dem kommenden G20-Gipfel in Argentinien einigen. Andererseits stehen die Chancen auf eine Einigung eher schlecht, hat Trump doch kürzlich dazu aufgerufen, keine chinesischen Hightech-Geräte zu kaufen.

    Das Problem für die amerikanischen Bauern sind nicht nur die eingebrochenen Einnahmen – wegen des Soja kommen jetzt auch noch höhere Kosten auf sie zu. Denn die Sojabohnen sind sehr empfindlich und müssen besonders schonend gelagert werden. Kommen sie auch nur kurz mit Feuchtigkeit in Berührung, verwandeln sie sich in faulenden braunen Matsch.

    Deswegen ist die Nachfrage nach Getreidespeichern in den USA gegenwärtig besonders hoch. Um ganze 40 Prozent sind die Preise für die Lagerung von Sojabohnen gestiegen. Viele Landwirte vernichten darum ihre Ernte oder lassen sie gleich auf dem Feld verfaulen.

    Andere Länder – allen voran Brasilien und Argentinien – hoffen nun, die Lieferausfälle nach China auffangen und ihren Marktanteil in der Volksrepublik ausweiten zu können. Bald geht auch Russland ins Rennen um den chinesischen Sojamarkt.

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    Russlands fernöstliche Regionen bieten ideale Bedingungen für den Sojaanbau. Zudem sind die künftigen Saatflächen geografisch näher an den chinesischen Absatzmärkten als die amerikanischen Felder.

    Die Region erwarte bereits massive Investitionen zur Erschließung ungenutzter Agrarflächen, erklären die zuständigen Behörden. Rund die Hälfte des Investments komme direkt aus China.

    Der chinesische Staatskonzern COFCO habe bereits die Ansiedlung in der Sonderwirtschaftszone der russischen Region Primorje beantragt. Dort möchte das Unternehmen Getreidespeicher und Lager für Agrarprodukte bauen.

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    Tags:
    Investitionen, Landwirtschaft, Soja, Zölle, Donald Trump, Argentinien, Brasilien, China, USA, Russland