08:37 17 Dezember 2018
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    Euro-Banknote (Archiv)

    Hilft der Euro bei Russlands Trennung vom Dollar?

    © AFP 2018 / ARIS MESSINIS
    Wirtschaft
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    Möglicherweise nutzt die russische Finanzpolitik sogenannte Eurobonds, um sich weiter vom US-amerikanischen Dollar zu lösen. Darauf deuten Informationen aus Finanz- und Bankkreisen hin, die ein Beitrag der russischen Online-Wirtschaftszeitung rueconomics.ru wiedergibt. Das Magazin fragt, ob es sich um eine Strategie Moskaus handelt.

    Erstmals seit fünf Jahren will Russland wieder sogenannte Eurobonds, Schuldverpflichtungen in Euro, emittieren. Nach Informationen der Agentur Bloomberg beläuft sich die anvisierte Rendite der Eurobonds mit Tilgung bis 2025 auf knapp drei Prozent. Einer Quelle aus Bankenkreisen zufolge liegt die Nachfrage der Investoren nach dem sieben Jahre laufenden Eurobonds des russischen Finanzministeriums bei einem Wert von mehr als eine Milliarde Euro. Zudem sehen Experten die Schuldverpflichtungen in Euro als vorteilhaft aus Sicht der Ausgaben.

    Eine Quelle aus Bankenkreisen erklärte dazu: „Bei der Nachfrage sieht alles mehr oder weniger normal aus, der Hauptgrund der guten Nachfrage nach russischen Papieren besteht darin, dass die Frage der Sanktionen in den USA vorerst verschoben wurde. Dennoch sind die Eurobonds von den Sanktionen indirekt betroffen, weil die größten Risiken mit dem Einfrieren der Dollar-Zahlungen verbunden sind. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Europa die USA bei dieser Frage unterstützen und die Zahlungen in Euro blockieren wird.“

    Dasselbe betreffe auch den Zugang zum Zahlungssystem, wenn europäische Transaktionen innerhalb Europas nicht via SWIFT abgewickelt werden. Russische Banken können den Zahlungsverkehr über innereuropäische Zahlungssysteme gewährleisten, wenn sie ausländische Filialen haben. Aus technischer Sicht wäre es also sehr problematisch, die Zahlungen in Euro einzuschränken, zumal die Europäer ohnehin über die Situation um den Iran besorgt sind. Die Isolation eines weiteren großen Handelspartners würden sie nicht unterstützen, so die Quelle.

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    Strategie der Entdollarisierung

    Zuvor hatte der stellvertretende Finanzminister, Wladimir Kolytschew, Auskunft über die Pläne des russischen Finanzministeriums gegeben. In der ersten Etappe müsse im Zahlungsverkehr mit den EU-Partnern vom Dollar zum Euro gewechselt werden, darunter bei Energierohstoffen. Ein solches Herangehen stärke die Position des Euro als Reservewährung. Zudem gewährleiste es sichere Lieferungen im Falle neuer US-Strafmaßnahmen gegen russische Banken bzw. große Rohstoffunternehmen bezüglich der Dollarzahlungen.

    Laut dem Experten Nikolai Troschin könnte es sowohl für europäische als auch für russische Unternehmen interessant sein, den Euro im Zahlungsverkehr zu nutzen. Brüssel sprach bereits früher von der Absicht, die Rolle des Euro im Bereich Kraftstoff- und Energielieferungen zu stärken; Russland würde bei einem Wechsel zum Euro eine liquide Währung bekommen.

    Der der Wirtschaftsexperte Dmitri Golubowski meinte: „Russlands verkaufte die Staatsschulden der USA und gibt nicht so gerne die Dollar-Papiere heraus – das ist ein Teil der Strategie der Entdollarisierung. Da ist nicht unbedingt der Wechsel nur zur russischen Währung notwendig.“

    Es gebe auch nicht so viel ausländische Interessierte, die beim Zahlungsverkehr zum Rubel wechseln würden. Ihnen sei die hohe Schwankung (Volatilität) des Rubels nicht geheuer, weil sie hohe Risiken bedeute. „Der Wechsel von Dollar zum Euro könnte als Entdollarisierung bezeichnet werden, wie auch die Nutzung des Yuan, der immer mehr an Gewicht in der Welt gewinnt.“

    Gerade deswegen emittiere das russische Finanzministerium die sogenannten Eurobonds und erhöhe dadurch die Liquidität in Euro. Diese Prozesse werden zunehmen, meinte Golubowski. Was die Rentabilität von drei Prozent betreffe, sei sie etwas zu hoch, doch das sei quasi ein Diskont, ein Abschlag, für das Risiko.

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    Tags:
    Eurobonds, US-Dollar, Euro, Sanktionen, USA, Russland