08:24 14 Dezember 2018
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    Öl-Zug in den USA (Symbolbild)

    Russland als Profiteur: China stoppt Gas- und Ölimporte aus den USA

    © AP Photo / Elaine Thompson, File
    Wirtschaft
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    Natalja Dembinskaja
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    China hat im Oktober den Öl- und Flüssiggasimport aus den USA auf null reduziert – das zeigen zumindest die Angaben des chinesischen Zollamtes. Zugleich erreichten russische Öllieferungen an China ihren Höchstwert. Wie kam es dazu, dass der weltweit größte Importeur von fossilen Brennstoffen den Amerikanern den Zutritt zu seinem Markt verwehrt?

    Die potentiellen Verluste mit dem Wegfall des chinesischen Marktes belaufen sich für die Amerikaner auf mehrere Milliarden Dollar pro Jahr.

    Wichtiger Markt

    Im vergangenen Jahr importierte Peking rund 3,6 Millionen Tonnen amerikanisches Flüssiggas, wonach die USA nach Australien zum zweitgrößten (4,8 Millionen Tonnen) Lieferanten von Flüssiggas für China wurde, Katar rutschte auf Platz drei ab (2,7 Millionen Tonnen).

    Nach Angaben von Thomson Reuters bescherten die Flüssiggas-Lieferungen nach China im Vorjahr den US-Exporteuren Einnahmen von rund einer Milliarde Dollar pro Monat.

    2018 sank der Export von US-Flüssiggas nach China kontinuierlich. Im August machte er weniger als eine Million Tonnen (in derselben Periode 2017 waren es 2,1 Millionen Tonnen). Dabei baute China den Gasimport im Ganzen um 17 Prozent aus. In Bezug auf Öl importierte Peking im Oktober rekordhohe 9,7 Millionen Barrel pro Tag. Die wichtigsten Öllieferanten waren Russland und Saudi-Arabien. Bei den Flüssiggaslieferanten lag Australien (2,27 Millionen Tonnen im Oktober) vorne, gefolgt von Katar (960.000 Tonnen) und Malaysia (496.000 Tonnen).

    Schlagabtausch um neue Zölle

    Die Einstellung der Gas- und Ölimporte aus den USA im Oktober ist die Folge des Handelskriegs zwischen Washington und Peking. Trotz der gegenseitigen Anhebung der Zölle erhöhten die US-Firmen weiterhin ihre Lieferungen nach China.

    Da man den Zusicherungen der Experten glaubte, dass der Handelskrieg nicht den Energieträgermarkt treffen werde, verschärfte Trumps Administration den Druck auf Peking. Im September verhängte Washington 25-prozentige Zölle auf mehr als 300 Typen chinesischer Waren.

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    Die Chinesen reagierten mit der Erhöhung der Tarife auf die Einfuhr von US-Erzeugnissen. Entgegen den Erwartungen von Washingtoner Analysten rückten auch die Energielieferungen in den Fokus. Die größte Raffinerie Asiens mit dem chinesischen Konzern Sinopec als Betreiber stoppte den Kauf des US-Öls, die Flüssiggaslieferungen aus den USA wurden mit zehnprozentigen Zöllen belegt.

    Der stellvertretende chinesische Minister für Kommerz, Wang Shouwen, warnte damals, dass Washington auf Schwierigkeiten bei den Flüssiggaslieferungen stoßen wird. Nach einem Monat verzichtete China völlig auf US-Flüssiggas.

    Wie geht es weiter?

    US-Analysten und Marktakteure mussten einräumen, dass milliardenschwere Projekte bedroht sind.

    „Die Handlungen Pekings werden dazu führen, dass die US-Firmen große Probleme bekommen werden“, sagte der Chef von LNG Canada, Andy Calitz. Ihm zufolge ging die Konkurrenzfähigkeit des US-Flüssiggases wegen der Importzölle stark zurück.

    Der Verlust des chinesischen Marktes würde ein schwerer Schlag für die US-Produzenten sein, weil China der aussichtsreichste Käufer von Flüssiggas weltweit ist. Allein im vergangenen Jahr stieg der Flüssiggasverbrauch in China um 14,8 Prozent auf 238,6 Milliarden Kubikmeter. 2020 ist ein Anstieg auf 270 Milliarden zu erwarten. 2017 entfielen rund 15 Prozent des US-Flüssiggasexports auf China.

    Zudem ist China nach Kanada der zweitgrößte Verbraucher von US-Öl. So importierte Peking im Mai 427.000 Barrel Öl aus den USA.

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    Den US-Exporteuren würde es sehr schwer fallen, alternative Märkte zu finden. Besonders wenn es um Flüssiggas geht – weder Japan noch Südkorea sind bereit, den Import bedeutend auszubauen.

    Öl aus Russland und dem Iran

    Die US-Ölfirmen müssen nun umdenken. Noch im Mai empfahl Peking den staatlichen Raffinerien, zur Diversifizierung der Lieferungen mehr Öl in den USA zu kaufen. Doch der Handelskrieg hat alles auf den Kopf gestellt. Nach dem Konzern Sinopec, dem rund 40 chinesische Raffinerien und Ölfirmen gehören, stoppten auch PetroChina und Zhenhua Oil sowie unabhängige Ölraffinerien den Erwerb des US-Öls.

    Nach dem Verzicht auf US-Öl will Peking fossile Brennstoffe aus dem Iran beziehen. Die iranischen Öllieferungen nach China gingen im vergangenen Jahr um 64 Prozent auf 1,04 Millionen Tonnen zurück. Doch China gehört zu den Ländern, für die Washington eine Ausnahme machte. Deswegen stieg der Import im November wieder an.

    Allerdings bleibt Russland der größte Öllieferant Chinas. Der Import kletterte innerhalb eines Jahr um 58 Prozent auf 7,347 Millionen Tonnen (1,73 Millionen Barrel pro Tag), was ein historischer Rekord ist.

    Anscheinend gehen die schlimmsten Befürchtungen der westlichen Analysten in Erfüllung. Russland ist bereits der wichtigste Akteur auf dem chinesischen Ölmarkt. Nach dem Verzicht Chinas auf US-Importe werde es noch mehr Öl nach China liefern, berichtet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.

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    Flüssiggas, Stopp, Lieferung, Öl, Sanktionen, Donald Trump, Iran, USA, Russland, China