08:14 14 Dezember 2018
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    Entladung des Schiffs im Hafen des Kaspischen Meeres (Archiv)

    Mitten durch Eurasien: Alternative zum Suezkanal könnte nächstes Jahr starten

    © AFP 2018 / Talant KUSAIN
    Wirtschaft
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    Ein Verkehrskorridor von Süd nach Nord quer durch Eurasien hätte viele Vorteile: Waren aus Asien kämen schneller und günstiger nach Europa, der Suezkanal würde entlastet, und die Länder entlang der neuen Route profitierten von Investitionen, schreibt das Portal „Swesda“. Russland, Indien und der Iran wären die größten Gewinner.

    Die Vision, Asien und Europa über das Kaspische Meer zu verbinden, lebt seit Anfang der 2000er Jahre. „Internationaler Transportkorridor“ (ITK) heißt das Konzept: eine Verkehrsachse vom Indischen Ozean über den Iran und das Kaspische Meer weiter nach Zentralasien oder Russland.

    Im Vergleich zur herkömmlichen Route über den Suezkanal würde der Nord-Süd-Korridor die Lieferzeit von Waren um bis zu 40 Prozent verringern, schreibt das Portal. Bis zu 30 Millionen Tonnen Güter pro Jahr könnten über den ITK transportiert werden.

    Zusammen mit der Neuen Seidenstraße der Chinesen würde der Nord-Süd-Korridor die Handelsbeziehungen zwischen den Ländern der Region noch enger machen. Vorstellbar wäre laut dem Portal sogar die Schaffung einer Verkehrs- und Energieunion im eurasischen Raum.

    Für Russland wäre der Betrieb eines Nord-Süd-Korridors die Gelegenheit, die Verkehrsinfrastruktur in den Südregionen auszubauen. Indien bekäme einen weiteren Handelsweg nach Europa. Und der Iran würde zum größten Transitzentrum in der Region.

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    Das Konzept sieht vor, dass Güter aus der indischen Hafenmetropole Mumbai zunächst auf dem Seeweg in die iranische Hafenstadt Bandar Abbas kommen. Von dort aus geht es mit Bahn oder LKW weiter zum Kaspischen Meer.

    Dort sind dann drei Wege möglich: die Ostküste des Kaspischen Meeres entlang nach Turkmenistan, Usbekistan oder Kasachstan, über die Westküste nach Aserbaidschan, oder mit einer Fähre mitten durch das Binnenmeer. Welchen Weg die Waren auch nehmen, sie kommen alle im russischen Astrachan an der Wolgamündung an. Von dort aus werden die Güter weiter verschickt.

    Offiziell starten könnte der Nord-Süd-Korridor im nächsten Jahr, schreibt das Portal. Einige Abschnitte werden jetzt schon befahren, aber es gibt auch Probleme. Der Iran ist etwa mit dem Bau von Bahnstrecken und Terminals im Verzug.

    Außerdem haben Versuchsfahrten ergeben, dass mehrmaliger Güterumschlag auf die Vorteile der kürzeren Strecke drückt. Deshalb geht es derzeit vorrangig darum, die Verkehrsinfrastruktur auszubauen und die Umschlagplätze technisch weiter zu verbessern.

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    Anfangs, als die Teilnehmerstaaten den Bau des ITK vereinbarten, war geplant, einen Wasserkanal mitten durch den Iran zu ziehen, vom Kaspischen Meer an den Indischen Ozean. Derzeit wird aus Kostengründen der Landweg bevorzugt, doch die Idee einer Wasserstraße ist deshalb nicht vom Tisch.

    Präsident Rohani hat davon gesprochen, bis 2030 einen 700 Kilometer langen Kanal zu eröffnen, der die beiden Gewässer verbinden würde. Iranische Flüsse würden in das Kanalsystem eingebunden. Vor fünf Jahren wurden die Baukosten mit zehn Milliarden Dollar veranschlagt. Es wurde damit gerechnet, die Kosten nach fünfjähriger Betriebszeit wiedereinzufahren.

    Experten begrüßen die Initiative, besonders in Russland. Durch den ITK könnte das Land seine Abhängigkeit von den türkisch kontrollierten Meerengen des Schwarzmeers verringern, sagen Fachleute laut dem Portal.

    Aber noch sind nicht alle Probleme ausgeräumt. Ein Beispiel: Anders als das Mittel- und das Rote Meer, die durch den Suezkanal verbunden sind, liegen das Kaspische Meer und der Ozean auf unterschiedlichen Höhen. Das Kaspische Meer liegt 29 Meter unter dem Meeresspiegel.

    Der Bau eines Kanals durch den Iran würde also sehr komplexe Systeme erfordern. Auch besteht die Gefahr, dass Salzwasser aus dem Indischen Ozean in das Kaspische Meer eindringt und die dortige Flora und Fauna gefährdet.

    Die größten Schwierigkeiten, die mit dem Internationalen Transportkorridor verbunden sind, werden jedoch künstlich geschaffen: Die Vereinigten Staaten befürchten nämlich, ihre Macht und Kontrolle in der Region zu verlieren, sollten Asien und Europa über den Iran und Russland verbunden werden.

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    Tags:
    Internationaler Nord-Süd-Transportkorridor (INSTC), Handel, Hassan Rohani, Europa, Kaspisches Meer, Aserbaidschan, Indien, Iran, Russland