09:58 14 Dezember 2018
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    Ein Blick auf die sächsische Stadt Werdau (Archivbild)

    Flüchtlinge in Sachsen integriert – Kleinstadt zeigt Deutschland den Weg

    CC BY 3.0 / Je-str / Wikimedia Commons
    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Die Stadt Werdau (Sachsen) betreibt seit Jahren ein erfolgreiches Integrations-Netzwerk, um Migranten den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. „Wir wollen ihnen auch eine neue Heimat geben“, sagt Stefan Czarnecki (CDU), Oberbürgermeister von Werdau. Im Sputnik-Interview erklärt er, warum seine Gemeinde gut durch die Flüchtlingskrise 2015 kam.

    Die Stadt Werdau in Sachsen hat den „Unternehmer-Preis 2018“ in der Kategorie „Kommunen“ gewonnen. Diesen Preis für herausragende Leistungen in Ostdeutschland vergibt alljährlich das Magazin „Super Illu“ gemeinsam mit den ostdeutschen Sparkassen.

    „Wir haben den Preis für unser Integrations-Projekt, das Modell Integrations-Netzwerk, erhalten“, sagte Stefan Czarnecki (CDU), Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Werdau in Sachsen, gegenüber Sputnik. „Dieses Netzwerk haben wir in den vergangenen vier, fünf Jahren aufgebaut.“ Es bestehe aus der Kommune Werdau selbst, „die versucht, das Ganze zu koordinieren und zu organisieren“, aber eben auch aus städtischen Vereinen, Verbänden, Kirchengemeinden, Unternehmen und Berufsbildungseinrichtungen. Zum Beispiel engagiere sich das „Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft“ in hohem Maße. Auch viele Ehrenamtliche würden fleißig mithelfen, damit Integration in der 21.000 Einwohner zählenden Stadt gelingen kann.

    „So werden zurzeit 50 Migranten in Firmen (in Werdau, Anm. d. Red.) auf ihr Berufsleben vorbereitet“, schrieb die „Super Illu“ Ende November zur Preisvergabe an die sächsische Kleinstadt. „Heimbetreuer sind gleichzeitig Vermittler und begleiten die Flüchtlinge zu Behörden. Viele Familien haben Patenschaften übernommen.“

    „Unsere Asylbewerberunterkunft liegt mitten in der Stadt“

    „Werdau hat seit Anfang der 90er Jahre eine Asylbewerberunterkunft“, so der Oberbürgermeister. „Diese liegt mitten in der Stadt, einen Kilometer vom Rathaus entfernt. Irgendwann gingen die Zahlen dort nach oben, immer mehr kamen.“ Da entstand in der Gemeinde die Idee, soziale Maßnahmen und Förderprogramme für die dort lebenden Asylbewerber auf die Beine zu stellen. Das sei die Geburtsstunde des Integrations-Projektes in Werdau gewesen.

    „Wir verknüpfen mehrere Themen: Integration, Migration und Nachwuchsgewinnung“, sagte Werdaus Stadtoberhaupt. „Wir versuchen einfach, verschiedene Bedürfnisse zu kanalisieren und unter einen Hut zu bekommen. Wir erkennen, dass viele bereit sind, da auch neue Wege zu gehen.“ Insbesondere in der Berufsausbildung sei der Mangel an Bewerbern mittlerweile so groß, dass die Werdauer Unternehmen über Marketing-Strategien versuchen, junge Leute anzusprechen. Diese Firmen seien auch bereit, Bewerber mit Migrationshintergrund einzustellen.  

    „Wir versuchen in erster Linie, denen zu helfen, die selber ein Interesse daran haben“, erläuterte Czarnecki.  „So umfangreich sind unsere Kapazitäten nicht, dass wir uns um jeden kümmern können. Darum haben wir gesagt: Wir kümmern uns erstmal um die, die wollen.“ Das könne dann einen Domino-Effekt zur Folge haben, der auf andere Migranten positiv überspringen könne.

    Altenpflege in Werdau sucht Azubis aus Vietnam

    Der Netzwerk-Partner „Altenpflege- und Notfallsanitäterschule“ sei aktuell „auf der Suche nach Auszubildenden aus dem asiatischen Bereich, vorzugsweise aus Vietnam“. Um die Betreuung der Azubis im anschließenden Deutsch-Kurs kümmere sich die Rettungsdienstschule in Werdau selbst, die Kommune helfe dann den jungen Auszubildenden bei der Erledigung behördlicher Dienstgänge. „Anmelden, Ummelden, Wohnung: Da versuchen wir einfach, die Vorteile einer kleinen Stadt – nämlich kurze Dienstwege – zu bündeln, dass wir hier möglichst schnell auch Anknüpfungspunkte schaffen. Das heißt, wir tauschen uns aus. Wir benennen Ansprechpartner für die Asylbewerber und so weiter.“

    Der Oberbürgermeister von Werdau nannte ein Beispiel für gelungene Integration aus seinem Ort. „Wir hatten einen studierten Zahnarzt aus dem Nahen Osten dabei gehabt. Ein sehr junger Mann, Ende 20. Der war in der Lage, die deutsche Sprache schnell zu erlernen. Drei Monate später hat er bereits für den Landkreis schon die Dolmetscher-Arbeiten bei der Ankunft neuer Flüchtlinge mit übernommen. Das hilft ihm bis heute.“ Besonderer Beliebtheit erfreue sich auch die Fahrrad-Werkstatt in der Stadt, in der täglich Migranten „von 8 Uhr bis zum Mittag“ defekte Fahrräder reparieren und wieder flott machen.

    „Werdau kam mit Flüchtlingskrise 2015 gut zurecht“

    Er erinnerte an die Flüchtlings- und Asylkrise 2015. Die Kommune sei damals gut gewappnet gewesen, eben weil das Integrations-Netzwerk in jener Zeit bereits aktiv war. „Mit der Situation konnten wir dank des Netzwerkes auch sehr gut umgehen. Wir hatten damals Asylbewerber mit einem guten Bildungsstand über unsere Vereine recht frühzeitig in die weitere Integration mit eingebunden.“ Das sei sehr erfolgreich verlaufen.

    Das Integrations-Projekt scheine in Ostdeutschland „ziemlich einmalig“ zu sein. „Sicherlich hat es eine Kleinstadt mit kurzen Wegen etwas leichter“, betonte Czarnecki. Aber eine Sache sei auch in den Großstädten machbar: „Man muss halt miteinander reden. Das ist ganz wichtig. Denn Integration kann nur in den Städten und Gemeinden passieren.“ So könne Werdaus Weg sicherlich auch andere Integrations-Projekte im Bundesgebiet inspirieren. 

    Für die Kleinstadt in Sachsen hatte die Flüchtlingskrise positive Folgen nach sich gezogen. Damals wurden von staatlicher Seite „Förderprogramme aufgelegt“. Seitdem gebe es mehr finanzielle Mittel für Integration und Migration in der Großen Kreisstadt Werdau an der Pleiße im Landkreis Zwickau.

    Das komplette Radio-Interview mit Stefan Czarnecki (CDU), Werdaus Bürgermeister, zum Nachhören:

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    Tags:
    Neue Bundesländer, Flüchtlinge, Leistung, Erfolg, Integration, CDU, Ostdeutschland, Sachsen, Deutschland