23:11 19 April 2019
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    Öltanks in Omsk, Russland (Symbolbild)

    Russland senkt Ölproduktion schrittweise

    © Sputnik / Alexej Malgawko
    Wirtschaft
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    Armin Siebert
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    Russland wird seine Ölproduktion drosseln, allerdings nur schrittweise. Der Beschluss der OPEC-Staaten, weniger Öl auf den Markt zu werfen, hat bereits den Ölpreis erhöht und dem Rubel geholfen. Die USA sind not amused.

    Russlands Energieminister Alexander Nowak hat am Mittwoch angekündigt, dass der gemeinsame Beschluss der OPEC-Staaten ihre Ölproduktion zu drosseln, nun von Russland schrittweise umgesetzt werde. Die 15 Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hatten sich vergangene Woche mit Russland geeinigt, die Ölproduktion ab 2019 um 1,2 Millionen Barrel pro Tag zu kürzen. Die OPEC-Staaten sollen ihre tägliche Fördermenge um 800.000 Barrel verringern, die anderen Teilnehmer der Vereinbarung werden ihre Produktion um 400.000 Barrel pro Tag kürzen. Der Löwenanteil davon wird von Russland übernommen. Das Abkommen soll erst einmal für sechs Monate gelten. Danach würde über eine Verlängerung entschieden werden, teilte die OPEC mit.

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    Nach dem Beschluss zur Drosselung der Ölförderung vergangene Woche, kletterte der Preis für die wichtigste Ölsorte Brent um rund fünf Prozent nach oben (63 USD). Auch der Rubel legte nach der Einigung zu. Der Ölpreis war zuvor innerhalb von nur zwei Monaten um rund dreißig Prozent gefallen.

    Druck der USA verpufft

    Die USA haben sich an der OPEC-Abmachung nicht beteiligt. Im Gegenteil – US-Präsident Donald Trump hatte in Tweets Druck auf das OPEC-Schwergewicht Saudi-Arabien ausgeübt, die Öl-Produktion zu erhöhen. Hintergrund ist der steile Aufstieg der USA in den letzten Jahren zum größten Erdölproduzenten der Welt. 2018 haben die USA erstmals Saudi-Arabien und Russland bei der weltweiten Ölproduktion überholt. Zu verdanken ist dies dem umweltschädlichen Fracking-Verfahren, bei dem hydraulisch Öl aus größten Tiefen aus dem Erdreich gepresst wird. Die OPEC-Staaten hatten darauf ursprünglich mit einer Anhebung der eigenen Produktion reagiert, um durch die Masse des Öls auf dem Markt, den Preis zu drücken und Konkurrenten, vor allem aus den USA, zu verdrängen. Gleichzeitig überschwemmten aber auch die USA mit ihrem ersten Fracking-Öl den Markt. Das führte ab 2014 zu einem dramatischen Ölpreisverfall, der erst bei rund 30 Dollar pro Fass Rohöl gestoppt wurde. Verloren hatten am Ende alle durch den niedrigen Ölpreis, aber am härtesten traf es die US-amerikanischen Fracker, die einen Ölpreis von 50 bis 70 Dollar brauchen, um Gewinn zu machen. Viele kleinere US-Fracking-Firmen konnten dem Preisdruck nicht standhalten.

    Saudi-Arabien mit Russland gegen die USA?

    Ende 2016 verbündete sich Russland mit der OPEC und beschloss erstmals gemeinsam, die Förderung zu senken. Prompt stiegen auch die Ölpreise wieder auf bis zu 85 Dollar pro Fass Anfang Oktober 2018. Dann erhöhte Präsident Trump den Druck auf Saudi-Arabien auch im Zusammenhang mit den Beweisen, die der CIA im Falle der Ermordung des saudischen Journalisten Kashoggi vorliegen. Riad gab nach und erhöhte die Fördermengen, was im November 2018 zum dramatischen Absturz des Ölpreises führte. Dieser dürfte selbst Trump inzwischen zu weit gegangen sein, so dass er den Beschluss der OPEC von vergangener Woche für seine Verhältnisse relativ moderat kritisierte.

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    Es wird sich zeigen, wie der Markt nun auf die erneute Förderkürzung der OPEC plus Russland reagieren wird. In jedem Fall ist immer noch zu viel Öl auf dem Markt und die USA müssen erst noch beweisen, ob sie mit ihrer neuen Schiefermacht auch wirklich langfristig das komplizierte Öl-Spiel beherrschen, dass Russland und die Golfstaaten seit Jahrzehnten austarieren.

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    Tags:
    Preis, Ölförderung, Abmachung, OPEC, Donald Trump, Russland, USA