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20:24 17 Juli 2019
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    VW-Fabrik in Kaluga, Russland (Archivbild)

    Sanktionen gegen Russland gehören zu Risikofaktoren für die deutschen Unternehmen

    © Sputnik / Michail Fomitschew
    Wirtschaft
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    Natalia Pawlowa
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    Die Sorge um 2019 hindert die deutschen Unternehmen nicht daran, mit ihrem Engagement in Russland zufrieden zu sein, ihr Geschäft weiter auszubauen sowie weiter zu investieren. Zu den großen Risikofaktoren gehören neben dem volatilen Wechselkurs des Rubels die US-und EU-Sanktionen gegen Russland.

    In Moskau wurden die Ergebnisse der Geschäftsklima-Umfrage des Ost-Ausschuss – Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft (OAOEV) und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) vorgestellt.

    „Die Verunsicherung durch eine mögliche neue Zuspitzung der politischen Konflikte und weitere Sanktionsrunden der USA ist mit Händen zu greifen“, kommentierte Michael Harms, Vorsitzender der OAOEV-Geschäftsführung, die Ergebnisse. „Das Potenzial der russischen Wirtschaft bleibt aber ungeheuer groß. Sollte sich der Konflikt mit dem Westen endlich lösen und der Aufbau eines Mittelstands vorankommen, würde Russlands Wirtschaft schnell einen echten Aufschwung erleben.“

    Die Befragten wünschen sich erneut (95 Prozent) einen Abbau der EU-Sanktionen. Über die Hälfte der Befragten sieht sich inzwischen direkt oder indirekt von den US-Sanktionen betroffen, nur ein Drittel spürt bislang keine Auswirkungen. Was die EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland betrifft, wünschen sich 52 Prozent der befragten Unternehmen einen schrittweisen Abbau der Sanktionen, 43 Prozent treten für ihre sofortige Abschaffung ein. Diese Zahlen sind seit einigen Jahren relativ konstant.

    In Beantwortung einer Journalistenfrage, warum ausgerechnet die Krim an erster Stelle der Probleme stehe, die die Sanktionen bereiten würden, konterte Harms:

    „Es geht um einen bürokratischen Aufwand. Die sogenannte STN-Liste zu Russland umfasst mittlerweile 140 Seiten, davon spielt die Krim eine Rolle. Wir kriegen öfter Anfragen bei im Prinzip völlig unbedenklichen Aktivitäten auf der Krim, sie sind nicht alle sanktioniert, sondern bestimmte Branchen, bestimmte Personen, bestimmte Firmen. Aber trotzdem ist diese Bewusstsein der Complains so hoch, dass es als Hemmnis wahrgenommen wird.“

    Doch sind die deutschen Unternehmen insgesamt zufrieden mit ihrem Geschäft in Russland. 87 Prozent der Unternehmen bewerten ihre gegenwärtige Lage in Russland mit befriedigend bis sehr gut. Deutlich mehr als die Hälfte der Befragten konnten ihren Jahresumsatz 2018 ausbauen. „Sie sind gerne im Land und wollen hier weiter investieren“, so Mathias Schepp, Vorstandsvorsitzender der AHK Russland.

    Schepp nannte einige Gründe für den Verbleib der Unternehmen in Russland, obwohl ihre Geschäftserwartungen für 2019 im Vergleich zum Vorjahr deutlich eingetrübt waren.

    „Im Vergleich zu anderen BRICS-Ländern ist die Qualifikation russischer Arbeitnehmer sehr hoch. Offenkundig sind dieser legendäre russische Erfinder- und Ingenieurgeist kombiniert mit dem deutschen Organisationstalent für viele Unternehmen hier eine gute Mischung. Produkte werden erfolgreich in Drittländer exportiert, in asiatische Märkte, auch nach Deutschland und Europa. Von Volkswagen geht jedes vierte Auto aus Russland in den Export. Viele deutsche Autos fahren mit Zündkerzen „made in Russia“ von Bosch. Ein Punkt für eine hohe Investition ist die Verbesserung von Rahmenbedingungen in Russland trotz der politischen Eiszeit.“ 

    Während die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen etwas zurückgegangen ist, ist die Investitionsbereitschaft ungebrochen. Die in den kommenden zwölf Monaten geplanten Unternehmensinvestitionen belaufen sich zusammen auf über 628 Millionen Euro, deutlich mehr als im Vorjahr.

    „Russland hat ein gigantisches Potenzial, das wissen die Firmen. Für viele Unternehmen gehört Russland zu den Top-5 oder Top-10 weltweit, deshalb bleiben sie hier und investieren“, fuhr Harms fort.

    In der EU wird inzwischen über den Aufbau eines Dollar-unabhängigen Zahlungssystems diskutiert. Zwei Drittel der befragten Unternehmen stehen der Idee auch für den Handel mit Russland positiv gegenüber. „Wenn wir vermeiden wollen, dass die USA Kontrolle über den EU-Außenhandel ausüben, müssen wir stärker in diese Richtung denken“, so Harms.

    Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland stagnieren nach Ansicht von 54 Prozent der Befragten. Unter solchen Bedingungen ist der direkte Kontakt zwischen Deutschen und Russen erforderlich. 59 Prozent der Unternehmen sind für eine gleichzeitige Einführung von Visafreiheit zwischen Deutschland und Russland.

    Neben der Visa-Freiheit gehöre eine engere Zusammenarbeit der EU mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) zu den wichtigsten Forderungen. Für mehr als die Hälfte der Befragten hat die EAWU große oder wachsende Bedeutung.

    An der Umfrage haben sich 168 deutsche Unternehmen beteiligt, die in Russland fast 142.000 Mitarbeiter beschäftigen und dort knapp 23 Milliarden Euro umsetzen. Die Ergebnisse wurden am 18. Dezember 2018 vorgestellt.

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    Tags:
    Wirtschaft, Visafreiheit, Investitionen, Sanktionen, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), AHK, Russland, Deutschland