11:10 09 Dezember 2019
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    Messestand mit Exemplaren von Kalaschnikow-Schusswaffen beim militärtechnischen Forum Army-2018 (Archivbild)

    Wer kauft Wehrtechnik aus Russland statt Waffen aus den USA?

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Wirtschaft
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    Aufträge im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar sind in diesem Jahr bei den russischen Rüstungsexporteuren eingegangen. Immer mehr Länder wollen Rüstungstechnik aus Russland beschaffen – trotz Druck und Sanktionen der USA. Die wichtigsten russischen Rüstungsverträge im Überblick.

    Was die russischen Waffenschmieden können, wird auf Fachmessen, bei Militärmanövern und in echten Einsätzen deutlich. Ob Kampfjets, Panzer oder Hubschrauber, Flugabwehrsysteme oder Munition – der russische Rüstungsexportkonzern Rosoboronexport hat ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich.

    Der größte Käufer russischer Wehrtechnik ist in diesem Jahr eindeutig Indien. Allein der Auftrag, den Moskau und Neu-Delhi im Oktober geschlossen haben, beläuft sich auf fünf Milliarden Dollar: Russland liefert Flugabwehrsysteme S-400 an seine indischen Partner – im Umfang von fünf Verbänden von der Größe je eines Regiments.

    Es sei der größte Deal in der ganzen Geschichte von Rosoboronexport, heißt es. Besonders wichtig ist der Umstand, dass die Lieferung der Flugabwehrsysteme in russischer Währung abgerechnet wird. Gut möglich, dass das auch bei anderen Rüstungsverträgen zwischen Russland und Indien so sein wird.

    Das zweite große Geschäft, dass die beiden Länder in diesem Jahr vereinbart haben, ist die Lieferung von insgesamt vier Fregatten der Admiral-Grigorowitsch-Klasse an die indische Marine. Geliefert wird im 2+2-Modus – heißt: zwei Schiffe jetzt, zwei Schiffe später. Die ersten beiden Fregatten – Wert: 950 Mio. Dollar – sind schon so gut wie fertig.

    Ein gutes Stück russisch-indischer Zusammenarbeit ist übrigens auch die Hauptwaffe der neuen Fregatten: Die BrahMos-Rakete – ein Überschallflugkörper zum Bekämpfen von Seezielen aus einer Distanz von bis zu 300 Kilometern.

    Außerdem: Mitte Mai dieses Jahres hat das indische Verteidigungsministerium den russischen Hubschrauberkonzern Russian Helicopters aufgefordert, ein Angebot über die Lieferung von 200 Mehrzweckhubschraubern Ka-226T abzugeben. Nicht auszuschließen, dass die Hubschrauber dann in einer Gemeinschaftsfertigung gebaut werden.

    Zuvor, im Januar dieses Jahres, hatte die indische Verteidigungsministerin die Beschaffung von 240 russischen Bomben für die Luftwaffe des Landes genehmigt. Auftragswert: 200 Millionen Dollar. Und im September dieses Jahres hat das indische Militär erstmals russische Panzermunition getestet. Die 125-mm-Geschosse wurden in Lizenz hergestellt. Die Erprobung war erfolgreich.

    Damit nicht genug: In wichtige Rüstungsverträge zwischen Russland und Indien kommt Bewegung. Wie die russische Fachpresse berichtet, geht es um die Lieferung von 220.000 Kalaschnikow-MGs und 48 Mehrzweckhubschraubern Mi-17 an das indische Militär. Nächstes Jahr sollen diese Deals festgemacht werden.

    Was Indien in diesem Jahr mit Russland aber auch noch vereinbart hat, ist der Kauf tragbarer Flugabwehrwaffen vom Typ Igla. Der konkrete Preis wird nicht genannt, Experten gehen jedoch von rund 1,5 Mrd. Dollar aus.

    Durchbruch in Asien

    Seit 60 Jahren arbeiten Russland und Indonesien im Rüstungsbereich zusammen. In der Zeit wurden mehrere Verträge geschlossen, die es in sich haben: 1992 etwa lieferten russische Hersteller Flugzeuge, Hubschrauber, Panzertechnik und Schusswaffen für zwei Mrd. Dollar an das südostasiatische Land.

    In diesem Jahr haben die beiden Länder noch eine Durchbruchsvereinbarung erzielt: Elf hochmoderne russische Kampfjets Su-35 liefert Moskau an Jakarta für 1,1 Mrd. Dollar. Allerdings könnte es Verzögerungen bei der Auslieferung geben, berichten Medien. Wegen des Deals haben die USA Indonesien Sanktionen angedroht.

    Auch russische U-Boote der Warschawjanka-Klasse wollte Indonesien wohl beschaffen, die indonesische Führung hatte die Absicht mehrmals erklärt. Was aus den Absichtserklärungen wird, ist angesichts der gegenwärtigen geopolitischen Lage jedoch unklar.

    Ein Erfolg der russischen Rüstungsexporteure ist aber im November dieses Jahres vermeldet worden:  Myanmar kauft sechs zweisitzige Kampfjets Su-30SM.

    Laut dem russischen Verteidigungsministerium kann diese Vereinbarung einen größeren Auftrag nach sich ziehen, weil die Su-30 zum wichtigsten Waffensystem der Luftwaffe dieses Landes werden sollen. Außerdem: Myanmar erhält ab diesem Jahr sechs Übungsjets Jak-130, die zuvor bestellt worden waren.

    Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat am Montag in Moskau seinen griechischen Amtskollegen Panos Kammenos getroffen
    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands

    Über große Käufe von Panzertechnik war 2018 nicht viel zu hören – außer vielleicht dieser Infos: Von den 64 Kampfpanzern T-90S, die Vietnam in Russland bestellt hatte, wurde ein Großteil bereits ausgeliefert. Laos erhielt 2018 mehrere Dutzend T-72B1-Panzer.

    Und: In diesem Jahr ist mit der Auslieferung von 500 Kampfpanzern T-90S und Schützenpanzern BMP-3 an den Irak begonnen worden – ein Großauftrag aus dem Jahr 2016.

    Flugabwehr wird zum Streitpunkt

    Russland exportiert nicht nur neue Rüstungstechnik, russische Firmen bieten ihren Kunden auch After-Sales-Support für Systeme, die schon im Einsatz sind. Russian Helicopters etwa eröffnet bis Ende dieses Jahres Servicezentren in Brasilien und Peru für die Hubschrauber Mi-17 und Mi-35.

    Russland und Griechenland haben Ende April vereinbart, die Dienstzeit griechischer Flugabwehrsysteme zu verlängern. Es handelt sich offenbar um die Abwehrsysteme S-300 PMU1, Tor-M1 und Ossa. Griechenland ist das bisher einzige Nato-Land, welches russische Flugabwehrsysteme nutzt.

    Und die Türkei? Der Verkauf russischer S-400-Systeme an dieses Nato-Land ist ein Geschäft, das auch im kommenden Jahr mit Spannung verfolgt werden wird.

    Vor einem Jahr haben Russland und die Türkei eine Vereinbarung über die Finanzierung dieser Flugabwehrsysteme geschlossen. Vier Divisionen dieser Systeme sollen für 2,5 Mrd. Dollar geliefert werden.

    Insbesondere Washington hat das sehr beunruhigt. Die US-Führung kritisiert die türkische Regierung und droht, der Türkei keine F-35-Kampfjets zu liefern, sollte dieses Geschäft mit Russland zustande kommen.

    Letzten Mittwoch hat das Pentagon erklärt, das US-Außenministerium habe den Verkauf von Patriot-Flugabwehrsystemen an die Türkei genehmigt. Kostenpunkt: 3,5 Mrd. Dollar. Ob die Türkei sich auf dieses Angebot einlässt oder sich doch am eigenen nationalen Interesse orientiert, wird sich im kommenden Jahr zeigen.

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    Tags:
    Waffenverkauf, Waffenlieferungen, Waffenhandel, T-72-Panzer, F-35, Kampfpanzer T-90, S-400, KA-226T, Mi-35, Mi-8, Mi-17, Anti-Schiffsrakete BrahMos, NATO, Lockheed Martin, Wertoljoty Rossii, Russian Helicopters, Rosoboronexport, Wladimir Putin, Narendra Modi, Recep Tayyip Erdogan, Moskau, Asien, Lateinamerika, Peru, Indonesien, Brasilien, Ankara, Neu-Delhi, Türkei, Indien, USA, Russland