07:21 22 Januar 2019
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    Gaspipeline in der Ukraine (Symbolbild)

    Handeln wir oder kämpfen wir? Energieexperte empört über Kiews Gaspipeline-Vorwürfe

    © Sputnik / Alexandr Mazurkewitsch
    Wirtschaft
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    Die Verantwortung für den Transit von russischem Gas durch die Ukraine liegt laut dem ukrainischen Energieexperten Walentin Semljanski nicht bei Moskau, sondern bei Kiew, genauso wie die Zukunft des Transits.

    Semljanski äußerte sich zu dem Thema im Fernsehsender NewsOne wobei er unter anderem auf die starken wirtschaftlichen Verbindungen zwischen den beiden Ländern verwies.

    „Die Route der russischen Gaslieferungen nach Europa sei eine Gewinn- und Geldfrage, aber aus irgendeinem Grund werde sie von der Ukraine politisiert“, sagte Semljanski. Gas sei ein Produkt wie jedes andere, und der Käufer wähle immer die günstigere Logistikoption. Diese Regel gelte also auch für Nord Stream 2, schon gar nicht zu reden davon, dass die Lieferungen über Nord Stream alleine schon 30 Prozent günstiger seien, als die durch die Ukraine, so Experte.

    Trotzdem unternehme die Ukraine außer politischen Äußerungen nichts, um den Gastransit und die Einnahmen aufrechtzuerhalten, und die Zeit bis zum Vertragsende sei knapp. „Macht das billiger, attraktiver, zuverlässiger, versichert, dass politische Konflikte den Transit durch die Ukraine nicht beeinträchtigen werden“, rief Semljanski Kiew auf. „Denn wir müssen beweisen, dass wir versuchen, den Transit zu bewahren“, beharrte er.

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    Der ukrainische Moderator fragte den Experten, warum die Ukraine dies beweisen solle, da Russland gerade „Angreifer“ und für die Eskalierung verantwortlich sei. Semljanski fragte zurück, wer solle denn die ukrainischen Probleme lösen, wenn nicht die Ukraine selbst, und verwies darauf, dass die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen den beiden Ländern trotz der Aggressor-Schablone stark seien.

    „Schon seit vier Jahren stelle ich dieselbe Frage: Handeln wir oder kämpfen wir? Ihr habt doch am 21. Dezember in der Werchowna Rada eine Resolution registriert, laut der der ukrainische Präsident Russland den Krieg erklären soll. Von welchem Transit ist dann die Rede? Von welchen europäischen Investitionen?“, schloss Semljanski, indem er auf die provokative Initiative eines Rada-Abgeordneten vom 21. Dezember hinwies.

    Vor kurzem verwies der Chef des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, Wolfgang Büchele, in einem Spiegel-Interview auch darauf, was im ganzen Gas-Thema kaum diskutiert wird. „Wer wird eigentlich das marode ukrainische Pipelinesystem sanieren? Das Netz ist fast 40 Jahre alt und störanfällig“, betonte Büchele. Der Bedarf an Gas sei aber so hoch, dass die EU auch den Transit durch die Ukraine weiter brauchen werde. Moskau habe das inzwischen zugestanden, so Büchele.

    Im November 2015 hat die Ukraine aufgehört, Gas aus Russland zu kaufen. Danach wurde kein Brennstoff direkt aus Russland in Vorbereitung auf die Heizungssaison verwendet, sondern das durch Europa gekaufte Gas wurde in umgekehrter Richtung in die Speicheranlagen der Ukraine gepumpt. Die bestehenden Verträge über die Lieferung und Durchleitung von russischem Gas durch die Ukraine laufen Ende 2019 aus.

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    Derzeit wird von dem russischen Unternehmen Gazprom samt europäischen Partnern das Projekt Nord Stream 2 durchgeführt, bei dem zwei Gasleitungen mit einer Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr von der Ostseeküste Russlands bis nach Deutschland gebaut werden. Die Ukraine spricht konsequent gegen das Projekt. Die russische Seite hat wiederholt bestätigt, dass die Nord Stream 2 ein völlig wirtschaftliches Projekt sei, mit dessen Bau die Unternehmen nicht beabsichtigen würden, den Transit durch die Ukraine zu stoppen.

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    Pipeline-Projekt Nord Stream 2, Nord Stream 2, Gaslieferungen, Gaspipeline, Gas, Investitionen, Nord Stream 2, Ostausschuss der deutschen Wirtschaft, TV-Sender NewsOne, Naftogas, Gazprom, Wolfgang Büchele, Russland, Ukraine