05:45 20 Januar 2019
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    Der stellvertretende IWF-Chef David Lipton

    Neue Große Depression? Star-Investor und IWF warnen vor sich anbahnender Katastrophe

    © AFP 2018 / SAUL LOEB
    Wirtschaft
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    Der stellvertretende IWF-Chef David Lipton hat auf der Jahreskonferenz der American Economic Association davor gewarnt, dass die Welt, sollte die Konjunktur einbrechen, nicht gut vorbereitet ist.

    Der IWF ist nach wie vor eine der wichtigsten Hochburgen des globalen Finanzsystems, seine Experten und Leiter sind so etwas wie Hohepriester des wirtschaftlichen Kultes des Washingtoner Konsensus. Desto unglaubwürdiger erscheint es, dass sie in der Lage sind, das bestehende globale Finanzsystem zu kritisieren oder negative Prognosen für die westliche oder speziell für die amerikanische Wirtschaft zu verbreiten.

    Nichtsdestotrotz: „Eine neue Rezession steckt irgendwo hinter dem Horizont, doch wir sind dafür nicht ausreichend und weniger als während der letzten Krise 2008 gerüstet“, zitiert die Zeitschrift „Financial Times“ den stellvertretenden IWF-Chef.

    Darüber hinaus macht ihm Sorgen, dass die Länder unter diesen Bedingungen darauf aufpassen müssten, ihre Wirtschaften stabil zu halten, wobei Reserven für schlechte Zeiten angelegt werden sollten, statt sich gegenseitig zu bekämpfen.

    Die britische Zeitschrift „The Guardian“ führte ein weiteres Zitat Liptons an: „Wie wir bereits sagten, muss das Dach repariert werden, solange die Sonne scheint. Doch wie viele von Ihnen auch, sehe ich Gewitterwolken aufziehen und fürchte, dass die Arbeiten an der Verhinderung der Krise nicht abgeschlossen sind. Wir sollten uns Sorgen um die Möglichkeiten der Geldpolitik machen.“

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    Der hochrangige IWF-Vertreter geht davon aus, dass viele aus seinem Kreis bereits wissen, dass die Welt nicht ausreichend gewappnet ist gegen die nächste Krise und bereits Gewitterwolken aufziehen. Seine Aussage über die „Möglichkeiten der Geldpolitik“ kann so gedeutet werden: Das letzte Mal haben wir die USA vor der Krise durch massives Gelddrucken und fast zinslose Kredite für die US-Behörden und US-Wirtschaft gerettet. Dieses Mal habe man aber große Zweifel daran, dass dieser Trick funktioniert. Lipton hob hervor, dass Schuldenberge zahlreiche Länder daran hindern, Haushaltsmaßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft zu ergreifen.

    Dieselbe These, jedoch in einer deutlich schärferen Form, wurde vom Chef des Investmentfonds Double Line Capital, Jeffrey Gundlach, bekannt als „der Anleihen-König“, formuliert. Gundlach beschrieb die US-Staatsschulden auf folgende Weise: „Das Verhältnis zwischen Staatsschulden und dem US-BIP ist eine absolut schreckliche Situation.“ Als Illustration seiner Einschätzung zeigte er die Kurve des Wachstums der US-Staatsschulden gegenüber dem BIP und stellte die rhetorische Frage: „Wachsen wir überhaupt, oder basiert das alles auf Schulden?“

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    Amerikanische Top-Experten weisen also darauf hin, dass der jetzige Zustand der amerikanischen und globalen Wirtschaft eine „Katastrophe“ ist, die jederzeit ausbrechen kann. Sie sind viel pessimistischer gestimmt als weltweit viele entzückte Anhänger der „unsinkbaren US-Wirtschaft“. Das amerikanische Thinktank Council of Foreign Relations veröffentlichte einen Sonderbericht über den Zustand der US-Staatsschulden, in dem es heißt: „Es wächst das Risiko, dass die Kreditgeber Washingtons, von denen viele ausländische sind (Anspielung auf China – Anm. d. Red.) plötzlich den Glauben verlieren, mehr Rendite fordern und eine Haushaltskrise provozieren können.“

    Der Chef des Council of Foreign Relations, Richard Haass, prognostizierte, dass die wachsenden Staatsschulden den Tod des US-Dollar als globale Währung beschleunigen würden. Das werde wegen des sinkenden Vertrauens in die US-Finanzpolitik sowie der damit verbundenen Befürchtungen geschehen, dass die Maßnahmen der USA, die zur Finanzierung der Staatsschulden unternommen werden müssen, jenen widersprechen könnten, die die USA zur Steuerung der amerikanischen und indirekt der Weltwirtschaft ergreifen sollten, so Haass.

    Das klingt schon sehr nach Panik. Zumal sich in letzter Zeit bereits Vertreter verschiedener Finanzstrukturen – von Milliardär Ray Dalio bis zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – ähnlich zu den US-Staatsschulden und fehlender Krisenvorsorge geäußert hatten.

    Es bestehen begründete Zweifel daran, dass sie einen konkreten Zeitpunkt des Ausbruchs einer neuen Krise prognostizieren können, doch sie halten dies für unvermeidlich. Viele Akteure des Finanzmarktes bzw. Finanzbeamte sehen sich als einsame Rufer in der Wüste. Es wäre merkwürdig, an eine positive Zukunft der westlichen (auch der globalen) Wirtschaft zu glauben, wenn bereits jene nicht daran glauben, die das eigentlich tun sollten. Jedes Mal, wenn ein weiterer US-Politiker der Weltgemeinschaft droht, sollte man sich daran erinnern, dass es sich womöglich um einen Auftritt auf der „Titanic“ handelt, die einem „Finanz-Eisberg” entgegensteuert.

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    Tags:
    Wirtschaftskrise, Rezession, Risiko, Staatsschulden, Financial Times, IWF, USA