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    Vom Importeur zum Exporteur moderner Lebensmittel – Russland auf der Grünen Woche

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    Andreas Peter
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    © Sputnik .

    In Berlin hat die Grüne Woche begonnen, die wichtigste Messe der Nahrungsmittelindustrie. Russland war 2006 offizielles Partnerland, 2015 sogar größter ausländischer Aussteller. Dann pausierte Russland wegen der angespannten Beziehungen zu Deutschland. Seit 2017 aber ist die russische Nahrungsmittelindustrie wieder dabei. So auch in diesem Jahr.

    Wenn man das Gewusel in der Messehalle 2 betrachtet, dann deutet nichts auf die eher unterkühlte Atmosphäre hin, die momentan zwischen Russland und Deutschland existiert. An alte Zeiten, wie 2015, als Russland der größte ausländische Aussteller war, ist noch nicht zu denken, aber die russischen Firmen und Regionen auf der Grünen Woche gucken sowieso lieber nach vorne als nach hinten.

    Sergej Anisimov, Generaldirektor, Molkereibetrieb “Stavropolskiy”:

    „Wir verarbeiten bis zu 500 Tonnen Milch am Tag. Wir produzieren rund 400 verschiedene Marken, die auch für den Export geeignet sind. Aktuell exportieren wir Quark und Eis nach Israel und bereiten den Export in die Vereinigten Arabischen Emirate vor. Hier in Berlin haben wir auch ein neues Produkt, was in Russland noch nicht auf dem Markt ist. Das Besondere ist, es wird mit Hilfe von deutschen Firmen wie Siemens und Kieselmann hergestellt. Milchzucker, aus Milch, die wir früher im Umfang von 18tausend Tonnen importieren mussten. Unser Ziel ist ja, dass wir selbst produzieren, was wir früher importiert haben. Abgesehen von der Produktion für das eigene Land haben wir auch den Export im Blick.“

    Der stellvertretende Gouverneur der Region Stawropol, die östlich von Krasnodar, zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer liegt, hat seine Unternehmer nach Berlin begleitet.

    Nikolai Weligdan, Vize-Gouverneur der Region Stawropol:

    „Wissen Sie, auf jeden Fall wollen und werden wir in erster Linie unsere bestehenden Kontakte pflegen und natürlich auch neue knüpfen, vor allem Kontakte, die einer guten und effizienten Zusammenarbeit dienen, im Bereich landwirtschaftliche Produktion. Natürlich sind wir auch hier, um unsere Region vorzustellen, das erwarten wir uns von der Messe.“

    Der Andrang an den Ständen der russischen Aussteller ist beachtlich. Das Angebot von Kostproben wird gern und ausgiebig angenommen. Und der eine oder andere staunt nicht schlecht, welchen technologischen Stand und welche Qualität die russische Nahrungsmittelproduktion hat. Dass die russische Lebensmittelindustrie in vielen Bereichen keinen Vergleich mit westlichen Konkurrenten zu scheuen braucht, ist auch der Verdienst von Stefan Dürr. Der 55-jährige Baden-Württemberger lebt und arbeitet seit Jahren in Russland, hat sich mit seiner Firma „Ekosem Agrar“ zum wahrscheinlich wichtigsten russischen Rohmilchlieferanten entwickelt und gilt als Berater von Präsident Putin in Landwirtschaftsfragen. Dürr schert sich nicht um Etiketten, die ihm angeklebt werden. Ihm sind andere Dinge wichtiger.

    Stefan Dürr, Vorstandsvorsitzender Ekosem-Agrar:

    „Uns ist es wichtig, dass die deutsch-russische Zusammenarbeit wieder zustande kommt. Es hört sich blöd an, aber, dass ist eine Freundschaft, die deutsch-russische, dass die auch wieder ein bisschen besser wird. Weil, gerade für jemanden wie mich, der in Deutschland aufgewachsen ist, jetzt mehr als die Hälfte seines Lebens in Russland lebt, ist es schon irgendwie blöd, wenn die zwei Länder sich so uneinig sind, obwohl man sich einig sein könnte. Es ist immer ein bisschen so wie ein Scheidungskind. Papa, Mama streiten sich und man weiß gar nicht worum es eigentlich geht. Deshalb also, gerade diese Kontakte, die hier sind, das ist mir schon ganz wichtig.“

    Kontaktpflege ist auch das Hauptaugenmerkt von Elena Dybowa, Vizepräsidentin der Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation.

    >>>Russlands Weizen-Rekorde: „Wir konkurrieren an absolut allen Märkten“<<<

    Elena Dybowa, Vize-Präsidentin der Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation:

    „Wir sind mit klaren Erwartungen gekommen, dass wir Kontakte ausbauen und neue Projekte aufbauen können. Deshalb haben wir auch die Unternehmen mitgebracht, die etwas zu bieten haben und die offen sind für Internationalisierung.“

    Die Grüne Woche ist traditionell keine Messe, die für Geschäftsabschlüsse gedacht ist, sondern tatsächlich eine Leistungsschau. Auch Stefan Dürr sieht die russische Teilnahme an der Grünen Woche deshalb eher als Kür denn als Pflichtprogramm an.

    Stefan Dürr, Vorstandsvorsitzender Ekosem-Agrar:

    „Also, Deutschland wird sicher nicht der Exportmarkt sein. Aber die Lebensmittelindustrie in Russland hat sich ja extrem gut entwickelt, und die Exportmärkte sind natürlich eher Richtung Osten, also China, Indonesien oder auch die arabischen Länder. Da tut sich auch ganz viel im Moment, da gibt es riesige Unterstützung. Also wir exportieren auch. Export nach Deutschland ist sicher nicht das große Thema, hier ist es eher so ein symbolisches vertreten sein.“

    Apropos Symbolik. Wer auf die Idee kam, den Stand der Bundeswehr in die Halle der russischen Aussteller zu setzen, ist nicht bekannt. Ebenso wenig die Überlegung, die hinter einer solchen Positionierung stand. Aber der guten Laune an den russischen Ständen tat das keinen Abbruch.

    Die Grüne Woche ist noch bis 27. Januar geöffnet. Die Stände der russischen Aussteller sind in Halle 2.2 zu finden, am bequemsten über den Zugang vom S-Bahnhof „Messe Süd“ zu erreichen.

    Tags:
    Präsentation, Messe, Landwirtschaft, Grüne Woche, Krasnodar, Berlin, Deutschland, Russland
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