02:42 18 Februar 2019
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    Gold (Symbolbild)

    Gut für Anleger: Gold steigt wegen Brexit, FED und „schwacher Börse“ – EXKLUSIV

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    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Internationale Finanz-Medien berichten, aktuell gebe es eine große Nachfrage von privaten Anlegern nach dem begehrten Edelmetall Gold. Im exklusiven Sputnik-Interview erklären zwei erfahrene Goldmarkt-Experten, wie deutsche Gold-Käufer davon profitieren können. „Gold ist nicht nur Wertanlage, sondern auch Versicherung“, so ein Experte.

    „Gold ist als liquides Anlagemittel das einzige, das keine Gegenpartei hat und das auch nicht durch Inflation an Wert verliert, also ‚weg-inflationiert‘ werden kann“, erklärte Dimitri Speck, Gold- und Finanz-Experte sowie Buchautor aus München, im Sputnik-Interview. Der Goldpreis sei „in der zweiten Hälfte des Jahres 2018 auch deshalb gestiegen, weil die Aktienmärkte unter Druck kamen“.

    Gold (Symbolbild)
    © REUTERS / Michael Buholzer- BM2E8CL0UBQ01
    Das Edelmetall „Gold steigt typischerweise, wenn sozusagen der Geldwert gefährdet ist. Das ist aktuell durch die Niedrigzinsen der Fall.“ Dies würde private Geldersparnisse, vor allem das Papiergeld, entwerten. Er richtete den Blick auf die Börse und den Aktienmarkt. „Solange Apple- oder Amazon-Aktien steigen, haben die Anleger eine weitere Anlagemöglichkeit. Wenn das wegfällt – und wir haben jetzt nun mal mehr oder minder einen Bären-Markt in den USA und zum Teil auch in anderen Ländern, schon seit längerem – dann wenden sich die Anleger langsam wieder dem Gold zu. Das geht nicht schnell, das kann durchaus viele Monate dauern. Aber das hat eben jetzt begonnen.“ Dies sei der Hauptgrund für den Anstieg des Goldpreises in den letzten Wochen.

    Die Grafik zeigt die Entwicklung des Goldpreises im Jahr 2018. Der gut sichtbaren „Bodenbildung“ im August folgte ein Hoch, das 2019 wohl noch anhalten wird.
    Die Grafik zeigt die Entwicklung des Goldpreises im Jahr 2018. Der gut sichtbaren „Bodenbildung“ im August folgte ein Hoch, das 2019 wohl noch anhalten wird.

    Der Buchautor des Werks „Geheime Goldpolitik“ empfehle privaten Goldkäufern weiterhin – wie er schon in früheren Sputnik-Interviews ausführte – 1-Unzen-Goldmünzen wie „Krügerrand“ oder „Maple Leafs“ zu erwerben. Auch, weil dabei die Spanne zwischen An- und Verkauf günstig sei.

    „Wenn Realzins sinkt, steigt das Gold“

    „Wir hatten im Goldpreis eine Bodenbildung im August im Bereich 1.150 bis 1.200 Euro“, erklärte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalytiker für Deutschland und Österreich beim Frankfurter Finanz-Unternehmen „CMC Markets“, im Sputnik-Interview. „Auf Basis dessen sehen wir jetzt wieder Käufe im Gold. Die Situation ist die, dass die US-Notenbank FED über die letzten Jahre den Leitzins angehoben hat. Wir haben eine Sondersituation in den USA, was die Nominalzinsen relativ zur Inflation angeht. Da wird eben das Gold spannend, weil es einen Kaufkraft-Erhalt bietet.“

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Goldpreis-Anstieg nach „Crash“ im Juni? – Warum Aktien und Silber nicht mithalten<<<

    Für Deutschland gelte Ähnliches: „Die Zeiten in denen der Realzins sinkt – und das tat er zuletzt – sind die besten Zeit für das Gold.“ Deswegen steige der Goldpreis, so der Frankfurter Finanz-Experte.

    Tipps für Anleger: Echtes Gold oder „Börsen“-Gold?

    „Ziehen dunkle Wolken am Konjunktur- und Kapitalmarkthimmel auf, ist Gold gefragt“, berichtete kürzlich die „WirtschaftsWoche“ (WiWo). Das würden auch aktuelle Zahlen zu den „wachsenden Beständen der börsengehandelten Goldfonds, kurz Gold-ETFs“ statistisch belegen.

    Diese Gold-ETFs betrachtet Gold-Experte Speck mit kritischem Blick im Vergleich zum „echten“, also zum physischen Gold. „Grundsätzlich ist für einen Privatanleger meines Erachtens das physische Gold allererste Wahl. Nur wenn er es selbst im Besitz hat, kann er immer darauf zugreifen und weiß auch sicher, dass es vorhanden ist.“ Jedoch empfehle er Privatanlegern in Deutschland, die „schon genügend physisches Gold haben und ihren Bestand aufstocken wollen“, vorrangig das Xetra-Gold. „Weil hier nach zwölf Monaten Lagerfrist die Kursgewinne steuerfrei sind.“

    Experte: „Das können börsengehandelte Gold-Produkte leisten“

    Allerdings bieten die Gold-ETFs für Privatanleger auch positive Aspekte.

    Goldmarkt-Analytiker Stanzl nannte deren Vorteile für private Anleger. „Dafür habe ich eine Fungibilität (Funktionalität, Anm. d. Red.). Ich kann das schnell kaufen und verkaufen. Also An- und Verkaufspreis liegen eng beieinander. Über Kommissionen ist es günstig, das auch wieder zu verkaufen. Beim Goldbarren oder bei einer Goldmünze ist es so: Umso kleiner das Gewicht des Goldes ist, das ich physisch kaufe, desto größer wird die Spanne zwischen Kauf und Verkauf. Da kann ich dann nicht so schnell rein oder raus.“ Dies sei beispielsweise vorteilhaft zur Beimischung ins eigene Portfolio, wenn sich der Anleger breiter aufstellen möchte.

    Wer allerdings langfristig Gold kaufen oder halten wolle, für den „ist sicherlich das physische Gold spannender“, betonte er.

    Private Nachfrage nach Gold: Weltweiter Anstieg

    FED-Chef Jerome Powell gab dem Gold „verbalen Rückenwind“, wie „Finanzen.net“ Mitte Januar meldete.

    „Dadurch haben die Zinssorgen etwas nachgelassen und dem Goldpreis aufgrund der nachgebenden Tendenz beim Dollar zu einer leichten Korrektur verholfen.“

    Dieser Umstand ließ auch die Nachfrage bei Anlegern und Investoren nach Gold in den letzten Monaten stark steigen, so die „WiWo“.

    Abzulesen sei dieser Trend auch an den „zuletzt deutlich gestiegenen Goldbeständen der Gold-ETFs. Allein im Dezember 2018 wuchsen nach Angaben des World Gold Council deren Goldbestände weltweit um 76 Tonnen, was einer Anlagesumme von rund drei Milliarden US-Dollar entspricht. Vor allem in Nordamerika (plus 36,3 Tonnen) und Europa (plus 39,5 Tonnen) stockten die mit physischem Gold unterlegten Anlagevehikel ihren Goldschatz auf, angetrieben durch Rezessionsängste, Italien-Schulden, Brexit-Streit und den Handelskrieg der Trump-Regierung in den USA.“

    >>>Andere Sputnik-Artikel: So wirkt sich Italiens Krise auf den Goldpreis aus – Goldmarkt-Experte<<<

    Gold als Versicherung

    „Gold ist – das darf man nicht vergessen – nicht nur eine Geldanlage, sondern auch eine Versicherung“, brachte es Speck auf den Punkt. „Falls es wieder zu Problemen im Finanzsystem kommen sollte, und angesichts der weltweiten Verschuldung ist das ziemlich wahrscheinlich“, könne sich der Anleger durch Gold bestens absichern. Abschließend hob er hervor: Das Edelmetall sei letztlich die beste Absicherung für die eigenen Finanzen.

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Dimitri Speck zum Nachhören:

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Jochen Stanzl zum Nachhören:

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    Tags:
    Anlage, Preis, Aktien, Börse, Gold, Amazon, US-Notenbank FED, Jerome Powell, Deutschland