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22:35 23 Juli 2019
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    Proteste wegen Abschaltung der Gasversorgung vor dem Naftogaz-Standort in Kiew

    Neues Abkommen zu Gastransit über Ukraine – wie sind die Chancen?

    © Sputnik / Stringer
    Wirtschaft
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    Natalia Pawlowa
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    Moskau wird mit Kiew einen neuen Vertrag zum Gastransit durch die Ukraine unterzeichnen, vorbehaltlich seiner kommerziellen Attraktivität und nachdem die Rechtsstreitigkeiten zwischen Gazprom und Naftogaz beigelegt sind. Experten bewerteten die Perspektiven im Sputnik-Gespräch.

    Die Gasverhandlungen in Brüssel fanden im Dreier-Format (Russland – Ukraine – Europäische Kommission) statt. Im Mittelpunkt stand die Perspektive des ukrainischen Gastransits, nachdem das derzeitige Abkommen am 31. Dezember 2019 abgelaufen ist. Der Energieexperte Nikolai Chrenkow sagte, dass die Ergebnisse der Verhandlungen vorhersehbar gewesen seien.

    “Russland ist nach wie vor bereit, den Gastransit über die Ukraine beizubehalten, falls es kommerziell attraktiv ist. Heute ist davon nicht die Rede. Heute ist der Gastransport über die Nord-Stream-Pipeline oder die Erdgasleitung Jamal-Europa via Weißrussland vorteilhafter sowohl für den Lieferanten als auch für den Käufer. Die Ukraine will sowohl ihre Ehre wahren als auch sich Kapital verschaffen. Einerseits stellt man unannehmbare Bedingungen in Bezug auf den Transitpreis, andererseits schlägt man alle Glocken, wenn Russland eine Gaspipeline nach Europa unter Umgehung der Ukraine baut.”

    Laut dem Experten muss man sich trotz aller Meinungsverschiedenheiten zum 31. Dezember einigen. Europa ist daran interessiert, russisches Gas in vollem Umfang zu bekommen und sogar in größerem Umfang, als im Moment geliefert wird. Russland ist an den Gaslieferungen interessiert und die Ukraine ist daran interessiert, Geld für den Gastransit zu bekommen. Die heutige Unnachgiebigkeit der Ukraine sei auf ihre Hoffnung zurückzuführen, dass die neuen Gaspipelines nicht termingerecht gebaut werden, sagte der Chef der analytischen Abteilung der Firma “Alpari”, Alexander Rasuwajew:

    “Die Ukraine rechnet darauf, dass die Gaspipelines Nord Stream 2 und Turkish Stream nicht termingerecht fertiggestellt werden und dass man ohne die ukrainische Pipeline nicht auskommt. Ich bin der Meinung, dass beide Gaspipelines fristgerecht gebaut werden, und falls es doch eine Verspätung gibt, wird sie nicht groß sein. Der Verschleiß des ukrainischen Gastransportsystems ist so groß, dass die Transportrisiken zu ernsthaft sind, man muss sie vermeiden. Die Ukraine tätigt kaum Investitionen in das Transportsystem.”

    In der Europäischen Union gibt es auch nicht viele Willige. Der Vizepräsident der Europäischen Kommission Maroš Šefčović wies darauf hin, dass der neue Vertrag „den EU-Standards entsprechen muss, es muss langfristig sein – mehr als zehn Jahre.“ Dies würde es ermöglichen, Investoren für die Modernisierung des Gastransportsystems der Ukraine zu gewinnen. In Moskau meint man, dass die ukrainische Seite auf Kosten der Garantien von Gazprom die Probleme ihres Gastransportsystems lösen will, und die EU möchte dasselbe mit minimalen Investitionen der Europäer.

    “Die Position Russlands wurde klar formuliert. Sie besteht darin, dass die Ukraine technisch, technologisch und politisch gesehen Bedingungen schaffen muss, unter denen es keine Schwierigkeiten geben würde, Gas nach Europa zu liefern. Diese Forderung wurde von der Ukraine nicht bestritten. Erwähnenswert ist hier die Anmerkung des russischen Energieministers Alexander Nowak, dass die Ukraine die Möglichkeit habe, den Transit des russischen Gases über das ukrainische Territorium zu verbessern”, sagte der Analyst des Zentrums für Europäische Forschung des Instituts für Weltwirtschaft, Wladimir Olentschenko.

    Die Situation ist so, dass man ohne den Gastransit über die Ukraine nicht auskommt, so lange Turkish Stream und Nord Stream 2 nicht in Betrieb genommen sind. Deswegen gibt es Hoffnung, dass die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden. Obwohl man von der Seite Kiews auch Demarchen erwarten kann, ist es schon klar, dass die Ukraine am Transit interessiert ist und sich gezwungen sieht, übereinzukommen. Moskau wird ernsthafte Verhandlungen erst dann führen, wenn die neuen politischen Kräfteverhältnisse in der Ukraine nach den Präsidentenwahlen am 31. März klar sind. Eine neue Verhandlungsrunde zum Gastransit durch die Ukraine ist für Mai 2019 geplant.

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    Tags:
    Zukunft, Perspektiven, Streit, Abkommen, Gaspipeline, Gaslieferungen, Nord Stream 2, EU-Kommission, EU, Naftogaz, Gazprom, Europa, Russland, Ukraine