23:09 20 November 2019
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    Russland zieht „Betonwall“ gegen Sanktionsrisiken hoch

    © Sputnik / Pawel Lisitsin
    Wirtschaft
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    Russland ist nicht länger in der schlimmen Lage, wo fallende Ölpreise das Land wirtschaftlich ruinieren oder in den Bankrott stürzen könnten. So erklären Finanzexperten die Entscheidung der Agentur Moody’s, Russlands Kreditrating anzuheben. Das Land ist für Investoren attraktiver geworden. Ist also alles krisenfest in der russischen Wirtschaft?

    Dass Moody’s Russland auf den Investmentgrade „Baa3“ hochgestuft hat, ist vor allem ein Zeichen der Anerkennung: Russlands Wirtschaft sei auch unter dem Sanktionsdruck stabil, schreibt die Zeitung „Wsgljad“.

    In der Mitteilung der Ratingagentur heißt es dazu laut dem Blatt, „die sehr niedrige Staatsverschuldung, das bedeutsame Staatsvermögen und die konsequent sinkenden Staatsschulden im Verhältnis zu den Währungsreserven des Landes“ sicherten Russlands Stabilität auf erheblichem Niveau.

    Diese „faire, wenn auch etwas verspätete Entscheidung“ sei bedingt durch die gute Wirtschafts-, Haushalts- und Finanzpolitik der russischen Regierung, sagte der erste Vize-Premier und Finanzminister Anton Siluanow laut der Zeitung. Sein Kabinettskollege aus dem Wirtschaftsressort Maxim Oreschkin sagte, die Agentur habe sich viel Zeit mit der Hochstufung gelassen. Aber offenbar seien ihnen „selbst die bizarrsten Argumente“ ausgegangen, warum Russlands Ratings nicht angehoben werden solle.

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    Laut jüngsten Daten belaufen sich Russlands Staatsschulden auf 13,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist weltweit einer der geringsten Werte. Der Bedarf der russischen Regierung, sich im Ausland Geld zu leihen, sei unwesentlich. Dabei habe Russland, falls nötig, die Möglichkeit, auf dem heimischen Finanzmarkt Geld zu beschaffen, heißt es in der Mitteilung von Moody’s laut dem Blatt.

    „Moody’s hat anerkannt, dass Russland viele seine Bereiche in Ordnung gebracht hat“, sagt der Chef-Strategieanalyst vom Vermögensverwalter WallachBeth Capital laut der Zeitung. Was weiterhin bleibt, seien jedoch „strukturelle Herausforderungen“, erklären die Analysten der Ratingagentur: „Die Sanktionsrisiken sind bei Russland nach wie vor groß.“ Aber: „Die Verwundbarkeit durch derlei Schocks ist zurückgegangen.“ Russlands Fähigkeit, diesem Druck standzuhalten, habe seit 2015 zugenommen.

    Ein weiterer „Zuversichtsfaktor“ für die Aussichten der russischen Wirtschaft sind die Wirtschaftsdaten für 2018, die das russische Statistikamt Rosstat gerade veröffentlich hat. Demnach ist die Wirtschaft in Russland im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent gewachsen – ein Wert, der nahezu alle abgegebenen Prognosen übertrifft. Über die Genauigkeit dieser Statistik lasse sich sicherlich streiten, so die Zeitung. Aber für internationale Anleger war diese Veröffentlichung ein starkes Signal.

    Bei all der Freude über die positive Bewertung der russischen Wirtschaft dürfe man eins nicht aus dem Blick verlieren, sagt der Finanzexperte Sergej Chestanow, Volkswirt bei der russischen Bank „Otkrytie“: „Es ist wichtig zu sehen, warum Moody’s das Rating angehoben hat. Doch nicht aus dem Grund, dass in der russischen Wirtschaft alles plötzlich gut geworden ist.“

    Die Gründe für die Hochstufung seien andere, sagt der Experte laut der Zeitung: „Der Ölpreis ist im Verlauf des letzten Jahres deutlich gestiegen – und damit auch Russlands Exporterlöse. Die Reserven haben zugenommen, der Haushalt weist erstmals seit April letzten Jahres einen Überschuss auf. Zudem sind die Außenschulden gesunken. Das alles macht die Verpflichtungen des russischen Staates so zuverlässig wie einen Betonwall.“

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    Das sei denn auch der eigentliche Sinn hinter der Hochstufung, betont der Volkswirt. „Es ist eine Feststellung, dass es bei den russischen Staatsschulden keinen Ausfall geben wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass Russland zahlungsunfähig werden könnte, wird als gering eingestuft.“

    Mit dem Wachstum der russischen Wirtschaft habe dies – leider – nichts zu tun, so der Experte: „Moody’s Entscheidung ist natürlich positiv und zu begrüßen. Aber für den Anspruch, mehr Wirtschaftswachstum zu erreichen, ist das nicht genug.“

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    Tags:
    Staatsschulden, Rating, Sanktionen, Moody’s, Russland