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00:44 20 Juli 2019
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    Logo des Unternehmens Blackrock auf dem Gebäude in New York

    China, Blackrock und Co: „Peking bekämpft egoistische Wirtschaftsziele des Westens“

    © REUTERS / Lucas Jackson
    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Der US-Fonds „Blackrock“ ist nicht nur an allen deutschen DAX-Unternehmen beteiligt. Auch China ist ein lukratives Ziel für solche US-Kapitalorganisatoren. „Aber sie müssen sich dabei an die Vorgaben Pekings halten, nicht so wie im Westen“, sagt Finanz-Experte Werner Rügemer im Interview. Sputnik hakt nach: Was wollen Blackrock und Co. in China?

    „Der chinesische Kapitalismus hat eine qualitativ andere Entwicklungslogik als der Westen“, sagte Werner Rügemer, Wirtschafts-Experte und Buchautor aus Köln, im Sputnik-Interview.

    „Da werden von vornherein auch die Löhne der Arbeitnehmer mit der volkswirtschaftlichen Entwicklung mitgezogen. Im Unterschied zur Entwicklung im westlichen Kapitalismus. In China steigen die Löhne.“ In westlichen Volkswirtschaften sei dagegen seit Jahrzehnten eine „Verarmung der Arbeitnehmer“ zu beobachten.

    Der Kölner Finanz-Experte, der sich auch seit Jahren für bessere Arbeitnehmerrechte einsetzt, erläuterte in einem früheren Sputnik-Gespräch bereits die Vorgehensweise der umstrittenen US-Investmentgruppe „Blackrock“. Diese macht im Weltfinanzmarkt über trickreiche Schritte ihr Geld. Blackrock sei einer der größten Kapitalorganisatoren mit einem Kapitalvolumen von etwa 6,4 Billionen US-Dollar. Investoren, darunter viele Multi-Milliardäre, leihen Blackrock ihr Geld mit dem Ziel, dass es vermehrt wird. Dies geschieht meist auf Kosten der vorhandenen „volkswirtschaftlichen Substanz“ großer Industrienationen wie Deutschland (Blackrock hält Anteile an allen börsennotierten DAX-Unternehmen), den USA, England oder Frankreich. Neben Blackrock gibt es noch eine ganze Reihe weiterer solcher großer Kapitalgruppen. Sie arbeiten meist alle zusammen.

    Sputnik hakte nach: Welche aktuellen Aktivitäten gibt es von Blackrock und Co. in der aufstrebenden Weltwirtschaftsmacht China?

    Blackrock: Seit 2017 in China

    „Man muss früher anfangen“, gab Rügemer einen kurzen historischen Rückblick. „1983 hat die Regierung Chinas US-amerikanische Unternehmen eingeladen, in China Produktionsstätten zu errichten. Das ist dann in großem Stile passiert: Zuerst Automobil-Fabriken von General Motors. Dann die vielen US-Technologiekonzerne wie Microsoft oder Apple.“

    Erst im Jahre 2017 seien dann auch die großen Kapitalorganisatoren und Finanzakteure wie Blackrock und ähnliche ins Land gekommen. „Damals hatte China nochmals eine zusätzliche Öffnung seines Marktes für ausländische Investoren vorgenommen.“

    Innovation: „In China eher möglich“

    Seitdem dürfen US-Kapitalorganisatoren wie Blackrock, State Street, Fidelity oder Bridgewater – gemeinsam mit chinesischen Firmen – an chinesischen Unternehmen mehr als die Hälfte der Anteile halten. Die US-Finanzunternehmen „dürfen jetzt auf dem neu zu erschließenden chinesischen Markt Fonds-Anteile und Aktien verkaufen.“

    Innovation sei in China eher möglich, „weil es dort diese alten Traditionskonzerne westlicher Art nicht gibt.“ Tradition könne Innovation verhindern. „Das sieht man im Westen vor allem im Automobilbereich. Weil die Auto-Konzerne seit 100 Jahren eine so marktbeherrschende Stellung auch mit Hilfe der westlichen Staaten bekommen haben.“

    Darum holt Peking US-Fonds wie Blackrock ins Land

    „Im industriellen Bereich ist dieser Prozess bereits seit Jahren in ausgewählten Branchen Chinas in Gange“, analysierte Rügemer. Insbesondere bei Branchen, in denen sich die westlichen Unternehmen bewährt haben, wo chinesische Unternehmen von westlichem Wissen profitieren konnten.

    Eine Frau in der Gelbweste in Brüssel
    © AP Photo / Geert Vanden Wijngaert

    Für Peking sei wichtig, dass sich die US-Unternehmen im Land „rechtssicher verhalten und nicht gegen chinesische Gesetze verstoßen. Und wenn sie technologisch etwas zu bieten haben. Insofern hat China ein ambivalentes Verhältnis zu Blackrock und Co. Man braucht sie, um von denen noch Know-How zu erlernen und um auch Zugang zu westlichen Märkten zu finden. Aber im Land unterwerfen sie sich Regeln, um überhaupt im chinesischen Markt präsent zu sein, die sie sonst im Westen gar nicht beachten müssen.“ In seinem Buch „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“ (2018) schreibt er dazu: „China bekämpft die kapitalismus-bedingte Kriminalität besser als der Westen.“ China versuche seit Jahren, die Folgen „egoistischen, kapitalistischen Verhaltens westlicher Konzerne“ im Inland zu verringern, ergänzte er im Interview. „Und das immer erfolgreicher“.

    Er erinnerte an Unternehmen der Internet- und High-Tech-Industrie aus dem Silicon Valley, die ab den 80er Jahren ihre Produktionsstätten teilweise nach China ausgelagert hatten. „Auch deswegen, weil in China die professionalisierte Massenproduktion in einem viel größeren Umfang zur Verfügung stand.“ Dies war nach der Öffnung und Liberalisierung Chinas möglich geworden.

    Ali Baba: Das „chinesische Google“ und Blackrock

    Seit der jüngsten Öffnungswelle Chinas 2017 haben US-Fondsgesellschaften wie Blackrock die Möglichkeit, „zumindest kleine Aktienpakete an den großen chinesischen Digital-Giganten wie Ali Baba und Baidu erwerben zu können. Das hat den Zusammenhang, dass die chinesischen IT-Konzerne auf diesem Wege Zugang zu ausländischen Märkten, insbesondere zu den USA, suchen.“ Die Strategie Pekings: „Ausländische Märkte für chinesische Unternehmen zu öffnen.“ Konzerne wie Ali Baba würden Produkte, die es auch bei der westlichen Konkurrenz wie etwa Amazon gibt, deutlich „billiger und zum Teil sogar besser anbieten“.

    Interessant und beachtenswert sei auch, dass Blackrock und Co. „sich auch unter dem Druck des chinesischen Staates und der KP in ihrem Verhalten auch ändern können.“

    Warum es auch Facebook nach China zieht

    Er nannte ein Beispiel: Facebook beispielsweise ist in China verboten.

    „Aber genau wie Blackrock sieht auch Facebook in China, in dieser aufstrebenden Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen, einen riesigen Markt, wie ihn selbst das Ursprungsland USA nicht bieten kann.“

    Während in den USA die Arbeitnehmer zum Teil „verarmen“, steigen die Pro-Kopf-Einkommen und Sparer-Quoten in China, ein Mittelstand entsteht grade. Das bedeute riesige Absatzmärkte für US-Unternehmen.

    „China fördert die echte Wirtschaft“

    China fördere auch über seine Banken die sogenannte Realwirtschaft, also die Waren-produzierende Wirtschaft.

    Während westliche Investmentgruppen wie Blackrock und Co diese Realwirtschaft für eigene Profitgewinne „auszehren“ würden. Das Ergebnis: Fehlende Infrastruktur, marode Straßen und Schulen in vielen reichen westlichen Industriestaaten wie Deutschland. In China werde stattdessen das Schienenverkehrsnetz immer weiter ausgebaut. „Es wird in den Aufbau neuer Arbeitsplätze investiert. Im Unterschied zum Westen“. Auch die Neue Seidenstraße, der lose BRICS-Staatenbund und die institutionalisierte Shanghai Cooperation Organization (SCO) könnten künftig eine entscheidende Rolle zur Förderung der chinesischen Wirtschaft spielen.

    Werner Rügemer: „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts: Gemeinverständlicher Abriss zum Aufstieg der neuen Finanzakteure“, PapyRossa Verlag, 357 Seiten, 19,90 Euro, 1. Auflage 2018. Das Buch ist im Handel erhältlich.

    Das Radio-Interview mit Dr. Werner Rügemer zum Nachhören:

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    Tags:
    Experte, Banken, Investitionen, Kapitalismus, Handel, Neue Seidenstraße, Alibaba, Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), BRICS, Blackrock, Friedrich Merz, China, USA, Deutschland