08:29 13 Dezember 2019
SNA Radio
    Logistikzentrale von Nord Stream 2 in Katka

    Nord Stream 2: Was steckt hinter Kritik der Ukraine und Polens? – OMV-Chef erklärt

    © Foto : Nord Stream 2
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    233047
    Abonnieren

    Der Streit um den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 hat laut dem Vorstandschef des österreichischen Energiekonzerns OMV, Rainer Seele, das Vertrauen der Investoren erschüttert und der europäischen Wirtschaft beträchtlichen Schaden zugefügt. Dies sagte er gegenüber der Zeitung „Frankfurter Allgemeine“.

    Laut Seele ist die Kritik Polens und der Ukraine, dass die neue Gaspipeline die Abhängigkeit Europas von Russland zementiere, „durchsichtig und vorgeschoben“. Hinter diesen kritischen Aussagen steckt demnach das wirtschaftliche Interesse an den Durchleitungsgebühren.

    Die Zeitung verweist darauf, dass durch Nord Stream circa 110 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr strömen werden – das ist mehr als doppelt so viel wie bislang. Dies werde dazu führen, dass die Länder Osteuropas nicht hohe Preise für den Gastransit festsetzen können. Laut dem OMV-Chef ist es in Bezug auf die Konkurrenz nur zu begrüßen, dass die „Zeiten der Monopolstellung der Ukraine vorbei“ sind.

    Dabei betonte Seele, dass man die Ukraine nicht marginalisieren dürfe, da Europa durch die Abkehr vom Atom- und Kohlestrom auf lange Frist viel mehr Gas brauchen werde. Auch die OMV werde daran interessiert sein, alle Transitrouten, darunter auch durch die Ukraine, zu nutzen.

    Ferner sagte er, dass im Energiebereich das Verhältnis zwischen Europa und Russland „ganz klar ausgeglichen“ sei: Europa brauche Gas, Moskau dagegen sei dringend auf Euro-Einnahmen angewiesen. Seele betonte dabei, dass Russland seit 50 Jahren ein zuverlässiger Gas-Lieferant bleibe.

    Zuvor hatte sich der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz gegen den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 geäußert. Ihm zufolge kann dies eine negative Auswirkung auf die Energiesicherheit Europas haben.

    Nord Stream 2 ist das Projekt für eine weitere Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland, die auf dem Grund der Ostsee verlegt werden soll. Ihre Gesamtkapazität soll etwa 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr erreichen. Der Betriebsstart ist für Ende 2019 geplant. Der russische Energieminister Alexander Nowak teilte am 18. Februar mit, dass die Nord Stream 2 AG, das Betreiberunternehmen für den Bau der gleichnamigen Gaspipeline, bereits rund 700 Kilometer Röhren verlegt habe.

    Für Deutschland ist das Pipeline-Projekt besonders bedeutend, denn die Bundesregierung hat den Ausstieg aus Atom- und Kohlenkraftwerken bis 2038 beschlossen.
    Gegen das Projekt machen mehrere Länder Front. Dazu gehört unter anderem die Ukraine, die um ihre Einnahmen aus dem Transit russischen Gases bangt. Die russische Seite hatte wiederholt erklärt, dass es sich um ein rein wirtschaftliches Projekt handle und keinen Stopp des Gastransits durch die Ukraine bedeute.

    Auch die USA haben sich wiederholt gegen den Bau von Nord Stream 2 ausgesprochen und gedroht, die europäischen Partnerunternehmen Russlands bei diesem und anderen Pipelineprojekten mit Sanktionen zu belegen. US-Präsident Donald Trump hat nach Verhandlungen mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin erklärt, die USA wollten mit Nord Stream 2 konkurrieren, indem sie Flüssiggas nach Europa liefern würden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Petition gestartet: „Steimles Welt ist unsere Heimat und soll es auch bleiben“
    „Der Dieb schreit?“ US-Senat will Russland zum „Sponsor des Terrorismus“ erklären – Moskau reagiert
    Nein zu Sanktionen gegen Nord Stream 2: Maas appelliert an US-Senat
    Schweizer Bankmanager: Deutschland wird zum „neuen Detroit“
    Tags:
    Bau, Kritik, Nord Stream 2, OMV, Rainer Seele, Europa, Polen, Russland, Ukraine