02:10 23 November 2019
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    Kohleförderung in Australien (Archiv)

    Australien verliert „Kohle-Milliarden“ – Russland könnte davon profitieren

    © AFP 2019 / William WEST
    Wirtschaft
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    Aus dem fernen Australien kommen Nachrichten, die Fragen zur internationalen Energieversorgung unter einem neuen Blickwinkel betrachten lassen.

    Australien mit nur 24 Millionen Einwohnern liegt auf dem ersten Platz beim Kohle-Export. 2017 brachte Australien auf den internationalen Markt Kohle verschiedener Sorten im Wert von 40,6 Mrd. Dollar, was rund ein Drittel des gesamten Welthandels ausmachte. Auf Platz zwei folgte Indonesien (17,9 Mrd. Dollar, 16,1 Prozent), auf Platz drei Russland (13,5 Mrd. Dollar, 12,2 Prozent). Vom dritten Platz wird Russland aktiv von den USA verdrängt, die in den vergangenen beiden Jahren unter Trump die Kohleförderung aktiv ausbauten und die Höchstwerte der Branche aus der ersten Amtszeit Obamas demnächst überschreiten werden.

    Man könnte vermuten, dass die Australier selbst gar keine Kohle brauchen, denn bekannt sind wohl viele Artikel darüber, wie dank der Bemühungen von Elon Musk im Bundesstaat South Australia mitten im Dschungel ein riesiges Solarturm-Kraftwerk entstand und das alte und umweltschädliche Kohlekraftwerk geschlossen wurde. Das stimmt tatsächlich. Doch das erfolgreiche Projekt blieb aus irgendeinem Grund nur ein Einzelbeispiel, sogar die benachbarten Bundesstaaten nahmen diese Idee nicht auf. (Nach der Schließung des Kohlekraftwerkes und dem Wechsel zu Solarpanelen stieg der Strompreis für Verbraucher um das Achtfache).

    Nun zu den Nachrichten: Australische Medien berichteten, dass das örtliche Gericht für Umweltschutz die Berufung des Kohlebergwerks Gloucester Resources zurückwies und ihm verbot, Arbeiten zum Kohlebergbau in Rocky Hills zu beginnen. Das Unternehmen wurde 2005 gegründet, 2013 kaufte es eine Lizenz zur Ausbeutung des Steinkohle-Vorkommens Rocky Hill und begann mit der Vorbereitung der Bergbauarbeiten. Das Unternehmen war von Anfang an auf Widerstand seitens der Grünen gefasst. In diesem Zusammenhang ging das Unternehmen auf präzedenzlose Zugeständnisse ein. So verzichtete es auf den Bau einer Anreicherungsfabrik sowie die billigsten Methoden der Kohleförderung aus der Steinkohlegrube, um die Staubbildung zu reduzieren, verzichtete auf Wagenkipper. Mit anderen Worten: Sie akzeptierten bewusst zusätzliche Ausgaben zur Schaffung von etwa 50 Arbeitsplätzen, doch diese Pläne gingen nicht in Erfüllung.

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    Nach dem Eintreffen der ersten Technik vor Ort reichten die Grünen eine Klage ein und forderten das Verbot jeglicher Arbeiten in Rocky Hills. Das Gericht erster Instanz gab diesen Forderungen statt, und die Kohleproduzenten, die wegen der Standzeit beträchtliche Verluste tragen mussten, legten Einspruch ein. Wegen der endlosen gerichtlichen Auseinandersetzungen verliert der australische Markt jedes Jahr etwa 21 Millionen Tonnen Kohle und 13 Millionen Tonnen Kokskohle. Das sind die unmittelbaren Verluste bzw. der entgangene Gewinn des Privatunternehmens – und auch des Staatshaushalts. Die Summe beläuft sich natürlich auf Millionen und Millionen Dollar.

    Solange Australien diesen Aufschwung der „grünen“ Kräfte erlebt, handeln die anderen Kohlemarktteilnehmer weiter. Im Dezember fand in Polen ein Weltkongress für Umweltprobleme völlig sang- und klanglos statt, auf dem die führenden Länder wie die USA, die VAE und Russland sich geweigert haben, ihre Rohstoffförderung zu beschränken und dadurch die Verantwortung für den Klimawandel einzuräumen. 2017 verkündeten die USA offiziell ihren Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen und wollen die Kohleproduktion nicht reduzieren. Und China hat seine Kohleproduktion aufgestockt. Auch der Import ist entsprechend gewachsen. Russische Kohleunternehmen berichteten über einen fünfprozentigen Anstieg der Produktion im Allgemeinen und einen 15-prozentigen Anstieg der Kokskohleproduktion. So verläuft also der gemeinsame Kampf für die Umwelt – und der Verzicht auf die Vergangenheit.

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    Also lässt sich ein Zwischenfazit ziehen: Natürlich wird Australien vorerst weiter auf seinem „Kohle-Thron“ und der größte Kohleproduzent  bleiben. Aber ob das noch lange dauern wird, zeigt sich in absehbarer Zeit. Kohle ist aktuell eine der am meisten unterschätzten Energieressourcen, die immer wieder von den „Grünen“ und zahlreichen Experten begraben wird, aber immer noch sehr nachgefragt wird. Die Kohlepreise blieben im vergangenen Jahr sehr stabil – im Unterschied zu den Öl- und Gaspreisen – und lagen bei 110 US-Dollar pro Tonne.

    Und trotz aller Bemühungen der „Grünen“ wird sie nicht vom Markt verschwinden und auch weiterhin viele Käufer finden. Zu diesen wird definitiv Deutschland gehören, das 2019 laut offiziellen Prognosen  45 Millionen Tonnen Kohle kaufen wird, insbesondere 15 Millionen Tonnen Kokskohle. Das wird um beinahe zwei Prozent mehr als im Vorjahr sein. Und es gibt ja noch Japan, das fünf Mal so viele Ressourcen braucht (209 Millionen Tonnen 2016).

    Die führenden Industrieländer der Welt errichten weiterhin intensiv Kohlekraftwerke, wobei sie die Effizienz der Kohlekessel erhöhen und die schädlichen Ausstöße reduzieren. Aber wer behauptet, die Kohle hätte keine Zukunft auf dem internationalen Energieversorgungsmarkt, der lügt oder kennt sich zumindest bei diesem Thema nicht aus.

    Allerdings könnte man versuchen, auf politische Methoden zurückzugreifen – was gerade in Australien passiert. Aber es werden sich sofort sowohl neue Abnehmer als auch neue Produzenten finden, die den frei werdenden Platz einnehmen.

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    Tags:
    Kohle, Unternehmen, Handel, Donald Trump, Australien, USA, Russland