Widgets Magazine
17:11 14 Oktober 2019
SNA Radio
    Opel-Stand beim Moskauer Autosalon (Archivbild)

    Verlässt man den russischen Markt, fällt dann der Neuanfang schwer

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    121274
    Abonnieren

    Die Groupe PSA, der aktuelle Inhaber der einst in Russland beliebten Marke Opel, hat den Wiedereinstieg des deutschen Autobauers in den russischen Markt angekündigt, den er im Frühjahr 2015 nach einer Neuordnung und Reduzierung des Geschäfts von General Motors Russland verlassen hatte. Im Sommer 2017 wurde Opel von GM an den PSA-Konzern verkauft.

    „Opels Rückzug vom russischen Markt war ein ziemlich schmerzlicher Vorgang“, erinnert sich Dmitri Tschumakow, Generaldirektor von Vector Market Research, im Gespräch mit dem Radiosender Business FM. „Soweit ich mich erinnern kann, hat es damals genug strittige Momente in der Zusammenarbeit mit den russischen Händlern gegeben, da der Beschluss für viele Partner ziemlich unerwartet gekommen war. Da das Unternehmen aber reichlich tief in die roten Zahlen gerutscht war, fasste es den entsprechenden Beschluss.“

    Während Opel früher zu General Motors gehört hatte, so der Manager weiter, wurde das Unternehmen später von der PSA-Gruppe erworben. „Dabei hat die PSA in Europa eine ziemlich beeindruckende Wachstumsrate. Im Hinblick darauf, dass der russische Markt europaweit zu den größten gehört und seit einigen Jahren einen zwar eher bescheidenen, doch anhaltenden Wachstum aufweist, ist er für Opel interessant und zukunftsträchtig.“

    Dennoch gibt sich Tschumakow keinen Illusionen hin: „Nachdem die Marke vor etlichen Jahren den Markt verließ, hat sie sehr stark sowohl an Loyalität ihrer Kunden als auch am Händlernetz eingebüßt. Darüber hinaus hat der Anteil der Wagen, die unmittelbar in Russland hergestellt werden, am Fahrzeugangebot des Markts bedeutend zugenommen. Daher muss man – um in Russland wirklich Erfolg zu haben und Gewinn zu erzielen – nicht nur seine Produktion effizient und schnell lokalisieren, was mit den PSA-Produktionsstätten hierzulande grundsätzlich durchaus machbar ist, sondern auch den Vertrieb über die Händler organisieren, was ebenfalls äußerst wichtig ist.“

    PSA-Groupe-Sprecherin Karine Douet sagte laut russischen Medien: „Wir beabsichtigen keinesfalls, Opelwagen nach Russland einzuführen, die in anderen Ländern gebaut worden sind. Wir wollen ihre Produktion auf russischem Boden ermöglichen.“ Der Haken liegt aber darin, dass der Anteil dieser Wagen am russischen Markt längst von anderen Marken übernommen wurde, so dass er inzwischen nur mit dem Preis bzw. mit einer aggressiven Vermarktung wieder an sich zu reißen ist.

    Die Rückkehr werde Opel wirklich nicht leicht fallen, bestätigt einer der Direktoren des Unternehmens Avilon, Wagif Bikulow: „Berücksichtigt man die aggressive Konkurrenz und die führende Rolle der Koreaner in diesem Marktsegment sowie das immer aggressiver werdende Verhalten der Chinesen, die in den russischen Markt eingestiegen sind, wird einem klar, dass der Neustart für diese Marke sehr schwierig ausfallen wird. Für die Anwerbung eines jeden Kunden wird Opel bedeutend mehr als seine Rivalen ausgeben müssen.“

    „Weshalb haben sie sich denn eigentlich zurückgezogen?“, stellt der Experte die Frage und antwortet: „Weil es ihnen eben nicht gelungen war, einen konkurrenzfähigen Preis anzubieten, der den Vertriebspartnern wie dem Exporteur selbst Profite gebracht hätte. Ich bin gespannt, was Opel nun auf dem russischen Markt anbieten wird, um das Händlernetz zur Zusammenarbeit zu motivieren.“

    Der Moderator des Fernsehkanals „Awto+“, Pawel Fjodorow, meint, Opel habe jetzt doch noch Chancen, falls es auf die Crossover Crossland X setzt, die auf französischer Plattform gebaut werden: „Die Marke ist in Russland bekannt. Sie ist ein wahrer Schnelldreher.“

    Der Betrieb „PSMA Rus“ in Kaluga, der gegenwärtig Peugeots, Citroëns und Mitsubishis produziert, plant bereits in diesem Jahr die Aufnahme der Montage von Vans Opel Zafira Life und Kleintransportern Opel Vivaro. In Zukunft könnte man in Kaluga mit der Produktion weiterer Opelmodelle beginnen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Autobauer, Autoindustrie, Konkurrenzkampf, Rückkehr, Automarkt, Markt, Opel, Deutschland, Russland