00:24 24 April 2019
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    Euro (Symbolbild)

    Profitierte Deutschland von Euro am meisten? Experten bewerten Studien-Ergebnisse

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    Wirtschaft
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    20 Jahre nach der Einführung des Euro hat das Centrum für europäische Politik (CEP) untersucht, welche Staaten vom Euro profitiert und welche im Gegenfall Einbußen erlitten haben. Experten aus verschiedenen Ländern haben die Ergebnisse der Recherche kommentiert.

    Die deutsche Denkfabrik mit Sitz in Freiburg analysierte, wie hoch das Pro-Kopf-BIP (Bruttoinlandsprodukt) eines bestimmten Euro-Staates gewesen wäre, hätte er den Euro nicht eingeführt. Die Studie setzte sich mit Deutschland, den Niederlanden, Griechenland, Spanien, Belgien, Portugal, Frankreich und Italien auseinander. Die Ergebnisse wurden auf der offiziellen Webseite des CEP veröffentlicht.

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    Demnach ist Deutschland der größte Gewinner der Einführung des Euro. So liegt die „Wohlstandswirkung“ zwischen 1997 und 2017 bei insgesamt 23.116 Euro pro Kopf, das summiert sich auf insgesamt 1,9 Billionen Euro. Daneben erzielten nur noch die Niederlande substantielle Vorteile aus der Euro-Einführung.

    Griechenland profitierte in den ersten Jahren nach der Euro-Einführung massiv vom Euro, erlitt seit 2011 jedoch große Verluste. Über den gesamten Zeitraum ist die Bilanz mit einem Plus von zwei Milliarden Euro insgesamt bzw. 190 Euro pro Einwohner gerade noch positiv, so CEP.

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    „In allen anderen untersuchten Staaten hat der Euro zu Wohlstandseinbußen geführt: in Frankreich in Höhe von 3,6 Billionen Euro, in Italien sogar in Höhe von 4,3 Billionen Euro. Dies entspricht in Frankreich 56.000 Euro, in Italien 74.000 Euro je Einwohner“, schrieben Matthias Kullas, der Leiter des Fachbereichs Wirtschaft- und Fiskalpolitik beim CEP, und Alessandro Gasparotti, wissenschaftlicher Referent in dem Fachbereich.

    Experten über die Recherche

    Laut dem leitenden Dozenten David Coker in Finanzfächern an der Schule für Rechnungs- und Finanzwesen der britischen University of Westminster sollen Deutschland und die Niederlande von der Euro-Einführung am meisten profitiert haben, weil sie „weltoffen“ und „exportorientiert“ seien.

    „Die Wirtschaften Deutschlands sowie der Niederlande sind weltoffen und exportorientiert. Deswegen nutzt der schwache Euro diesen Nationen unverhältnismäßig im Vergleich zu den anderen europäischen Wirtschaften“, sagte Coker gegenüber Sputnik.

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    Wenn die Wirtschaft nach innen ausgerichtet sei, mache ein schwächerer Euro die Importe teurer, bringe jedoch „wenige oder keine Vorteile“.

    Laut Nafis Alam, außerordentlicher Professor an der Henley Business School bei der University of Reading Malaysia, datiert der Gewinn Deutschlands bis in die Zeit der Einführung der neuen Währung im Jahr 1999 zurück. Der Experte verband den Profit Deutschlands mit der Lohnzurückhaltung und der Abwertung der Deutschen Mark während der Euro-Einführung.

    „Seit den ersten Tagen der Euro-Einführung hat Deutschland eine positivere Bilanz von der Bewertung seiner Währung bekommen im Vergleich zu den anderen Ländern der Euro-Zone“, so der Ökonom in einem Interview mit Sputnik.

    Kritik an die Studie

    Einige Experten kritisierten die Recherche wegen der schwierigen Berechnung. „In der Öffentlichkeit vorgetragene Thesen darüber, welche Länder Gewinner oder Verlierer der gemeinsamen Währung sind, haben in der Regel keine seriöse Grundlage“, zitiert das Portal Focus.de den Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest.

    Seriös beantworten könne man lediglich die Frage nach der wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Länder seit der Euro-Einführung.

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    Länder, die vor der Euro-Einführung schon wirtschaftlich stark gewesen seien, hätten sich danach weiterhin sehr gut entwickelt, schreibt das Portal unter Verweis auf den Chefökonom der Dekabank, Ulrich Kater. Dazu haben Deutschland, die Niederlande oder Österreich gehört.

    Für Länder wie Spanien, Griechenland oder Italien seien die alten Probleme von Ineffizienz und hohe Verschuldung auch im Euro bestehen geblieben.

    „Weder kann das gute Pro-Kopf-Wachstum in Deutschland als Folge der Euro-Einführung angesehen werden noch sollte man das geringe Wachstum in Italien dem Euro in die Schuhe schieben“, so der Experte.

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    Tags:
    Wachstum, Ökonomie, Profit, Gewinn, Handel, Finanzen, Entwicklung, BIP, Geld, Wirtschaft, Währung, Euro, Euroraum, Europäische Union, Europa, EU-Länder, EU, Portugal, Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland, Niederlande, Deutschland