22:33 22 April 2019
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    Überprüfung der Röhre für die Pipeline Nord Stream 2 in Kotka (Archivbild)

    Darum wählt Europa russisches Gas – OMV-Chef

    © Foto: Nord Stream AG / Axel Schmidt
    Wirtschaft
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    Der Vorstandschef des österreichischen Energiekonzerns OMV Rainer Seele, der am Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 beteiligt ist, hat in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ erklärt, warum Europa russische Gaslieferungen dem Flüssiggas aus den USA bevorzugt.

    Moskau habe sich als ein verlässlicher Energielieferant bewährt, betonte Seele. Er verwies darauf, dass die Gaslieferverträge mit Russland bis 2040 aufrecht seien. Das gehe „nicht ohne die Bereitschaft, auch in schwierigen Zeiten zu dieser Partnerschaft zu stehen".

    Europa sei zwar „gut beraten", wenn es auch in anderen Weltregionen Erdgasimporte unter Vertrag nehme, sagte er. „Nur sollten diese Quellen so verlässlich sein wie die russischen Erdgaslieferungen in den vergangenen 50 Jahren".

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    Ein anderer wichtiger Vorteil der russischen Gaslieferungen im Vergleich zum amerikanischen Flüssiggas sei ihr Preis, so Seele. Sollten europäische Unternehmen Flüssiggas aus den USA kaufen, würden sie nicht im Stande sein, mit US-Firmen zu konkurrieren:

    „Wenn wir den Wirtschaftsstandort Europa wettbewerbsfähig halten wollen, ist es kein Konzept, überteuertes amerikanisches Flüssiggas zu importieren, mit dem unsere Industriefirmen nicht mehr gegenüber den USA bestehen können. Für uns steht die Wettbewerbsfähigkeit der Energieversorgung auf gleicher Stufe mit der Versorgungssicherheit", äußerte er.

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    Russland und die Ostseepipeline Nord Stream 2 könnten die EU also nicht spalten, hob Seele hervor. Die Europäer sollten sich auf ihre internen Problemen konzentrieren, die für die EU-Existenz ausschlaggebend seien:

    „Russland kann Europa nicht spalten. Man sollte das nicht herbeireden. Die EU lässt eine Spaltung nur so weit zu, wie sie ihre internen Probleme nicht löst. Wir Europäer sollten uns deshalb auf uns selbst konzentrieren und Einigkeit anstreben. Was der EU viel mehr zu schaffen macht, ist etwa der bevorstehende Brexit", sagte er.

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    Nord Stream 2 ist das Projekt für eine weitere Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland, die auf dem Grund der Ostsee verlegt werden soll. Ihre Gesamtkapazität soll etwa 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr erreichen. Der Betriebsstart ist für Ende 2019 geplant. Die USA stemmen sich gegen das Projekt, weil es mit teurerem amerikanischem Fracking-Gas konkurriert.

    Für Deutschland ist das Pipeline-Projekt besonders bedeutend, da die Bundesregierung den Ausstieg aus Atom- und Kohlekraftwerken bis 2038 beschlossen hat.

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    Tags:
    Flüssiggas, Vorteile, Gaslieferungen, Gas, Nord Stream 2, OMV, Rainer Seele, EU, Österreich, USA, Russland