11:27 21 November 2019
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    Röhre für Gaslieferung (Symbolbild)

    „Nord Stream 2 kommt – egal, was passiert“: Wirtschaftsabend in Russischer Botschaft

    © Foto : Nord Stream 2/Alex Schmidt
    Wirtschaft
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    Die „Deutsch-Russische Wirtschaftsallianz“ lud am Donnerstag hochkarätige Ökonomen und Wirtschaftspraktiker aus Russland nach Berlin. Im Handelsbüro der russischen Botschaft sprachen sie über die deutsch-russische Wirtschaft. „Deutsche Firmen klagen weiterhin über die Sanktionen“, so der russische Ökonom Vladislav Belov vor Ort gegenüber Sputnik.

    „Ich habe heute Abend darüber gesprochen, dass (US-Präsident – Anm. d. Red.) Trump und der US-Kongress 2017 ein Gesetz namens CAATSA verabschiedet haben“, so Dr. Vladislav Belov, der Vize-Direktor des Moskauer „Europa-Instituts“, am Donnerstagabend vor Ort gegenüber Sputnik. „Im Gesetz ist schwarz auf weiß geschrieben: ‚Nord Stream 2 muss gestoppt werden‘. Wir sind gespannt, was jetzt das US-Handels- und Finanzministerium unternehmen wird. Das wissen wir noch nicht.“ Er sei jedoch davon überzeugt, dass die russisch-europäische Gas-Pipeline fertiggestellt und kommen werde.

    Zuvor hielt der russische Ökonom einen Vortrag über die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen im Handels- und Wirtschaftsbüro der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin. Dabei war er geladener Redner der „Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz“, die am Donnerstag dort ihre Jahresversammlung abgehalten hatte.

    „Nord Stream 2 wird gebaut werden, egal was passiert“, so Belov. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin haben laut ihm dabei eine klare Position, das sehe die deutsch-russische Wirtschaftsgemeinschaft genauso. Das Pipeline-Projekt werde wohl erfolgreich abgeschlossen. Auch die Signale aus der „EU-Hauptstadt“ Brüssel seien eindeutig pro Nord Stream 2 zu deuten. „Ich hoffe, dass die Vernunft siegen wird.“

    Anti-Russland-Sanktionen

    „Ohne die Sanktionen wäre der russische Handelsumsatz höher“, so der Moskauer Ökonom. „Aber meine These lautet: Die deutsche und die russische Wirtschaft haben in diesen fünf Jahren Mechanismen entwickelt, mit den Sanktionen zu leben. Aber ich sage klar: Besser ohne Sanktionen.“ Dies würde auch „die deutsche Business-Community“ fordern. „Natürlich sollten die Minsker Abkommen erfüllt werden, aber parallel dazu sollten die Sanktionen abgebaut werden, weil sie auch nicht das angestrebte Ziel der EU erreichen“, vernehme er oft als Forderung aus deutschen Wirtschaftskreisen.

    Viel schlimmer seien die US-amerikanischen Anti-Russland-Sanktionen. „Wir wissen nicht, was das  US-Handelsministerium und das US-Finanzministerium in den nächsten Wochen verabschieden. Nicht nur ich, auch die Unternehmer sind gespannt, was auf uns zukommt. Ich habe in meiner Rede die in Russland tätige Volkswagen Group erwähnt.“ VW sei beispielhaft für die derzeitige deutsch-russische Situation. Aktuell sei fraglich, ob die Kooperation von VW mit dem größten russischen Automobilkonzern, der „GAZ Gruppe“, angesichts neuer kommender US-Sanktionen auch künftig störungsfrei verlaufen könne.

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    Putins Ziel: Bis 2025 soll Russland unter die „Top 5“

    Im Rating-Bereich ist es laut dem russischen Wirtschaftswissenschaftler Putins Ziel, Russland bis 2025 unter die „Top Fünf“ der größten Weltwirtschaftsmächte zu befördern. Dazu könnten auch kleine und mittelständische Unternehmen aus Deutschland beitragen. „Der deutsche Mittelstand ist ein scheues Reh, aber das Gras ist da und so viele Wölfe wie Deutschland hat Russland nicht“, meinte er mit einem humorvollen Zwinkern.

    Pawel Rubtsow, stellvertretender Leiter des Handels- und Wirtschaftsbüros bei der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin, sprach am Donnerstagabend über das aktuelle Wachstum der russischen Wirtschaft und über die Sanktionen. Diese würden Firmen, Banken und Unternehmen in Russland allerdings auch dazu bringen, „neue Aktivitäten und Antworten“ auf die politisch gewollten Wirtschaftsbeschränkungen zu finden.

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    „Großes Interesse deutscher Unternehmen an Russland“

    „Wir rechnen in den nächsten Jahren sogar mit einer Steigerung des Brutto-Inlandsprodukts für Russland“, verriet der Handelsattaché.

    Er nannte spezielle neue Gesetze und staatliche Initiativen in Russland, die ausländische Investoren ins Land locken sollen. Es gebe neue staatliche Förderprogramme, an denen bereits über 40 deutsche Firmen beteiligt seien. Darunter beispielsweise das deutsche Unternehmen „Claas“, ein international agierender Landwirtschaftskonzern aus Ostwestfalen oder der Münchner Autokonzern „BMW“. Insgesamt gebe es über 5000 deutsche mittelständische Unternehmen in Russland. „Zusammen erzielen diese einen jährlichen Gewinn von circa 50 Milliarden Dollar bei uns in Russland.“ Dieses Engagement zeige „ein großes Interesse deutscher Unternehmen an Russland.“ Ziel der russischen Wirtschaftspolitik sei es, neue Akteure für den russischen Markt zu gewinnen. Dabei sei der Mittelstand wichtig. „SAP“ starte aktuell ein Projekt zur Gewinnung russischer IT-Fachkräfte. „Remondis“ sei ebenso in Russland stark aktiv und arbeite bereits mit lokalen Abfallbeseitigungsunternehmen zusammen.

    Russlands mittelfristiges Ziel laute: Steigerung der Produktivität sowie Modernisierung, Ausbau und Vergrößerung bereits vorhandener Produktionsstrukturen. „Wir wollen auch ökologische Standards mit Hilfe deutscher Unternehmen in Russland einsetzen. Das gehört mit zum russischen Weg der Modernisierung.“ Die russische Wirtschaft sei für die Zusammenarbeit mit der deutschen Volkswirtschaft mehr als bereit.

    Neue Erfindungen aus Russland: „Akustisches Einfrieren“

    Anton Ischenko, Vorsitzender der „Allrussischen Gesellschaft für Erfinder, Vermarktungsprojekte und Kommerzialisierung des Intellektuellen Eigentums“ nannte Beispiele und Branchen, in denen deutsche Unternehmen von russischer Forschung profitieren könnten.

    So stellte er „durchsichtige, digitale Schaufenster“ vor, die russische Forscher derzeit entwickeln. Ebenso „neuartige, vielversprechende Krebs-Medikamente aus Russland, die sicher auch etwas für den deutschen Markt“ seien. Russische Wissenschaftler hätten die Wirksamkeit dieses neuen, natürlichen Krebsmittels bereits nachgewiesen. Außerdem nannte er eine neue, erfolgreich in Russland getestete, Gefriermethode: Das „Akustische Einfrieren“. Diese erfolge über elektromagnetische Wellen und halte die Nahrung frisch. „Diese Idee ist sicherlich auch für westliche Unternehmen interessant“, so der russische Wirtschaftsvertreter.

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    Partnerschaft, Handel, Sanktionen, Nord Stream 2, US-Kongress, Donald Trump, Wladimir Putin, Deutschland, Russland