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21:58 15 Juli 2019
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    Der russische Industrie- und Handelsminister Denis Manturow beim AEB-Treffen in Moskau

    Russischer Handelsminister liefert Antworten über neue Regeln für Auslandsgeschäft

    © Foto: AEB
    Wirtschaft
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    Natalia Pawlowa
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    Der russische Industrie- und Handelsminister Denis Manturow hat sich mit Mitgliedern der Assoziation des Europäischen Business (AEB) in Moskau getroffen. Die Vertreter der ausländischen Unternehmen haben dem Minister aktuelle Fragen gestellt und echte Antworten bekommen. Export und innovative Technologien stehen im Vordergrund.

    „Wir stehen in einem intensiven Dialog mit dem europäischen Business. Zusammen erarbeiten wir umfassende Lösungen, die für die Unternehmen verständlich und durchsichtig sind“, sagte der russische Handelsminister. Nach seinen Worten öffnen sich für russische Vertretungen ausländischer Firmen gute Perspektiven auch im Außenhandelsbereich, man arbeite aktiv an der Erhöhung des Nicht-Rohstoff-Exports:

    „Wir haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die mit der Umsetzung des nationalen Projekts zur Unterstützung des Exports – „Internationale Kooperation“ – verbunden sind. Unser Ziel ist es, zum Jahr 2024 das Exportvolumen von Erzeugnissen zu verdoppeln, die nicht mit Rohstoffen oder Energieträgern verknüpft sind“, merkte der Minister an.

    Die Investitionsumgebung sei für das ausländische Kapital günstig, so Manturow. Präferenzen seien für alle zugänglich, die in Russland tätig sein möchten. Seit Beginn 2014 habe die russische Regierung 33 von geplanten 100 Sonderinvestitionsverträgеn mit ausländischen Unternehmen abgeschlossen, die Hälfte davon mit den EU-Partnern. Übrigens war der deutsche Landmaschinenhersteller CLAAS das erste ausländische Unternehmen, das einen Sonderinvestitionsvertrag mit der russischen Regierung unterzeichnet und sich damit den offiziellen Status eines einheimischen Unternehmens in der südrussischen Region Krasnodar gesichert hat.

    „Aber unser heutiges Ziel ist nicht einfach die Heranziehung von Direktinvestitionen. Der Hauptschwerpunkt liegt auf dem Zufluss von innovativen wissenschaftsintensiven Technologien, an denen Russland interessiert ist“, betonte der Minister.

    In Bezug auf die Automobilindustrie halte sich das Handelsministerium an eine „vernünftige Vorgehensweise“, um die Produktionslokalisierung zu fördern, sagte Manturow und fügte hinzu, dass „85 Prozent der auf dem Markt verkauften Autos in Russland hergestellt wurden“.

    Der AEB-Vorstandsvorsitzende Johan Vanderplaetse merkte seinerseits an, dass für europäische Unternehmen, die in die russische Wirtschaft investieren, ein ständiger Dialog äußerst wichtig sei: „Unser gemeinsames Ziel ist es, die russische Wirtschaft zu stärken, damit sie zu einer der führenden Wirtschaften in der Welt wird, sowie die Industrie durch den Einsatz von technischen Innovationen und besten Erfahrungen weiter zu entwickeln.“ Dazu gehöre aber auch die Förderung des fairen Handels und die Gewährleistung von gleichen Bedingungen für alle Teilnehmer der Wirtschaftstätigkeit, ergänzte Vanderplaetse.

    Manturow versicherte, die russische Regierung ziehe keine Grenze zwischen ausländischen und einheimischen Firmen. Der Schwerpunkt werde aber auf exportorientierte Erzeugnisse verlegt, die nicht nur auf den Märkten Russlands und der Eurasischen Wirtschaftsunion, sondern auch weltweit gefragt sein werden.

    Der Minister verwies darauf, dass Russland im neuen Doing Business Report 2019 auf Rang 31 liege (im Vergleich zum Vorjahr sei es vom Rang 35 nach oben geklettert). Der Handelsumsatz mit der Europäischen Union sei im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gestiegen, der gesamte Investitionsumfang aus der EU nach Russland habe in demselben Zeitraum 300 Milliarden Euro betragen. Das sei nicht wenig, merkte der Minister an.

    Die Vertreter von ausländischen Unternehmen haben aufrichtig bedauert, dass der Export aus der Europäischen Union nach Russland wegen der Sanktionen in den letzten Jahren um das Zweifache zurückgegangen sei, die Verluste haben 80 Milliarden Euro ausgemacht. Dr. Andreas Knaul, Leiter Rechts- und Steuerberatung von Rödl & Partner Russland, fragte, wie man einen gemeinsamen Markt zwischen der Europäischen Union und Russland bzw. Eurasien schaffen könne.

    „Falls wir jetzt ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnen“ scherzte Manturow, „befürchte ich, dass das Programm der Importsubstitution, für das ich zuständig bin, im Handumdrehen zusammenstürzt. Die russische Industrie wird diesen Drang nämlich nicht aushalten können.“ Der Minister hoffe aber darauf, dass man in zehn bis 15 Jahren im Zuge der Stärkung der russischen Industrie auf diese Frage zurückkommen werde.

    Die Ergebnisse des Treffens zusammenfassend, äußerte AEB-Geschäftsführer Frank Schauff die Hoffnung, dass „die russische Regierung alles Mögliche tun wird, um den bereits in Russland angekommenen Auslandsinvestoren die Arbeit zu erleichtern und dadurch neue Investoren anzulocken”.

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    Tags:
    Geschäft, Internationale Beziehungen, Unternehmen, Technologien, Partner, Business, Treffen, Innovationen, Kooperation, Export, Eurasische Wirtschaftsunion (EAEU), Claas, Assoziation der europäischen Geschäftstätigkeiten (AEB), Frank Schauff, Denis Manturow, EU, Krasnodar, Russland