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    Russische Käsen auf einer Wirtschaftsmesse auf dem Hauptausstellungsgelände Russlands (Archivbild)

    Russland gewinnt das „Sanktionsspiel“ – „National Interest“

    © Sputnik / Jekaterina Tschessnokowa
    Wirtschaft
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    In ihrem Artikel für das Magazin „National Interest“ schreibt die Politikwissenschaftlerin Judy Twigg von der Virginia Commonwealth University über die überraschend positive Wirkung der westlichen Sanktionen auf die russische Wirtschaft.

    Die Professorin weist darauf hin, dass die Sanktionen ursprünglich den „russischen Eliten auf eine Weise schaden sollten, die Putin bemerken würde“. Sie sollten als Vergeltung für „das Chaos in der Ukraine und auf der Krim sowie die rücksichtslosen Angriffe auf Sergej Skripal und andere“ dienen, deren Russland beschuldigt wird.

    Unter den Strafmaßnahmen, erinnert Twigg, sind der begrenzte Zugang zu Kapitalmärkten und Ausleihungen mit niedrigen Zinsen, ein Waffenembargo sowie das Ausfuhrverbot für Waren mit doppeltem Verwendungszweck für militärische Kunden. Daraufhin verhängte Russland eigene Sanktionen, die unter anderem den Import von Lebensmitteln aus der EU und den USA verboten.

    „Das Verbot (…) betraf viele Lebensmittel, auf deren Import Russland am meisten angewiesen war, und seine große geografische Reichweite hat es erschwert, die Fehlmengen durch den Anstieg der Einfuhren aus nicht-sanktionierten Ländern vollständig auszugleichen“, so die Autorin.

    Allerdings seien die Sanktionen mindestens in einem Bereich „ein Modellfall von unerwarteten Folgen – sie haben die russischen Landwirte auf ihren besten Stand gebracht“.

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    Twigg bezeichnet die Gegensanktionen als „ein Geschenk an die russische Lebensmittelindustrie“. Denn sie hätten eine Strategie des Importersatzes legitimiert und katalysiert, über den seit den 2000ern nachgedacht worden sei.

    „Viele Investoren, die sich bisher nicht mit der Landwirtschaft beschäftigt hatten, begannen plötzlich, sich dafür zu interessieren. Auch die High-End-Oligarchen bekamen die Botschaft, und der Landwirtschaftssektor wurde für manche zu einem Punkt des Nationalstolzes und des Patriotismus“, schreibt Twigg weiter.

    Nun gewährt die russische Regierung riesige Subventionen für die Entwicklung der einheimischen Lebensmittelherstellung, und eine neue gesetzliche Anforderung für das öffentliche Auftragswesen gibt Präferenzen für inländische Produkte. Dort wollen sogar von Sanktionen nicht betroffene Hersteller miteinbezogen werden.

    Wie die Autorin anmerkt, forderten russische Süßwarenhersteller in Juni 2015 eine Ausweitung der Gegensanktionen auf europäische Schokolade, um in die derzeit von Belgien, Frankreich und Deutschland besetzte Marktlücke einsteigen zu können.

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    Zwischen 2014 und 2016 betrug das Wachstum des russischen Lebensmittelsektors 3,2 Prozent.

    Russland produziere nun doppelt so viel Getreide, wie im Land verzehrt werde, und sei bei Zucker und Fleischwaren nahezu autark, erläutert Twigg.

    „Die inländische Produktion hat die Importe von Schweine- und Hühnerfleisch völlig verdrängt. 2016 wurde Russland zum weltweit größten Getreideexporteur und überholte damit den Waffenhandel als zweitgrößte Exportware (nach Öl und Gas) mit einem Volumen von fast 21 Milliarden US-Dollar“, heißt es.

    Die Autorin erläutert, dass russische Kunden nach den Sanktionen einen „Nahrungsnationalismus“ aufweisen – über 90 Prozent der Konsumenten in den Städten gaben 2015 und 2016 an, sie würden in Russland hergestellte Produkte bevorzugen, sogar wenn preisgleiche importierte Waren vergleichbarer Qualität zur Verfügung stünden.

    Somit resümiert Twigg, dass „Russland das Sanktionsspiel gewinnt“ – trotz einiger Herausforderungen.

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    Tags:
    Importersatz, Wirtschaftswachstum, Wirtschaft, Embargo, Sanktionen, The National Interest, Judy Twigg, EU, USA, Russland