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    Siemens-Fabrik in Russland (Archivbild)

    In schweren Zeiten: Wie das Russland-Geschäft der deutschen Wirtschaft floriert

    © Sputnik / Alexander Galperin
    Wirtschaft
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    Investitionen in Rekordhöhe und ein Wachstum des gegenseitigen Handels in Höhe von fast 20 Prozent: Das Russland-Geschäft der deutschen Unternehmen erlebt einen Aufschwung - trotz Sanktionen. Warum das möglich ist und was das für die russische Wirtschaft bedeutet – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Nothing personal, just business

    Die Investitionen der deutschen Unternehmen in Russland stiegen im vergangenen Jahr um 26 Prozent auf 2,4 Mrd. Dollar – ein absoluter Rekord. Der gegenseitige Handelsumsatz stieg um 19 Prozent auf 59,6 Mrd. Dollar. Das zeigt, dass die Sanktionen nicht imstande sind, den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu stoppen, wenn die Unternehmen in beiden Ländern interessiert sind.

    So lautete der Tenor auf einer Konferenz im Februar in Berlin, an der der russische Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin, sein deutscher Kollege Peter Altmaier und Vertreter von 450 deutschen Unternehmen teilnahmen.

    Oreschkin hob die besondere Rolle der deutschen Unternehmer bei der Modernisierung der russischen Wirtschaft hervor und rief zu einem aktiveren Einstieg auf den russischen Markt auf.

    “Deutsche Unternehmen brauchen keine Zweifel daran zu haben, dass sie in Russland ein faires Verhalten mit zuverlässigen Rahmenbedingungen erwartet”, sagte Oreschkin.

    Russlands Wirtschaftsminister erinnerte daran, dass im Land derzeit rund 4700 deutsche Unternehmen tätig sind, die fast 270.000 Arbeitsplätze geschaffen haben.

    Die erfolgreichsten Unternehmen wissen bereits seit langem, dass die beste Geschäftsstrategie nicht einfach das Verschicken von Waren über die Grenze, sondern Investitionen in die Schaffung der Kapazitäten und Lokalisierung der Produktion in Russland ist.

    Im vergangenen Jahr wurden die Pläne des deutschen Automobilherstellers BMW bekannt, ein Werk im Industriepark Chrabrowo im Gebiet Kaliningrad zu bauen. Die Gesamtinvestitionen dieses Vorhabens werden auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt.

    Die Wahl des deutschen Autobauers ist klar – Chrabrowo gehört zur Sonderwirtschaftszone. Das heiβt, dass die Investoren innerhalb der ersten Jahre von den Steuern auf Gewinn, Vermögen und Boden befreit werden.

    Der Gouverneur des Gebietes Kaliningrad, Anton Alichanow, ist davon überzeugt, dass das neue Werk das Exportpotential der Region erhöhen wird — denn ein Teil der produzierten Autos soll in die Länder der EAWU exportiert werden.

    Der Autobauer Mercedes hat den Bau eines eigenen Werks im Industriepark Jessipowo bei Moskau bereits früher begonnen — im Juni 2017, wobei in das Projekt rund 300 Mio. Euro investiert wurden. Nach der feierlichen Eröffnung Anfang April soll das Werk mehr als tausend Einwohnern des Gebietes Arbeit geben.

    Auch Energieunternehmen, die am Programm zur Modernisierung der Wärmekraftwerke im Wert von 1,9 Bio. Rubel teilnehmen wollen, sind in Russland aktiv.

    Siemens erklärte vor kurzem, dass die Lokalisierung der Produktion der Gasturbinen SGT 5-2000E mehr als 60 Prozent ausmacht. Sie werden in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Silowyje Maschiny in der Nähe von Sankt Petersburg gebaut.

    Dabei sicherte Siemens zu, dass im Fall einer dauerhaften Nachfrage nach Turbinen in den kommenden zehn bis 15 Jahren (darunter dank der Teilnahme am Programm zur Modernisierung der Wärmekraftwerke) das Unternehmen in den Ausbau der Lokalisierung der Produktion auf hundert Prozent investieren wird.

    Alles läuft

    Russland baut auch das Profizit in der Außenhandelsbilanz mit Deutschland aus, wie der russische Zolldienst berichtet. Im vergangenen Jahr stieg diese Kennzahl auf 8,6 Mrd. Dollar, da die deutschen Importe aus Russland um 32,5 Prozent (34 Mrd. Dollar) stiegen und die Exporte nur um 5,3 Prozent (25,5 Mrd. Dollar) wuchsen.

    Nach Angaben des Zolldienstes entfällt der gröβte Teil der russischen Importe aus Deutschland auf Maschinen, Ausrüstungen und Anlagen, darunter für die Atomenergie. Im vergangenen Jahr exportierte Deutschland nach Russland Waren dieser Art im Wert von fast 8,7 Mrd. Dollar (34 Prozent der gesamten Importe).

    Auf dem zweiten Platz folgen Autos und Autobestandteile (3,8 Mrd. Dollar), gefolgt von Medikamenten (2,2 Mrd.), Kunststoff-Erzeugnissen (1,7 Mrd.) und präzisen Anlagen – medizinische, chirurgische und Messgeräte (1,2 Mrd).

    Die russischen Exporte nach Deutschland basieren weiterhin auf Energieträgern. Rund 85 Prozent entfielen auf Mineralkraftstoffe, Öl und Ölprodukte – 29 Mrd. Dollar.

    Auf dem dritten Platz folgen Kupfer und Kupfererzeugnisse (828 Mio. Dollar), gefolgt von Schwarzmetallen (627 Mio.), Edelmetallen und –steinen (568 Mio.), Holz und Holzkohle (326 Mio. Dollar).

    Der Anteil der Ölprodukte an den Lieferungen nach Deutschland blieb im Vergleich zum Vorjahr auf dem gleichen Niveau. Das heißt, dass das Wachstum der Exporte um 32,5 Prozent nicht nur mit Kraftstoffen, sondern auch mit anderen Waren erreicht wurde.

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    Tags:
    Autobauer, Konzern, Internationale Beziehungen, Unternehmen, Wachstum, Investitionen, Handel, Export, Import, Sanktionen, Mercedes, BMW, Siemens, Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU), Anton Alichanow, Maxim Oreschkin, Peter Altmaier, Kaliningrad, Deutschland, Russland