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07:05 23 September 2019
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    Wirtschaft liebt es weich: Bertelsmann-Autor erklärt Verluste wegen Brexit - EXKLUSIV

    © AFP 2019 / Daniel Roland
    Wirtschaft
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    Der harte Brexit könnte das Bruttoeinkommen in Deutschland um zehn Milliarden Euro jährlich schmälern, geht aus der neuen Bertelsmann-Studie hervor. Pro Kopf wären dies 115 Euro weniger. Nun hat der Autor der Studie, Dr. Dominic Ponattu, Sputnik erzählt, wodurch diese Verluste erfolgen würden und wer davon profitieren könnte.

    Am härtesten würde ein „No-Deal-Brexit“ allerdings die Briten selbst treffen: Ihnen prophezeien der Bertelsmann-Wirtschaftsexperte Dr. Dominic Ponattu und Dr. Giordano Mion  von der University of Sussex Einkommensverluste von 57 Milliarden Euro pro Jahr und rund 900 Euro pro Einwohner, beides vom BIP berechnet. Die Deutschen müssten sich dabei auf Einkommensverluste in Höhe von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr und rund 115 Euro pro Person einstellen — nach Großbritannien wären das die zweithöchsten Verluste in der EU. Wäre das jedes Jahr so?

    „Technisch gesehen wäre es immer so, wenn nichts anderes in der Welt passiert“, kommentiert Ponattu gegenüber Sputnik. „Allerdings werden sich in 10-15 Jahren die Wirtschaftsstrukturen verändern und damit die Kosten verringern.“

    Fragt man den Experten nach den Branchen, dann kann er keine mit Erkenntnissen belegte Antwort geben: Die beiden Forscher hätten für ihre Studie unabhängig zum Großteil die Handelsströme berücksichtigt, die keine Daten zu den Industriezweigen oder Firmen offenlegen. Alle Daten würden entweder von Eurostat oder von der UN Comtrade-Datenbank der Vereinten Nationen stammen. „Aber klar wird die Automobilindustrie stark vom Brexit betroffen werden sowie auch die Chemie- und Pharma-Branchen, alle vom Handel mit Großbritannien stark geprägt.“

    Werden Russland, USA und China vom Brexit unbedingt profitieren?

    In der Studie betonen die Forscher, die USA könnten von einem harten Brexit in Höhe von 13 Milliarden Euro jährlich profitieren. In China würden die Einkommen um rund fünf Milliarden Euro jährlich steigen, in Russland wäre mit einem leichten Anstieg aufgrund des Brexit in Höhe von rund 260 Millionen Euro jährlich zu rechnen. Wie würde das funktionieren? „Da, wo Großbritannien viel importiert, z.B. viele Maschinen und Autos, wäre das außereuropäische Ausland nun attraktiver, denn wegen der Zölle werden die Kosten sehr ähnlich. Da könnten die USA, China und Russland eingreifen.“

    Diese deutschen Regionen müssen auf Verluste achten

    Als Ziel seiner Studie wollte Ponattu vor allem zeigen, welche Regionen vom Brexit betroffen sein werden. Besonders betroffen wären die Regierungsbezirke Düsseldorf, Köln und Oberbayern, in denen ein harter Brexit mit Einkommensverlusten in Höhe von 520 bis 650 Millionen Euro pro Jahr schwer wiegen würde. Auch die Pro-Kopf-Verluste wären in diesen Regierungsbezirken mit jeweils 126 Euro im Bundesvergleich mit am höchsten.

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    Es folgen bei den absoluten Einkommensverlusten die Regionen Oberbayern und Stuttgart. In Oberbayern, das etwa München und Ingolstadt einschließt, wären Dienstleistungen und die Automobilindustrie betroffen, sodass mit Einkommensverlusten in Höhe von etwa 526 Millionen Euro jährlich zu rechnen wäre. In Stuttgart lägen diese laut Simulation bei 473 Millionen Euro jährlich.

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    © Sputnik / Pool/ Dmitrij Asarow

    Es sei Dr. Ponattu auch darum gegangen, auf die Notwendigkeit eines weichen Brexit hinzuweisen. Der harte Brexit wäre ungefähr doppelt so teuer wie der weiche Brexit, so der Experte. „Was langfristig werden könnte, ist, dass die EU ein Freihandelsabkommen mit Großbritannien schließen könnte, das wäre noch nicht gleichbedeutend mit der Qualität des Binnenmarktes, aber schon viel schonender für die Wirtschaft.“ Allerdings werden die Freihandelsabkommen im Durchschnitt innerhalb von zehn Jahren abgeschlossen, dasjenige mit den USA sei sogar auf Eis gelegt worden. Sollte die Verlegung des Brexit zum weichen Brexit führen, wäre sie allerdings wünschenswert. „Aber diese garantiert nicht, dass es am Ende doch nicht zu einem harten Brexit kommt.“

    Faktencheck:

    Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2018 laut dem Statistischen Bundesamt rund 3,39 Billionen Euro. Das BIP pro Kopf betrug dabei 40.833 Euro.

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    Tags:
    Bruttoinlandprodukt, EU-Ausstieg, Verluste, Folgen, Einkommen, BIP, Brexit, Bertelsmann, Bertelsmann Stiftung, UN, EU, Europa, Großbritannien, Deutschland