Widgets Magazine
04:15 19 September 2019
SNA Radio
    Barry Callebaut Schokolade

    Schweizer Firmen haben Russland auf dem Radar – und nicht nur bei Schokolade

    © AFP 2019 / EMMANUEL DUNAND
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    41154
    Abonnieren

    Schweizerische Firmen erschließen energisch den russischen Markt. Die US-Sanktionen spielen ihre Rolle als Landesrisiko, doch die makroökonomischen Daten in Russland seien sehr gut. Innovative Technologien stehen im Vordergrund. Alberto Groff, Leiter der Wirtschaftsabteilung in der Schweizer Botschaft in Russland, im Gespräch mit Sputnik.

    „In Russland sind zurzeit etwa 200 schweizerische Unternehmen tätig. Sie kennen den Markt gut und wissen, wo sie investieren wollen. Zum Beispiel wird die schweizerische Firma AWB in Kaliningrad ein Trainingszentrum eröffnen. Kaliningrad ist eine Region, die nicht typischerweise bekannt ist, aber die Firma hat dort die besten Voraussetzungen gefunden, um diese Investition zu tätigen“, sagte Groff.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Deutsche Investitionen in Russland um 26 Prozent gestiegen<<<

    Außer AWB habe der größte Schokoladenverarbeiter der Welt Barry Callebaut 2018 entschieden, in ein Joint Venture einzusteigen. Auch der Betonhersteller Sika sei in Russland tätig. Da die Pharmabranche im Land stark sei, versuche das Pharmaunternehmen Novartis Roche, sich verstärkt auf dem russischen Markt zu engagieren.

    Laut Groff gibt es Projekte, die noch diskutiert werden. Wichtige Investitionsentschiede werden natürlich vom Standpunkt Länderrisiko analysiert. Es gebe unter neuen Unternehmern eine gewisse Vorsicht bezüglich der Investitionen. Die Schweiz habe keine Sanktionen gegen Russland verhängt und sei nicht unter Gegenmaßnahmen geraten. Doch die möglichen US-Strafmaßnahmen beeinflussen die Businessstimmung auf ernste Weise.

    „Man muss sich überlegen, wenn man in den USA aktiv ist, was heißt es, wenn wir jetzt eine wichtige Investition in einem sensiblen Bereich tätigen, was heißt es für unser USA-Geschäft. Das sind normale Fragen, die sich die Firmen stellen. Aber sie werden ihre Investitionsentscheidungen nicht aufgrund dieses einzelnen Elements, sondern aufgrund vieler Faktoren treffen. Und diese Faktoren haben stark damit zu tun, wie die gesamtwirtschaftliche Situation in Russland ist. Die makroökonomischen Daten sind in Russland sehr gut, die Ratingagenturen erachten Russland als ‚Investment Grade‘ – das ist ein wichtiges Zeichen für alle Investoren“, betonte Groff.

    Um zu wissen, was richtig sei, müsse man den jeweiligen Markt gut kennen, fügte er hinzu. Das brauche Zeit und gute Kontakte: „Das kann man nicht über Nacht erarbeiten, man muss mit den Leuten sprechen, man muss hier sein, dann werden viele Sachen etwas relativiert.“

    Russlands heutiges Ziel ist nicht einfach die Heranziehung von Direktinvestitionen. Den Hauptschwerpunkt legt man auf den Zufluss von innovativen wissenschaftsintensiven Technologien, an denen Russland interessiert ist. Darüber spricht man immer wieder in den russischen Regierungskreisen. Was kann die Schweiz anbieten?

    „Ich glaube, wir können Technologien in den Bereichen vorschlagen, die für Russland wichtig sind: in der Luftfahrt und in der Raumfahrt. Das ist eine Hochtechnologie, dort gibt es Schweizer Unternehmen, die eine hochspezialisierte Expertise haben und gerne bereit sind, mit den russischen Staatsunternehmen zusammenzuarbeiten. Sie tun das bereits, aber man möchte diese Zusammenarbeit ausweiten. Unsere Firmen haben Russland immer auf dem Radar“, merkte der schweizerische Diplomat an.

    Während der Geschäftsmission nach Samara am 21. Februar 2019 besuchten die schweizerischen Unternehmer die Nationale Forschungsuniversität, die Koroljows Namen trägt. Zudem fand ein gemeinsames Seminar mit der Russischen Föderalen Weltraumagentur „Roskosmos“ statt. Laut Groff  ist die Anfrage für die Veranstaltung von den schweizerischen Unternehmen gekommen, viele von ihnen sind an einer engen Zusammenarbeit mit Kollegen aus Russland interessiert.

    „Samara ist durch Weltraumtechnologien bekannt und das ist eine kennzeichnende Nische für die schweizerischen Unternehmen. Wir erzeugen hochtechnologische Geräte, die in unterschiedlichen wissenschaftsintensiven Wirtschaftszweigen angewendet werden können“, so Alberto Groff.

    Samara wurde nicht zufällig gewählt. Hier werden Raketenträger und andere Flugapparate hergestellt, die Region besitzt ein großes Potential in der chemischen und pharmazeutischen Branche. Einige ausländische Unternehmen haben bereits ihre Produktion nach Samara versetzt, darunter Dupont, Bosch, Danone und Nestle. Nun haben auch die schweizerischen Unternehmen Acutronic, Clemessy Switzerland AG und Clemessy Rus LLC, Rollvis AG, S. C. E Experts, Starrag AG, TL Technology, Galika, CSEM und andere Interesse gezeigt.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: BVMW-Geschäftsführer: Sanktionen können ostdeutsche Unternehmen in Insolvenz treiben<<<

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Chemie, Pharmazie, Raketen, Technologien, Innovationen, Investitionen, Unternehmen, Nestle, Danone, Robert Bosch GmbH, Roskosmos, Novartis Roche, Sika, Barry Callebaut, AWB, Alberto Groff, Samara, USA, Schweiz, Russland