05:57 19 November 2019
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    Handelshafen in Qingdao, China (Archivbild)

    Neue Seidenstraße von China nach Europa – wer profitiert?

    © AFP 2019 / STR
    Wirtschaft
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    Die „Neue Seidenstraße” oder das „One Belt, One Road”-Projekt ist das Vorhaben, das China seit mehreren Jahren durchsetzt. Wie alle Initiativen des Reichs der Mitte wird dieses Projekt auch mit einer bestimmten Philosophie und einer soliden Finanzierung versorgt.

    Was hat Europa zu erwarten? Russische Experten teilten ihre Meinungen gegenüber Sputnik mit.

    „Es ist klar, dass China auf seine Idee nicht verzichten wird. China sucht nach bestimmten Wegen nach Europa. Es gibt Handelsplätze in Luxemburg und London, wo bereits in Yuan gehandelt wird. Diese rasante Bewegung Chinas Richtung Westen ist kaum zu stoppen”, sagte Michail Beljajew, Experte des Russischen Instituts für strategische Studien.

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    Italien, das Investitionen brauche, habe diesem Drang schon nachgegeben, weil China die nötigen Investitionen zur Verfügung stellen könne – natürlich nicht uneigennützig. Europa verstehe schon, dass dem Verhandlungsprozess ein bestimmter Rahmen gesetzt werden müsse, in dem man Präferenzen für sich vereinbaren könne.

    „Das ist viel besser, als wegen des Souveränitätsverlusts Alarm zu schlagen. So kann man jede Zusammenarbeit als Abhängigkeit interpretieren. Europa hinkt heute China in den Bereichen Handel, Wirtschaft und Technologie hinterher und wird selbstverständlich Zugeständnisse machen müssen, aber das ist nur der Fall, wenn diese Zugeständnisse Vorteile bringen“, meint Beljajew.

    Italien, wie auch andere an der „Neuen Seidenstraße“ beteiligte EU-Länder, in denen Euroskeptiker an der Macht sind (Österreich, Tschechien, Polen, Ungarn), versuchen  die Abhängigkeit von den in Brüssel getroffen Entscheidungen zu minimieren. Das sei ein natürliches Bestreben jedes Staates, der sich um seine nationalen Interessen kümmere  und gleichzeitig im einheitlichen Rahmen der Europäischen Union handle, meint der Wirtschaftswissenschaftler.

    Seinen Worten zufolge versucht Deutschland in dieser Situation das Gesicht zu wahren. Die Bundesrepublik sei an ihre Rolle als europäisches Führungsland bereits gewöhnt und habe die Oberhand, obwohl sie in Allianz mit Frankreich auftritt. „China macht kein Hehl aus seinen Absichten und seiner Zuversicht, dass es in Europa Fuß fassen wird. Deutsche Politiker verstehen das und die Bundesrepublik sieht sich gezwungen, diesem langsamen, aber unwiderstehlichen Drang nachzugeben.“ 

    China befürchtet seinerseits, dass die USA Kontakte Europas mit China, Zentralasien und anderen eurasischen Regionen einschränken werden, wie das schon mit Nord Stream passiert. Deswegen muss sich China dabei Unterstützung von der EU-Kommission, dem EU-Parlament und anderen Strukturen des Großen Europas holen. Italien, das über einen Zugang zum Weltozean verfügt, kann neben Griechenland zum wichtigsten Bestandteil des Transportsystems der „Belt and Road”-Initiative werden. Die Frage ist, wieviel Geld Europa dafür investieren soll. Anscheinend werde China von geringen europäischen Investitionen reden, so Alexej Skopin, Professor an der Moskauer Universität für Geisteswissenschaften, RGGU, gegenüber Sputnik.

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    „Man muss sich im Klaren sein: Wenn China Dutzende oder Hunderte Milliarden Euro investiert, muss die Volksrepublik Garantien bekommen, dass diese Objekte in erster Linie in ihrem Interesse genutzt werden. Heute gibt es fast in allen europäischen Ländern Terminals, die China gehören. Deswegen kommt es mir vor, dass die Befürchtungen, Europa könne an Souveränität einbüßen, gekünstelt sind. Europa hat das Ziel, gesteigerten Wert auf sich zu legen und China von seinen Entscheidungen abhängig zu machen”, merkt Skopin an.

    Darin liege auch nach der Meinung des Experten die Ursache für die Vorwürfe gegen das chinesische Unternehmen Huawei. Die Europäische Union sei der Meinung, die Entwicklung der 5G-Technologie von Huawei könne die Sicherheit der Union gefährden. Die Anschuldigungen kommen von den USA und Kanada: Neue Technologien bedeuten neue Möglichkeiten für Industrie-, Zivil- und Militärspionage. „Diese Befürchtungen sind wahrscheinlich berechtigt. Aber das ist eher ein Druckmittel auf China, eine Voraussetzung für den Markthandel Europas mit China, das in solche Bedingungen gesetzt wird, in denen man auch etwas für sich aushandeln kann.“

    Die „Neue Seidenstraße“ sei auch für Russland, das den nördlich gelegenen Bereich der Straße aus China nach Europa betreut, vorteilhaft, so der Analytiker.

    Größere Gewinne seien vom Transit und von chinesischer Unterstützung russischer Projekte zu erwarten als von den Hindernissen, die sowohl Russland als auch China bei der Umsetzung der „One Belt, One Road-Initiative“ in den Weg gelegt werden können.

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    Zweifellos nutzt China die Wirtschaftslage der europäischen Länder aus, die Investitionen brauchen, macht aber dabei keine vorschnellen Schritte. Seinerzeit hat China die Idee der „Neuen Seidenstraße“ bis Lissabon eingebracht und setzt nun diese Initiative konsequent um. Das ist eine Besonderheit der chinesischen Philosophie, die zum Erfolg führt: Ganz deutlich zu erahnen, was man gerade unternehmen muss.

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    Tags:
    Transit, Technologie, 5G, Handel, Neue Seidenstraße, Huawei, Alexej Skopin, Michail Beljajew, Kanada, USA, Frankreich, Deutschland, EU-Länder, Italien, Europa, China, Russland