05:53 23 April 2019
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    Warum investieren deutsche Unternehmen nicht in die Ukraine? – Experte

    © Sputnik / Witlalij Timkiw
    Wirtschaft
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    Nikolaj Jolkin
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    Deutsche Konzerne halten sich nach Ansicht des Sondergesandten der Bundesregierung für die Ukraine und ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt von der Ukraine fern. Dies wundert den Ex-Diplomaten Nikolai Platoschkin nicht.

    Im Sputnik-Interview sagte er: „Nehmen wir die energetischen Tarife in der Ukraine. Die Unternehmen, die investieren, bezahlen doch Strom und Gas. Tausend Prozent Anstieg dieser Energiekosten in vier Jahren! Das würde jedes Unternehmen davon abhalten, irgendwo zu investieren. Und die politische Instabilität… Wer wird Präsident der Ukraine sein? Was für eine Politik wird er oder sie führen? Das weiß keiner. Sogar in der Ukraine.“.

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    Der Experte stellt auch die Frage, ob man in ein Land investiert, wo die Außenverschuldung so ist, dass die Devisenreserven nicht einmal für drei Monate ausreichen? „Die deutschen Unternehmen, auch die amerikanischen, die französischen, egal welche, verdienen in der Ukraine in der nationalen Währung. Aber die Profite möchten sie doch in Deutschland nicht in Hrywnjas, in der ukrainischen Währung, sondern doch bitte in Euro haben. Und wenn die Inlandswährung immer wieder abgewertet wird?“

    „Auch Arbeitskräfte wandern ab“, fährt Platoschkin fort. „Die Europäische Union hat die Visapflicht für die Ukraine aufgehoben, und anderthalb Millionen der Ukrainer arbeiten jetzt in Polen. Das ist also ein ganzes Bündel von Faktoren, die nicht mit Russland zusammenhängen, sondern mit der Politik der ukrainischen Regierung.“

    Der Experte führt weiter aus: „Nach den Angaben des Internationalen Währungsfonds – und das ist nicht irgendeine Organisation, die man der besonderen Sympathie für Russland verdächtigen kann – ist jetzt das BIP der Ukraine um hundert Milliarden Dollar niedriger, als es im Jahre 1990 war, also weit vor dem Maidan. In den letzten fünf Jahren hat die nationale Währung der Ukraine dreimal an Wert verloren, und die Energietarife sind gewachsen.“

    Die Ukraine wolle jetzt kein russisches Gas mehr importieren, räumt der Ex-Diplomat ein: „Sie importiert russisches Gas aus Westeuropa. Das mag politisch opportun sein, aber das ist dreimal oder zweimal teurer, als wenn man es aus Russland importieren würde. Wenn ich als deutscher Unternehmer das alles einkalkuliere, wieso soll ich dann in dieses Land investieren? Und wenn man schon investiert, möchte man doch was verkaufen? Und wenn sich der Durchschnittslohn in der Ukraine bei 200 Euro monatlich einpendelt, wer wird dann deutsche Produkte kaufen? Keiner.“

    War der Umsturz in der Ukraine im Interesse der deutschen Wirtschaft?

    „Durchaus nicht“, meint Platoschkin. „Die deutsche Wirtschaft sollte diese Frage der Frau Bundeskanzlerin stellen, die eine der wenigen Weltregierungschefs war, die hinter dem Maidan gestanden haben. Man sollte Frau Merkel fragen, was sie mit der Unterstützung des Maidans erreicht hat. Nach den Umfragen der Amerikaner in der Ukraine misstrauen dem heutigen Präsidenten 80 Prozent der Bevölkerung. Und das sind keine russischen Umfragen. Oder 82 Prozent der Ukrainer glauben laut diesen Umfragen, dass das Land in die falsche Richtung geht. Würden Sie in solch ein Land investieren?“

    Das komplette Interview mit Nikolaj Platoschkin zum Nachhören:

    Tags:
    Partnerschaft, Wirtschaft, Investitionen, Unternehmen, BIP, Maidan, EU, Angela Merkel, Petro Poroschenko, Ukraine, Deutschland