00:01 23 April 2019
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    Trotz Gegenwind: Nord Stream 2 auch an Land im Plan – Sputniknews vor Ort in Lubmin

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    Andreas Peter
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    Die Gegner der Erdgaspipeline Nord Stream 2 haben noch nicht aufgegeben. Ihre Hoffnung ruht auf der fehlenden Genehmigung durch Dänemark. Die Investoren der Trasse sind überzeugt, es gibt keinen Grund, eine Genehmigung zu verweigern. Und die Bauarbeiten liegen im Plan. Sputniknews hat sich am deutschen Anlandepunkt in Lubmin informiert.

    Wenn man sich von Berlin aus in Richtung Norden auf den Standort des früheren DDR-Atomkraftwerkes Lubmin zubewegt, fallen einem irgendwann viele Rohre auf Feldern entlang der Straße auf. Sie gehören nicht zu Nord Stream 2. Sie sind Teil der EUGAL, der Europäischen Gasanbindungs-Leitung. Aber dazu kommen wir noch.

    Bei Lubmin, etwa 15 Kilometer nordöstlich von Greifswald sieht es eher aus, als würde eine Chemiefabrik gebaut. Auch dieses Gewirr aus Rohren gehört nicht direkt zu Nord Stream 2. Es ist die Anlage der Firma GASCADE, die das aus Russland kommende Gas verteilen wird, unter anderem über die EUGAL. Aber, wie schon gesagt, dazu später.

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    Alles an der so genannten Anlandestation Lubmin wirkt eher unscheinbar und unspektakulär. Und tatsächlich sind das Einzige, was Besucher wie wir von der viel diskutierten Gas-Leitung sehen, zwei schwarze Rundungen in Erdgruben, die in einem Betonsockel stecken. Davor stehen wir mit Steffen Ebert, einem der Sprecher von Nord Stream 2, der uns erklärt, was es mit den unscheinbaren schwarzen Rohren auf sich hat:

    „Wir haben zwei Tunnelröhren ausgehoben, mit zwei Meter Innendurchmesser, und durch diese Tunnelröhren wurden dann im Sommer letzten Jahres jeweils die Rohrstränge hier nach Lubmin reingezogen. Also vom Verlege-Schiff, welches in der Ostsee gestanden hat und die Rohre produziert hat und ein Rohr an das andere angeschweißt hat, wurde es dann über eine große Seilwinde durch die Tunnel bis hier an Land gezogen.“

    Dieser Aufwand wurde betrieben, nicht nur um den Küstenwaldstreifen, sondern ganz generell das empfindliche Ökosystem vor Ort zu schützen. Immerhin lebt die Region auch und vor allem vom Tourismus, wie die kleine Marina in direkter Nachbarschaft zur Anlandestation zeigt.

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    Doch Umweltauflagen betreffen auch die komplette mehr als 1.200 Kilometer lange Strecke der Pipeline mit zwei Rohrsträngen. Denn die mehr als 200.000 bis zu 24 Tonnen schweren Rohre wurden sowohl innen als auch außen beschichtet und werden dann in Mukran auf Rügen noch mit einer Betonummantelung versehen, bevor sie, aneinander geschweißt, ins Meer gelassen werden.

    Doch zurück zu den beiden Anlandestutzen in Lubmin und zu Steffen Ebert, der uns erklärt, wie es weitergeht:

    „Als nächstes werden wir hier diese Rohrführung über die Erde bringen, das heißt, über einen so genannten Schwanenhals; ein S-förmiges Rohr, welches sich in Vorbereitung befindet, wird unten angeschweißt und bringt dann das Rohr überirdisch. Und hinter uns kann man sehen, den weiterführenden Rohrstrang, dort stehen schon die großen Ventile, die dazu da sind, den Gasstrom im Bedarfsfall komplett zu stoppen.“

    Insgesamt gibt es acht Ventile, alle in Italien als Stahlguss gefertigt und über 100 Tonnen schwer. Erst diese Ventile ermöglichen die Weiterleitung in die bestehenden Gas-Leitungssysteme Deutschlands und Europas beziehungsweise in die neu gebauten, wie die schon erwähnte EUGAL. Sie verläuft durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen und wird dann mit Leitungen in der Tschechischen Republik verbunden.

    Wir waren in der Nähe von Pasewalk auf der Baustelle einer von sechs Absperrstationen, die alleine auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns gebaut werden. Diese EUGAL liegt, wie auch Nord Stream 2, nach Angaben der Bauleitung im Plan. Auch wenn aus Dänemark noch eine Genehmigung aussteht. Nord Stream 2 hat vorsorglich Anträge für zwei Routen durch dänische Gewässer frist- und formgerecht eingereicht. Und nach Meinung der Geschäftsführung sowie der Investoren von Nord Stream 2 gibt es keinen Grund, eine Genehmigung zu verweigern. Ziel ist nach wie vor, die Bauarbeiten bis Ende 2019 abzuschließen.

    Tags:
    Rohre, Gasleitung, Bau, Gas, Nord Stream 2, Deutschland, Russland
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