16:31 13 Dezember 2019
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    Ölplattform in Schottland (Archivbild)

    Grüne „Gefahr“: Klimawahn treibt Welt in Energiekrise - Meinung

    © REUTERS / Russell Cheyne
    Wirtschaft
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    Weltweit müssen sich die Öl- und Gasunternehmen dem Druck der Kämpfer gegen die globale Klimaerwärmung beugen. Allianzen zwischen Investoren und Aktionären zwingen die Ölfirmen dazu, ihre Strategie zugunsten erneuerbarer Energiequellen zu ändern. Könnten die Grünen die Welt in eine Energiekrise stürzen?

    „Lasst das Öl unter der Erde“

    Norwegens Parlament hat unlängst ein Verbot für die Öl-Erschließung vor den Lofoten-Inseln in der Barentssee verhängt und damit die nationale Ölindustrie an den Rand einer Krise gebracht. Die Vorräte an der Lofoten-Küste werden auf drei Mrd. Barrel im Gesamtwert von rund 65 Mrd. Dollar geschätzt.

    Ölraffinerie von Citgo in Illinois, USA (Archivbild)
    © AFP 2019 / SCOTT OLSON / GETTY IMAGES NORTH AMERICA

    Norwegische Unternehmen verbinden mit den Lofoten die größten Hoffnungen auf die Aufrechterhaltung ihrer Öl- und Gasfördermengen, weil die restlichen Vorkommen beinahe erschöpft sind. Im Januar berichtete die staatliche norwegische Ölbehörde NPD über die Herabstufung der Förderprognose in diesem Jahr um 4,8 Prozent auf den Negativrekord seit 30 Jahren – 1,42 Mio. Barrel pro Tag. Dabei ging die Ölförderung im vergangenen Jahr bereits fast um sieben Prozent zurück.

    „Die gesamte Branche ist überrascht und enttäuscht vom Beschluss des Parlaments“, sagte der Chef des Norwegischen Öl- und Gasverbandes Karl Eirik Schjott-Pedersen gegenüber Bloomberg. Die Ölunternehmen befürchten, dass der nächste Schritt der Gesetzgeber das vollständige Verbot für Erschließungsbohrungen in der Barentssee sein könnte.

    Wohl zu Recht, weil in der norwegischen Gesetzgebung das Ziel festgeschrieben ist, zum Jahr 3030 die Treibhausgasemissionen um das Elffache zu senken – von elf Tonnen auf eine Tonne pro Kopf. Der Druck der norwegischen Behörden auf die Ölunternehmer nimmt also ständig zu.

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    Vor etwa einem Monat empfahl die norwegische Regierung dem Staatlichen Pensionsfonds Ausland (GPFG), dessen verwaltetes Vermögen bei mehr als einer Billion Dollar liegt, die Aktienkäufe von Unternehmen zu kürzen, die sich mit der Erschließung und Förderung von Erdöl und Erdgas befassen. Finanzministerin Siv Jensen erklärte das mit der Absicht, mehr in die Unternehmen zu investieren, die sich mit erneuerbaren Energiequellen befassen.

    Auf den norwegischen Öl- und Gassektor entfallen rund 22 Prozent des BIP und 67 Prozent des Exports. Knapp 200.000 Beschäftigte sind in diesem Bereich direkt oder indirekt tätig, dennoch wird diese Politik  von der Bevölkerung befürwortet.

    Laut einer Umfrage der internationalen Consultingfirma Ipsos sprachen sich 44 Prozent der Norweger dafür aus, „das Öl unter der Erde zu lassen“, wenn dies dabei helfen würde, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

    Geld spielt nicht die Hauptrolle

    Die Angst vor der globalen Klimaerwärmung könnte zum Hauptproblem der globalen Öl- und Gasindustrie werden.

    In das irische Parlament wurde im Herbst ein Gesetzentwurf über das Verbot für den Ireland Strategic Investment Fund (ISIF) eingebracht, in Projekte bzw. Unternehmen zu investieren, bei denen mehr als 20 Prozent der Einnahmen mit der Förderung von fossilen Brennstoffen, darunter Kohle, Öl, Gas bzw. Torf, verbunden sind. Ähnliche Beschränkungen wollen auch andere Europäische Länder mit staatlichen Investmentfonds einführen.

    Doch das erscheint nur als ein kleines Problem im Vergleich zur Bildung von großen Gruppen von „grünen“ Investoren und Aktionären, die nicht mehr auf kommerzielle Gewinne setzen.

    So umfasst die vor rund einem Jahr gegründete Alliance Climate Action 100+ mehr als 300 Investmentfonds, Banken und Privatinvestoren, die ein Vermögen im Wert von 32 Billionen Dollar verwalten.

    Das Hauptziel dieses Bündnisses ist es, als Aktionäre von Öl- und Gasunternehmen diese dazu zwingen, ihre Strategie zugunsten von energiesparenden Projekten zu ändern. Zu den ersten Opfern gehört Royal Dutch Shell, das von Aktionären gezwungen wurde, mehr in erneuerbare Energien zu investieren.

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    Die Schweizer Firma Glencore, einer der weltweit größten Rohstofflieferanten, musste unter dem Druck der Investoren und Aktionäre auf neue Projekte zur Steinkohle-Förderung verzichten.

    „Für uns haben Investitionen in Rohstoffe Vorrang, die für die Energiegewinnung notwendig sind und dabei den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft ermöglichen. Die Kohleförderung wird auf das aktuelle Niveau beschränkt“, hieß es bei Glencore im Februar.

    Analysten zufolge könnten British Petroleum, die italienische Eni und die französische Total zu den nächsten Opfern gehören.

    Markt unter Kontrolle der Staaten

    Während die Kämpfer gegen die Klimaerwärmung versuchen, die Erschließung von Vorkommen zu torpedieren, warnen Experten vor den Folgen. Ein offensichtliches Risiko ist ein möglicher Mangel an Angebot auf dem Rohstoffmarkt und ein starker Anstieg der Öl- und Gaspreise.

    Nach OPEC-Angaben gingen die Investitionen in die Erschließung und Förderung von Öl und Gas zwischen 2014 und 2018 stark zurück, wobei sich eine Lücke von einer Billion Dollar bildete. Die fehlenden Investitionen werden die Ölpreise in den kommenden zwei bis drei Jahren nach oben treiben. Wenn die Erschließung neuer Vorkommen weiterhin künstlich beschränkt wird, wird ein Anstieg der Preise bereits 2025 unvermeidlich sein.

    Vom Druck der Aktionäre und Investoren auf die privaten Öl- und Gasunternehmen werden die staatlich kontrollierten Konzerne profitieren – wie Saudi Aramco, Gazprom und Rosneft.

    „Die staatlichen Öl- und Gasunternehmen verfügen nicht nur über die größten Kohlenwasserstoffvorräte in der Welt, sondern werden auch nicht von ihren Aktionären bzw. dem Druck der grünen Parteien beschränkt“, sagte der Chef des niederländischen Consultingunternehmens VEROCY, Cyril Widdershoven. Im Unterschied zu den internationalen Korporationen schauen die staatlichen Unternehmen nicht auf den Wert der Aktien und Gewinne, sondern auf die Förderung des Wirtschaftswachstums ihres Landes.

    Laut dem Experten eröffnet die von den Grünen provozierte Umwandlung des Ölmarkts große Möglichkeiten für diese Unternehmen, um die privaten Investoren zu verdrängen.

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    „Investoren, Hedge- und Pensionsfonds sind an der Finanzierung von Staatsunternehmen interessiert, wenn das Gewinne bringt“, so Widdershoven. Doch die westlichen Verbraucher müssen verstehen, dass die Öllieferungen zunehmend nicht mehr von Marktfaktoren, sondern vom politischen Willen der jeweiligen Regierung abhängen werden, so der Experte.

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    Tags:
    Energiekrise, Ölförderung, Öl, Gas, Umwelt, Klimaerwärmung, Saudi Aramco, Royal Dutch Shell, Rosneft, OPEC, Gazprom, Cyril Widdershoven, Irland, Norwegen